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NWZonline.de 70 Jahre NWZ

Langsamer Start und abruptes Ende

04.06.2016

Kleinensiel 16. September 1978, 1.31 Uhr: Die so genannte „Kritikalität“ des Reaktors im Kernkraftwerk Unterweser in Kleinensiel (Landkreis Wesermarsch) ist durch die Einleitung der Kettenreaktion hergestellt. Dieses Ereignis gilt als die offizielle Inbetriebnahme des KKU.

Der kommerzielle Leistungsbetrieb begann erst ein Jahr später am 6. September 1979. Und er endete mit dem von der Bundesregierung verfügten Ausstieg aus der Kernenergie am 6. August 2011.

Von den Beschlüssen der Aufsichtsräte der damaligen Nordwestdeutschen Kraftwerke vom 11. März 1971 und der PreussenElektra vom 6. April 1971, ein 1300-Megawatt-Kernkraftwerk an der Unterweser zu bauen, und der Inbetriebnahme des KKU, das eigentlich schon im März 1977 produktionsbereit war, lag ein dornenreicher Weg.

Zwar hatten am 16. März 1971 der Kreistag Wesermarsch und der Esenshammer Gemeinderat den einstimmigen Beschluss gefasst, das Projekt zu unterstützen, doch schnell formierten sich die Kernkraftgegner. Zahlreiche Einsprüche, Protestaktionen, ausstehende Gutachten und Klagen verzögerten die erforderlichen Genehmigungen und die einzelnen Bauschritte.

Zu einer Besetzung kam es am 1. Juni 1978 – 30 Atomgegner einer Bremer Bürgerinitiative blockierten den Info-Pavillon und forderten die Herausgabe des Katastrophenplans für die Anlage. Die Aktion war „eine in der Wesermarsch absolut neue Methode der Gegnerschaft gegenüber Atomenergieanlagen“, stellte die NWZ  fest.

Gebaut wurde von Mitte 1972 bis Anfang 1976. Bei der Planung des KKU war die Investitionssumme auf 860 Millionen DM veranschlagt worden. Bis zur Inbetriebnahme stiegen die Kosten auf 1,5 Milliarden DM. Es wurden rund 100 000 Kubikmeter Beton, 13 000 Tonnen Betonstahl und 220 000 Quadratmeter Schalung verarbeitet sowie 150 000 Kubikmeter Erde ausgehoben.

Bis zur Abschaltung 2011 wurden im KKU rund 300 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugt. Mit seinen 350 Mitarbeitern und rund 200 dauerhaft in der Anlage tätigen Mitarbeitern von beauftragten Fremdfirmen war das KKU einer der größten Arbeitgeber in der Wesermarsch.

Um die Anlagen immer wieder auf den Stand von Technik und Wissenschaft zu bringen, wurden im Laufe der Jahre mehr als 500 Millionen Euro in Nachrüstungsarbeiten investiert. Dafür, aber auch wegen einiger Pannen, musste das KKU jährlich für mehrere Wochen oder gar Monate abgeschaltet werden.

Das Ende des Kernkraftwerks kam abrupt: Die Belegschaft konnte sich nicht auf die Abschaltung einstellen. Die Brennelemente in der Anlage hätten noch für einen Vollastbetrieb von etwa 100 Tagen gereicht. Weil das Kraftwerk aber nach der Abschaltung infolge der Fukushima-Katastrophe vom 11. März 2011 nicht wieder angefahren werden durfte, müssen die Brennelemente jetzt langsam abklingen. Die letzten werden die Anlage wohl erst im Oktober 2018 verlassen

So lange will Eon aber nicht mit dem Rückbau warten. Der Abbau-Antrag sieht den Beginn der Arbeiten im Kontrollbereich noch für 2017 vor. Atomkraftgegner äußerten Sorgen wegen einer erhöhten Strahlenbelastung der Arbeiter, als die Pläne bekannt wurden. Eon argumentierte dagegen, in der Betriebszeit der Anlage seien mehr als 30 Mal Brennelemente während der Revisionen ausgetauscht worden.

Die Frage des Abbaus neben den Brennelementen war ein wichtiges Thema des Erörterungstermins für den Rückbau und den Bau eines weiteren Zwischenlagers, den das Umweltministerium im Februar 2016 in der Markthalle Rodenkirchen anbot. Insgesamt 1157 Bürger und Institutionen hatten Einwände gegen die Pläne von Eon geltend gemacht. Die Atomkraftgegner zogen anschließend ein positives Fazit: Die Transparenz sei höher als erwartet gewesen.

Der Rückbau soll 12 bis 15 Jahre dauern und etwa eine Milliarde Euro kosten. Für leicht- und mittelradioaktiv belasteten Abfall soll ein weiteres Zwischenlager errichtet werden, weil das Endlager Schacht Konrad nicht rechtzeitig fertig wird. Die charakteristische Kuppel wird erst kurz vor Abschluss des Rückbaus demontiert.


Online-Spezial zur Reihe unter   www.nwzonline.de/70-jahre-nwz 
Henning Bielefeld
Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham
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Rolf Bultmann
Nordenham
Redaktion Nordenham
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