19. Juni 2010


Nach der Ausbildung auf die Walz: Anne Reiners, Tischlerin

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Nach ihrer regulären Ausbildung will Anne Reiners einer alten Handwerkstradition folgen und auf die Walz gehen. BILD: Romey  Bild vergrößern

Gut findet Anne Reiners, dass „die Fähigkeiten zunehmen“. Die Auszubildende im zweiten Lehrjahr zur Tischlerin mag handwerkliches Arbeiten sehr, ebenso eigene Ideen entwickeln und umsetzen.

Sie rät auf jeden Fall zu einem Praktikum, mit dem sei es leichter, sich zu bewerben. Das war auch ihr Weg. Nach ihrem Praktikum im Ausbildungsbetrieb Sandkuhl in Ganderkesee, lernt sie in diesem Betrieb für Innenausbau als erste weibliche Auszubildende. „Das würden wir immer wieder machen“, sagt Ausbilder Edgar Block. Anne passt vom Typ und ihrer Arbeitseinstellung gut zu uns. Das sehen ihre 25 männlichen Kollegen auch so und nahmen sie gut auf.

Anne Reiners würde diese Ausbildung immer wieder machen, auch wenn es harte Arbeit ist und rät dazu auch anderen Frauen. „Du brauchst zwar ein dickes Fell, besonders wenn auf Baustellen mit anderen Handwerkern gearbeitet wird, dort musst du dich immer wieder beweisen. Doch wenn du Lust dazu hast, ist es egal ob du Frau oder Mann bist“.

Das Tischlerhandwerk ist ein vielseitigster und interessantester Beruf. Tischler gestalten und planen den Innenausbau von Geschäfts- und Privaträumen, fertigen und montieren Fenster, Haustüren, Treppen, Wintergärten, Einzelmöbel, weiterhin gehören die Renovierung und Restaurierung zu ihrem Aufgabengebiet. Gearbeitet wird überwiegend mit den Werkstoffen Vollholz und Furnier.

Neben der traditionellen, maschinellen Fertigung werden zunehmend moderne, computergesteuerte Maschinen (CNC) eingesetzt.

Die schulische Ausbildung vertieft Kenntnisse in der EDV, wie technisches Zeichnen am PC. Diese Kenntnisse werden auch in anderen Bereichen gern genutzt.

Die Tischlerausbildung dient auch als gute Grundlage für ein Studium an Fachhochschulen oder Universitäten in den entsprechenden Fachrichtungen, wie zum Beispiel Architektur oder Gestaltung, weiß Anne Reiners. Auch ohne Studium fänden Tischlergesellen in vielen Bereichen Arbeit, interessant wäre der Bootsbau oder auch der künstlerische Bereich.

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Die 22-Jährige plant nach ihrer Ausbildung erst einmal, auf die Walz zu gehen. Dazu wird sie sich eine Handwerksvereinigung, auch Schächte genannt, aussuchen, die auch Frauen aufnimmt. Die Walz, Tippelei oder Wanderjahre

Das zünftige Reisen von Handwerkern, auch als „Walz“ oder „Tippelei“ bezeichnet, hat in Deutschland eine uralte Tradition, die mit einigen zeitgemäßen Anpassungen bis zum heutigen Tage überlebt hat. Auch heute noch sind im In- und Ausland zwischen 600 und 800 Gesellen auf Wanderschaft unterwegs, rund zehn Prozent von ihnen sind mittlerweile Frauen.

Handwerker, die sich auf traditioneller Wanderschaft befinden, verpflichten sich, drei Jahre und einen Tag zu wandern. Während dieser Zeit bleiben mindestens sie fünfzig Kilometern von ihrem Heimatort entfernt.

Ziel dieser Wanderung ist es, neue Arbeitspraktiken, sowie unbekannte Orte und Länder kennen zu lernen. Neben der Erweiterung und Weitergabe ihrer beruflichen Kenntnisse und Fähigkeiten verstehen sie die Wanderschaft auch als Beitrag zur Förderung der zwischenmenschlichen Beziehungen und der Völkerverständigung.






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