Jever - Es ist früher Freitagmorgen. Die Nacht hat sich noch nicht so richtig verabschiedet, der Tag aber auch noch nicht angemeldet. Doch rund um den Kirchplatz beginnt so langsam ein emsiges Treiben. Fahrzeuge mit Anhängern fahren auf den Platz und es wird mit dem Aufbau der Stände für den Wochenmarkt begonnen. Nach und nach füllt sich der Platz, so dass pünktlich mit dem offiziellen Beginn des Wochenmarktes um 7 Uhr alle Marktbeschicker ihre Plätze eingenommen haben und auf ihre Kundschaft warten. Einige Besucher können es gar nicht erwarten, ihre Einkäufe zu tätigen und sind bereits kurz vor 7 Uhr vor Ort, um das große Angebot an Vielfalt, Frische und Qualität zu nutzen. Das nutzt auch Sabine Kleihauer gerne: „Bevor ich zur Arbeit gehe, nutze ich die Gelegenheit und kaufe alles, was ich für das Wochenende benötige hier ein. So früh ist noch nicht allzuviel los und alle Stände sind noch gut zugänglich. Und ein kleiner Smalltalk am frühen Morgen ist dabei auch noch drin.“ Auch Gunda aus Jever ist schon da. Einkaufen wird sie erst später. „Ich setze mich erst einmal in eines der Cafés, die sich direkt am Wochenmarkt befindet und beobachte das Treiben. Da ich früher während ich zur Arbeit ging, bereits um 4.45 Uhr aus dem Haus musste, ist diese Zeit zur Gewohnheit geworden. Viele kennen mich, ein kleiner Klönschnack ist immer drin und Späßchen werden auch gerne gemacht.“ Vom Wochenmarkt in Jever ist die Rentnerin begeistert.
Eine der Ersten, die ihren Stand aufbaut, ist Urte Habben. Mit ihren fleißigen Angestellten baut die Obst- und Gemüsehändlerin aus Varel ihr Frischeangebot bereits um 5.15 Uhr auf. Urte Habben ist auch die Sprecherin der rund 25 Marktbeschicker, die am Freitag in Jever zu finden sind. Am Dienstag ist der Einkauf hier sogar fast entspannter als freitags, denn zum Wochenende ist der Einkaufszettel um einiges länger. „Ich bin bereits seit 27 Jahren dabei“, so Urte Habben, „meine Mutter, Helga Lammers, hat den Jeveraner Wochenmarkt sogar 40 Jahre beliefert.“ Luth Eilts aus der Hagermarsch ist sogar seit 47 Jahren mit seinem Fischstand in Jever dabei. Seinen Spruch „Gestern noch in Meeresfluten, heute schon bei Luth in Tuten“ kennen die Stammgäste des Wochenmarktes natürlich alle.
Erstmals fand der Wochenmarkt in Jever am 19. Juli 1949 auf dem Kirchplatz statt. In der Folgezeit fand auch schon mal ein Wechsel zum Alten Markt statt. Das war als die Kirche im Jahr 1959 abgebrannt war. Mittlerweile aber ist der Kirchplatz (seit 1976) der feste Standort. Der Markt ist in seiner Art und Lage sicher einer der schönsten im Norden. Wenn besondere Zeiten, wie zum Bespiel die Ernte- oder die Weihnachtszeit anstehen, dann werden die Märkte auch schon mal mit einem besonderen Motto ausgestattet. Ausgefallen ist der Wochenmarkt in den 66 Jahren seines Bestehens nur ein einziges Mal. Das war, als das Sturmtief „Xaver“ über das Land rauschte.
