Bundespräsident Wulff zurückgetreten - Politiker und Kirchen zollen Respekt
Bundespräsident Christian Wulff kommt neben seiner Frau Bettina am Freitag im Schloss Bellevue in Berlin zur Pressekonferenz. Bild: dpa 
berlin - Bundespräsident Christian Wulff ist am Freitag von seinem Amt zurückgetreten. „Es war mir ein Herzensanliegen, den Zusammenhalt unserer Gesellschaft zu stärken“, erklärte Wulff in seinem Berliner Amtssitz Schloss Bellevue. Die Entwicklung der vergangenen Tage und Wochen habe jedoch gezeigt, dass das Vertrauen in ihn und sein Amt „nachhaltig beeinträchtigt“ sei. Seit der Berichterstattung über einen fragwürdigen Hauskredit Ende 2011 sah er sich immer wieder Vorwürfen der Befangenheit ausgesetzt. Vertreter aus Politik und Kirchen dankten Wulff für sein Engagement.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bedauerte den Rücktritt Wulffs. In einer kurzen Stellungnahme würdigte sie das Wirken des scheidenden Präsidenten und betonte, sie zolle Wulff für seinen Schritt Respekt. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) erklärte, Wulff habe sich große Verdienste um die Integration von Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religionen erworben.
Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) hat die Verdienste Wulffs gewürdigt. Als niedersächsischer Ministerpräsident von 2003 bis 2010 habe er „sehr viel Positives“ geleistet. Auch im Amt des Bundespräsidenten habe er wichtige Akzente gesetzt. Die Aufgaben des Bundespräsidenten werden bis zur Wahl von Wulffs Nachfolger von Bundesratspräsident Horst Seehofer (CSU) wahrgenommen. Merkel wird Wulff bei der für kommende Woche vorgesehenen Gedenkfeier für die Opfer des Rechtsterrorismus vertreten.
Chronologie der Affäre um Christian Wulff
Wortlaut: Die Rücktrittserklärung Wulffs
Auch Spitzenvertreter der beiden großen Kirchen äußerten Respekt vor der Entscheidung des Bundespräsidenten. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, nannte den Rücktritt einen wichtigen Schritt „zum Schutz seines hohen Amtes und seiner Person“. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche (EKD), Nikolaus Schneider, bezeichnete den Rücktritt als „folgerichtig“ und „befreiend“. Der Zentralrat der Juden in Deutschland würdigte Wulff für sein „konsequentes Eintreten für die Rechte der religiösen Minderheiten und seine besondere Sensibilität im Umgang mit dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte“.
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