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NWZonline.de 24 Stunden

Die Halal-Schlachterei

17.11.2015

Elsfleth Der Mann hat eine Stimme, dass man glaubt, sie könne Tote erwecken. Was schlecht wäre: Rolf Piepmeyer ist Schlachter. Oder – nach eigener Einschätzung – Frühstücksdirektor. In jedem Fall aber eine bundesweit bekannte Persönlichkeit. Denn der Schlachthof Piepmeyer ist nach eigenem Bekunden der einzige Halal Schlachter Deutschlands: Er schlachtet fast ausschließlich für Kunden aus dem islamischen Kulturkreis und hat sich auf diese Kundschaft eingestellt. Das macht mich neugierig.

Der Versuch, am Telefon ein Treffen für die 4-Uhr-Reportage zu verabreden, endet mit einer lautstarken und ebenso klaren Ansage: „4 Uhr? Da passiert doch nichts. Da können Sie allein da sein, aber nicht mit mir!“ Tatsächlich: Nur die Beleuchtung auf dem Betriebsgelände im Elsflether Gewerbegebiet Hogenkamp spendet etwas Helligkeit, sonst liegt alles im Tiefschlaf. Erst gegen 7.30 Uhr kommen die ersten Mitarbeiter. Und natürlich der Chef. Schließlich geht um 8 Uhr das Geschäft los.

Die ersten Bullen für die Schlachtung kommen schon früher: „Nur ausgewählte Tiere, keins älter als zwei Jahre“, ruft mir Piepmeyer ins Ohr und hält mir die Tierpässe unter die Nase. „Die Muslime legen Wert auf gute Waren und Essen in Gemeinschaft. Deshalb kaufen sie hochwertiges Fleisch, nur Rind und Lamm“, erklärt der Schlachter und zieht einen Vergleich: „Bei den Deutschen geht es beim Essen ja nur um Nahrungsaufnahme, nicht um Qualität.“

Die ersten Kunden kommen, bis zu 100 am Tag. Keine Großabnehmer, sondern Endverbraucher. Denn der Schlachthof Piepmeyer ist kein anonymer Großbetrieb, sondern eine kleine EG-zertifizierte Schlachterei. Viele ähnliche Betriebe haben in den 60er und 70er Jahren schließen müssen, weil sie die ständig steigenden Anforderungen nicht erfüllen konnten. Rolf Piepmeyer in der Wesermarsch fand mit der Halal-Schlachterei ein Geschäftsmodell, das sich als zukunftsträchtig erwies. „Nach der BSE-Krise sah es für die Branche ganz duster aus. Da hab’ ich muslimische Hochzeitsfeiern besucht und für meine Ware geworben.“ Die Eintrittskarte hatte er schon vorher gelöst, als er der einzige war, der halal schlachten wollte. „Die Kurden haben damals überall gefragt, aber die anderen waren zu hochnäsig für die ganze Prozedur.“

Denn Muslime dürfen nur Fleisch essen, das nach speziellen Ritualen zubereitet wird. Dazu gehört, dass die Tiere von einem gläubigen Moslem geschlachtet werden müssen. Als in den 60er Jahren Kurden als Arbeiter nach Bremen kamen, war ihnen das Fleisch der heimischen deutschen Schlachter zu unrein. Rolf Piepmeyer erkannte die Marktlücke und bediente die Wünsche, damals noch in Rodenkirchen. Erst kamen wenige, dann wurden es immer mehr. 1987 musste Piepmeyer einen neuen Schlachthof bauen, in dem nach strengen Auflagen halal geschlachtet wird. Das sprach sich rum. In der Region, später in ganz Norddeutschland. Inzwischen gebe es auch in der Politik wieder Rückenwind für kleine Schlachthöfe, freut sich der gebürtige Wildeshauser. „Jetzt hoffe ich, dass ich noch lange arbeiten kann.“

„Unsere Kunden vertrauen der überzeugenden Qualität unseres Fleisches und reisen mittlerweile aus ganz Nordwestdeutschland an“, sagt Piepmeyer, der selbst nicht mehr schlachten darf und sich deshalb ironisch als Frühstücksdirektor betitelt. Dabei ist er alles, nur nicht das. Rolf Piepmeyer ist überall und nirgends. Trotz seiner 73 Jahre läuft er behende durch den Betrieb, kontrolliert alle Produktionsschritte und ist flugs am Telefon, das häufig klingelt. Die Kunden fragen nach Fleisch, aber häufig muss Altmeister Ali Hijazi am Telefon einspringen, um arabische Kunden zu bedienen. Piepmeyer freut sich lautstark und ist schon wieder im Betrieb. Dann erklärt er, was seine Ware auch für Nicht-Muslime so begehrt macht: „Unser Fleisch kommt aus der hiesigen Region, wo die Lämmer und Rinder eine natürliche Futtergrundlage vorfinden“, betont er.

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