Krankenmorde machen betroffen
Euthanasie 15000 Patienten zur NS-Zeit in heutiger Karl-Jaspers-Klinik verhungert
Geschockt über den Umgang mit psychisch kranken Menschen zur NS-Zeit: Die Schüler der 9c der Realschule Barßel besuchten die Gedenkstätte „Alte Pathologie“. BILD: Rainer Pagel 
von Michelle Rastedt Aus Der 9c Der Realschule Barßel
Bad Zwischenahn - Vor den Toren der Stadt Oldenburg liegt die heutige Karl-Jaspers-Klinik Wehnen, die zum Psychiatrieverbund Oldenburger Land gehört. Dass in dieser Klinik, die früher den Namen „Heil- und Pflegeanstalt Wehnen“ trug, zur Zeit des Nationalsozialismus über 1500 Patienten vom Personal ermordet wurden, indem sie so wenig zu essen erhielten, bis sie schließlich den Hungertod starben, erfuhr die Projektgruppe Geschichte beim Besuch der Gedenkstätte „Alte Pathologie“ auf dem Gelände der Karl-Jaspers-Klinik.
Edda Minssen vom Gedenkkreis Wehnen begleitete den Besuch. Sie führte die Gruppe durch die „Alte Pathologie“, wo damals die Leichen obduziert wurden. Nach dem Rundgang inklusive Vortrag ging es zu dem Gedenkstein, der am 1. September 2001 zur Erinnerung an die Opfer aufgestellt wurde. Minssen zeigte den Schülern auch den Friedhof, auf dem 1500 Steine liegen – jeder Stein steht für ein Menschenleben.
Euthanasie = Guter Tod
Die Krankenmorde werden mit dem Begriff „Euthanasie“ bezeichnet. Das Wort Euthanasie kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „guter Tod“. Da die Nazis die seelisch und körperlich Kranken loswerden wollten, die sie als Ballast für die Gesellschaft empfanden, bezeichneten sie die Krankenmorde als „Gnadentod“. Bei der „Euthanasie“ unterscheidet man zwischen der ersten Phase, die mit dem so genannten „Euthanasiebefehl“ Adolf Hitlers vom 1. September 1939 einsetzte, und der „wilden Euthanasie“ (zweite Phase), die nach der offiziellen Einstellung der „Euthanasie“ am 24. August 1941 praktiziert wurde.
Insgesamt kamen durch die „Euthanasie“ etwa 200 000 Menschen ums Leben. Während der ersten Phase wurden etwa 70 000 Menschen ermordet. In der damaligen Heil- und Pflegeanstalt Wehnen wurde bereits im Jahre 1936 mit den Morden begonnen – also Jahre bevor Adolf Hitler den „Euthanasiebefehl“ unterschrieb. Auch nach dem „offiziellen“ Ende der „Euthanasie“ im August 1941 war die Sterblichkeit unverändert hoch und nahm in den Folgejahren sogar noch deutlich zu. Die von dem Oldenburger Historiker Dr. Ingo Harms in diesem Zusammenhang zusammengetragenen Fakten lassen daran keinen Zweifel.
Einzelner Protest
Zur Zeit des Nationalsozialismus war nicht jeder Mensch gleich, seelisch und körperlich kranke Menschen wurden als Ballast empfunden. Heutzutage ist das Geschehen für nahezu alle Menschen unvorstellbar. Bischof von Galen aus Münster gehörte zu den wenigen, die ihre Stimme gegen die „Euthanasie“ erhoben. In seiner Predigt vom 3. August 1941 verkündete er, dass es gegen das Gesetz verstoße, Menschen egal mit welchem Leiden umzubringen. Noch im gleichen Monat stellte Hitler die „Euthanasie“ offiziell ein – ob von Galens Predigt dabei eine Rolle spielte, ist umstritten – doch in den verschiedenen psychiatrischen Anstalten wurde weiter gemordet. Es kamen sogar weit mehr Menschen um als zur Zeit der ersten Phase der „Euthanasie“.
Dass nur Bischof Graf von Galen protestierte, ist verwunderlich. Hat es mehr Menschen gegeben, die sich empört haben? Wer Kenntnisse über derlei Proteste hat, im öffentlichen oder privaten Bereich, wird gebeten, sich bei Anna-Lena Siefken, Realschule Barßel, Westmarkstraße 3, 26676 Barßel, Email: anna-lenasiefken@szbarssel.de zu melden.
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