BERLIN, 18. Februar 2012


Schlossherr gesucht – Dame angenehm

Bundespräsident Kandidaten-Karussell auf vollen Touren – Umweltminister Klaus Töpfer ein Favorit


Viele Stimmen sprechen sich für eine Frau aus. Ursula von der Leyen wäre es vor zwei Jahren gerne geworden.

von Gunars Reichenbachs, Büro Berlin

Berlin - Das Kandidaten-Karussell dreht sich auf vollen Touren. Die FDP pocht auf einen eigenen schwarz-gelben Präsidentschafts-Bewerber, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) streckt SPD und Grünen die Hand für eine gemeinsame Suche aus. Noch mit der knappen Würdigung der Verdienste Wulffs schiebt die Regierungschefin sofort ein Angebot an die Opposition angesichts äußerst schwieriger Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung hinterher: „Wir wollen Gespräche führen mit dem Ziel, einen gemeinsamen Kandidaten für die Wahl des nächsten Bundespräsidenten vorschlagen zu können.“

SPD-Chef Sigmar Gabriel schlägt sofort ein, während die nicht-berücksichtigte Linke („Merkel hat uns wahrscheinlich versehentlich vergessen“) schmollt. „Entscheidend ist, dass der neue Präsident dem Amt Respekt und Würde zurück gibt“, betont der SPD-Vorsitzende fast gleichlautend mit den Grünen. „Wir würden es begrüßen, wenn die Union die Kraft zu einem überparteilichen Kandidaten findet“, assistiert Steffi Lemke, Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Bundestagfraktion. „Wir machen jetzt keine Castingshow“, schränkt Parteichefin Claudia Roth aber ein.

Geht es nach den Flurgerüchten in den Parteizentralen, wären die Würfel schon gefallen. „Er müsste nur Ja sagen, dann wäre er es sofort“, heißt es über den ehemaligen Umweltminister Klaus Töpfer (73). Der CDU-Politiker genießt tatsächlich hohes Ansehen – erworben besonders nach seiner aktiven Regierungszeit als Vize-UN-Generalsekretär für Umwelt und erst vor einem Jahr als Vorsitzender jener Ethik-Kommission, die den Ausstieg aus der Atomwirtschaft begleitete. Auf dem Sonderparteitag der Grünen erhielt niemand mehr Beifall als Töpfer. Die Delegierten erhoben sich. Roth, Jürgen Trittin, Renate Künast – die gesamte Grünen-Spitze klatschte. Genau das könnte Töpfers Problem werden: zu Grünen-nah.

Geht es nach dem mächtigen Stimmen-Chor, der eine Frau für Schloss Bellevue fordert, dann besitzt CDU-Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (53) die besseren Karten gegenüber Skatspieler Töpfer. Die Niedersächsin wäre so gern anstelle von Wulff nominiert worden. Von der Leyen hielt sich in der Wulff-Debatte völlig zurück. Im kleinen Kreis geizte sie nicht mit indirekter Kritik an Wulff. Ihr Vater, Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU), sei bekannt für eine „völlig korrekte“ Amtsführung gewesen. Ein klarer Seitenhieb.

Ob Außenseiterinnen wie die frühere EKD-Vorsitzende Margot Käßmann (53), wegen einer Trunkenheitsfahrt aus dem Amt geschieden, oder die Grünen-Bundestagsabgeordnete Katrin Göring-Eckardt (45), Präses der EKD-Synode, oder Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (75, CDU) in die engere Wahl kommen, stößt eher auf Zweifel. Ausschließen will niemand etwas.

Bleibt also noch eine respektabel große Männerriege. Ganz vorne: Joachim Gauck (72), beim letzten Mal Kandidat von SPD und Grünen, der es als „Bundespräsident der Herzen“ bis in den dritten Wahlgang gegen Wulff schaffte. Hätte die Linke den ehemals so streitbaren und wortgewaltigen DDR-Bürgerrechtler mitgewählt, säße der Ex-Pfarrer jetzt ganz entspannt im Präsidentenschloss. Gauck gilt als absolut honorig, ohne Affären belastet. Gauck („Geben Sie mir einfach noch ein wenig Zeit“) lässt seine Ambitionen noch offen.

Schon beim letzten Mal auf den Ruf gewartet hat Bundestagspräsident Norbert Lammert (63, CDU). Der redegewandte und streitbare Bochumer hat jedoch manchen Konflikt mit Merkel gesucht – und gefunden. Ob das hilft?

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Oder greift Merkel auf einen aus der Ministerriege zurück? Immer wieder genannt: CDU-Finanzminister Wolfgang Schäuble (69) oder CDU-Verteidigungsminister Thomas de Maizière (58). Aber kann die Kanzlerin auf solche Leistungsträger im Kabinett verzichten?

Vor allem Sozialdemokraten erinnern daran, dass einst mit Roman Herzog der Präsident des Bundesverfassungsgerichts ins höchste Amt gewählt wurde. Viele trauen dies auch dem derzeitigen Verfassungsgerichtspräsidenten Andreas Voßkuhle (48) zu. Sein Nachteil: wenig Parteibindung.






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