Präsident Wulff tritt ab - Parteien suchen gemeinsam nach einem Nachfolger
Schwerer Gang: Bundespräsident Christian Wulff und seine Ehefrau Bettina verlassen am Freitag im Schloss Bellevue in Berlin die Pressekonferenz. BILD: dpa 
von Marco Seng Und Unseren Agenturen
Berlin - Nach zehn Wochen Dauerkritik und angesichts drohender strafrechtlicher Ermittlungen hat Bundespräsident Christian Wulff seinen sofortigen Rücktritt erklärt. Noch am Freitag eröffnete Kanzlerin Angela Merkel die parteiübergreifende Suche nach dem Nachfolger. Der muss bis zum 18. März gewählt sein. Die Opposition bot ihre Zusammenarbeit an.
Die Staatsanwaltschaft Hannover will bereits an diesem Sonnabend nach Erlöschen von Wulffs Immunität die Ermittlungen gegen ihn aufnehmen.
Mit 598 Tagen war Wulff so kurz im Amt wie kein anderer Bundespräsident. Der 52-Jährige gab seinen Rücktritt am Freitag in einer persönlichen Erklärung im Schloss Bellevue bekannt. Wulff wies an der Seite seiner Frau Bettina alle Vorwürfe wegen möglicher Begünstigungen durch befreundete Unternehmer zurück, räumte aber Fehler ein. Zugleich gab er zu, dass er das Präsidentenamt nicht mehr so wahrnehmen könne, „wie es notwendig ist“.
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Merkel zollte dem bislang jüngsten bundesdeutschen Staatsoberhaupt „größten Respekt“. Zugleich kündigte die CDU-Chefin an, über die Parteigrenzen hinweg nach einem Nachfolger zu suchen. Noch am Freitagabend fand ein erstes Treffen mit CSU-Chef Horst Seehofer und FDP-Chef Philipp Rösler statt. Am Sonnabend sollen bei einem weiteren Treffen auch die schwarz-gelben Fraktionsspitzen eingebunden werden. Am Wochenende sollen zudem SPD und Grüne ins Boot geholt werden, nur die Linkspartei bleibt außen vor.
Wulff ist innerhalb von zwei Jahren bereits der zweite Bundespräsident, der vorzeitig das Amt verlässt. Vorgänger Horst Köhler hatte im Mai 2010 überraschend seinen Rücktritt erklärt, nachdem er mit Äußerungen zum Afghanistan-Einsatz eine Diskussion ausgelöst hatte.
Strittig ist nun, ob Wulff wie die vier anderen lebenden Ex-Präsidenten einen „Ehrensold“ in Höhe von 199 000 Euro pro Jahr bekommt.
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