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Zwischen Moral und Ökonomie

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1x1 Der Wirtschaft:
Zwischen Moral und Ökonomie

Oldenburg Zinsmanipulation, Pferdefleisch in der Lasagne, Steuerhinterziehung: In der öffentlichen Diskussion kann häufig der Eindruck entstehen, dass moralisches Handeln keinen Platz in der Wirtschaft hat. Prof. Dr. Dirk Loerwald sieht das anders. „Ethik und Wirtschaft sind kein Widerspruch – im Gegenteil“, sagte der Inhaber des Lehrstuhls für Ökonomische Bildung an der Universität Oldenburg am Donnerstag. Er hielt das Impulsreferat zum Thema „Ethik in der Arbeitswelt“ bei der Gartenvorlesung „1x1 der Wirtschaft“ beim In-stitut für Ökonomische Bildung (IÖB) in Oldenburg.

„Ökonomisches Handeln ist stets mit ethischen Implikationen verbunden“, erklärte Loerwald vor rund 150 Gästen im voll besetzen Zelt. Besonders spannend sei dies in der Arbeitswelt zu beobachten, weil der Arbeitsmarkt etwa durch die „Ware“ Mensch, Tarifverhandlungen oder staatliche Regulierungen „kein Markt wie jeder andere ist“.

Von Unternehmern werde erwartet, dass sie neben der ökonomischen auch soziale und ökologische Verantwortung übernehmen. Arbeitnehmer wiederum sollten nicht nur Dienst nach Vorschrift machen, sondern sich – wo möglich – auch für die Ziele des Unternehmens einsetzen. „Gewinnstreben und Moral laufen nicht zwangsläufig gegeneinander, aber es kann ein Spannungsverhältnis entstehen“, sagte Loerwald. Aus seiner Sicht ist es hilfreich, „sich nicht auf moralische Appelle allein zu verlassen“. Sinnvoll sei es „moralische Forderungen in eine Kosten-Nutzen-Logik zu übersetzen“.

In der anschließenden Diskussionsrunde wurde deutlich, dass es Unterschiede in der Wahrnehmung des Spannungsverhältnisses zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer gibt. Aus Sicht von Thomas Lemke, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Oldenburg, hat hier eine positive Entwicklung stattgefunden. „Das Miteinander von Arbeitnehmern, Betriebsräten und Arbeitgebern ist heute sehr viel intensiver als in früheren Jahren“, sagte er. Entscheidende ethische Grundhaltung ist für ihn dabei der Anstand. Wenn der Arbeitgeber Anstand gegenüber dem Arbeitnehmer zeige, dann werde das auch umgekehrt der Fall sein, so Lemke.

Weitaus kritischer sah Hans-Otto Rohde, Vorsitzender der Gewerkschaft IG Bau Bezirksverband Nordwest-Niedersachsen, die Entwicklung. Mit Blick auf die Bauwirtschaft kritisierte er etwa das immer stärker um sich greifende Problem der „Sub-Sub-Sub-Unternehmer“ und illegale Beschäftigung. „Was in der Bauwirtschaft teilweise abgeht, hat mit ethisch-moralischem Verhalten nichts zu tun“, sagte Rohde.

Prof. Dr. Hans Kaminski, Leiter des IÖB, zeigte mit Blick auf seine Erfahrungen aus dem Bildungsbereich auf, dass die Diskussion um Ethik und Wirtschaft häufig von einer „individualethischen Ebene“ geprägt sei, aus der man dann gewisse Handlungen ableite. Solch ein „blanker Moralismus“ sei aber der falsche Weg. Wichtig sei es, auch Ordnungsprinzipien, die „Spielregeln“ in der Wirtschaft, danebenzustellen.

Dass ökonomischer Erfolg und moralische Ansprüche kein Widerspruch sein müssen, zeigte Robert Jabin, Personalreferent und „Corporate-Happiness“-Trainer bei Upstalsboom auf. Er erklärte, wie der Hotelbetreiber aus Emden seit 2010 – als man zwar wirtschaftlich erfolgreich war, aber eine hohe Unzufriedenheit unter den Mitarbeitern herrschte –, einen Kurswechsel vollzogen habe.

„Wertschöpfung durch Wertschätzung“ laute heute das Credo, so Jabin. Die Erfolge hätten sich dabei rasch eingestellt: Den Umsatz habe Upstalsboom seit 2010 mehr als verdoppelt, die Mitarbeiterzufriedenheit sei deutlich höher, der Krankenstand spürbar zurückgegangen.

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