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MEDIZIN:
„Wie ein Sechser im Lotto“

OLDENBURG/BREMEN Für viele Nierenkranke sieht die Realität völlig anders aus: Die Wartezeit auf ein „passendes“ Organ beträgt durchschnittlich fünf Jahre.

Von Hans Drunkenmölle

OLDENBURG/BREMEN - Nicht jeder schwer Nierenkranke hat so viel Glück wie Werder Bremens Stürmerstar Ivan Klasnic, dem heute eine Lebendspender-Niere implantiert wird: Bis zu fünf Jahre müssten Betroffene hierzulande normalerweise auf ein Ersatzorgan warten, viele von ihnen würden zwischenzeitlich sterben, berichtet Manfred Völge aus Oldenburg, Vorsitzender des rund 450 Mitglieder zählenden Interessenverbandes der Dialysepatienten in Weser-Ems. Insofern sei es geradezu „wie ein Sechser im Lotto“, dass für den seit November kränkelnden 26 Jahre alten kroatischen Nationalspieler so schnell eine optimal passende Nierenspende zur Verfügung stehe, sagt der 70-Jährige, der selber mittlerweile zwei Transplantationen hinter sich hat.

Die stetig steigende Nachfrage kann durch das Angebot an Spendernieren bei weitem nicht gedeckt werden. Bundesweit stehen 11 000 Patienten auf Wartelisten. Im vergangenen Jahr gab es gerade mal 2300 Nierentransplantationen, davon 234 in den Transplantationszentren Hannover (126), Hann.Münden (77) und Bremen (31). Nur bei 20 Prozent der Transplantierten werden die Organe lebend gespendet. In den übrigen Fällen handelt es sich um Nieren Verstorbener.

Mediziner wie Patientenverbände beklagen einen völlig unverständlichen Widerspruch: Zwar erklären sich 85 Prozent der Menschen in Umfragen zur Organspende bereit, aber nur 12 Prozent dokumentieren dies letztlich in einem Organspenderausweis. „40 Prozent der möglichen Organspenden kommen nicht zustande, weil die Zustimmung des Verstorbenen fehlt oder Verwandte nicht einwilligen“, weiß Dr. Hans-Robert Kertelge, Direktor der Klinik für Allgemeine Innere Medizin am Klinikum Oldenburg.

„Das Problem muss rechtzeitig in den Familien thematisiert werden“, appelliert Manfred Völge. Insgesamt 18 Jahre lang hat er dreimal pro Woche jeweils bis zu sechs Stunden Blutwäsche auf Dialysestationen erdulden müssen – für 60 000 Menschen in Deutschland ist das Realität. „Tausende sehnen sich nach Klasnics Glück“, sagt Völge. Organspenderausweise gibt es bei Ärzten und Apotheken.

Sport, S. 30

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