19. Juni 2010


„Früher war vieles einfacher“

Früher war vieles einfacher“, erzählt Malermeister Jörg Stührenberg von Art Color in Brake. Und er weiß, wovon er spricht: als Jörg Stührenberg 1980 die Ausbildung im väterlichen Betrieb zum Maler begann, war Arbeitssicherheit fast noch ein Fremdwort. Heute lernen bereits die Auszubildenden mit GUV und Unfallverhütungsvorschriften der Berufsgenossenschaft umzugehen. Auf jedem größeren Bau kontrolliert ein Sicherheits- und Koordinationsobmann, ob z.B. die Leiter oder das Gerüst den richtigen Stand hat, ob die Arbeitsausrüstung ordnungsgemäß ist. Die Handwerker koordinieren, damit keine Unfälle passieren.

Während Stührenbergs Ausbildung war vieles lockerer, mit den neuen Kommunikationsmitteln ist es hektischer geworden, Terminvorgaben spielen eine große Rolle. Die Kunden waren auch entspannter, Handwerker wurden oft mit in das Familienleben einbezogen. Das kommt heute nur noch selten vor und auch nur im Privatbereich.

Während damals häufig nur Braker Firmen zusammen arbeiteten, wirken jetzt Firmen aus einem sehr viel größeren Umkreis an den Bauten mit. Der Malerberuf ist abwechslungsreicher geworden. Die einzelnen Handgriffe müssen detaillierter verrichtet und dokumentiert werden. In Räumen werden glatte Untergründe gespachtelt und geschliffen, auf denen dann jede Tapete, Gestaltungs-Technik oder auch nur ein Anstrich aufgetragen werden kann. Mit den ebenfalls in den letzten Jahren hinzugekommenen Techniken wie Kalkpresstechnik, Marmorier- und Lasurtechnik gestaltet der Maler die Räume individuell. „Diese Gestaltung ist nur für Sie, die gibt es kein zweites Mal. Es wird ein Unikat erstellt.“, vermittelt er dem Kunden.

„Das eigene Zuhause ist für den einzelnen Menschen ein Rückzugsort, oft wie ein Kokon, geworden. Es wird mehr Wert auf die einzelne Raumgestaltung gelegt“, berichtet das Ehepaar Stührenberg. Mit dem Auftraggeber wird ein Konzept zur kompletten Raumgestaltung erstellt. Dazu ist Menschenkenntnis erforderlich, die Auswahl der Farben und Tapeten soll schließlich zu dem einzelnen passen. Mit Bodenbelägen kennt ein Maler sich aus: zu Teppichböden und Design-PVC sind u.a. Kork, Laminat, Parkett, Sisal, Linoleum und auch Treppenverlegungen hinzugekommen.

Fassadenisolierung wie z. B. WDVS-System, Naturharze und -leime für Öko-Kunden, Naturpigmente, die Arbeitsmaterialien sind sehr mittlerweile umfangreich. Der Profi verwendet ausschließlich Qualitätsprodukte die sowohl TÜV-geprüft sind als auch der VOC-Norm (Richtlinien zur Lösemittelbegrenzung bzw. -vermeidung bei Lacken und Farben).

Heute legt besonders der Privatkunde Wert auf sauberes Arbeiten und auf ein gepflegtes Aussehen und Benehmen der Mitarbeiter. „Der Kunde will einfach mehr“, weiß der Malermeister. Durch die Vielseitigkeit des Berufes hat bereits der Auszubildende seit dem ersten Tag viele Kundenkontakte.

Ein guter Hauptschulabschluss mit guten Mathezensuren um u.a. Tapetenflächen ausrechnen zu können, ist eine Voraussetzung, um eine Ausbildung in diesem Beruf absolvieren zu können. Der Auszubildende muss auch unbedingt kopffest sein, er muss auf Gerüste, Steiger und Kräne steigen. Beim Malereifachbetrieb absolvieren die Berufsanwärter ein Praktikum.

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Maler sind heute Profihandwerker, die ständig weiter geschult werden müssen, erklärt der Malermeister. So gehen die Mitarbeiter der Firma Stührenberg auch ins Ausland zu Fortbildungen. Für die Zukunft wünscht sich Jörg Stührenberg, dass die Auszubildenden „ein bisschen mehr Biss haben und etwas ehrgeiziger sind.“ Für seine Arbeit hofft er, dass er weniger Zeit mit schriftlichen Tätigkeiten verbringt, sondern mehr seine eigentliche Arbeit verrichten kann. Ein Abbau der Bürokratie wäre wünschenswert.






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