Oldenburger Land - 2008 gilt als Krisenjahr. Wir erinnern uns: Im September implodierte die US-Investmentbank Lehman Brothers. Zu viele Amerikaner hatten zu lange ohne ausreichende Zahlungskraft Immobilienkredite erhalten.

Die Pleite der Riesenbank löste eine Kettenreaktion aus, die schnell auch Deutschland erreichte. Der Finanzmarkt geriet ins Wanken, Kanzlerin Angela Merkel musste ihren Bürgern eine Garantie für Spareinlagen geben – bislang einmalig in der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Die Wirtschaft im Nordwesten konnte das Drama einigermaßen entspannt verfolgen. Sie zeigte sich im Jahr 2008 robust und trotzte der Krise. Wichtigster Grund ist der starke Mittelstand mit soliden Firmenfinanzierungen, die auch Luft für (antizyklische) Investitionen lassen. Ein weiterer ist die Innovationskraft. Lange galt die Region als strukturschwach. Aus dieser Not hat sie eine Tugend entwickelt. Viele Unternehmer richten ihren Fokus auf Zukunftsmärkte – und haben Erfolg und volle Auftragsbücher.

Einige Beispiele: In Ostfriesland investiert der Windkraftanlagenbauer Enercon in eine neue Gießerei, In Wilhelmshaven beginnt endlich der Bau des Containerhafens Jade-Weser-Port.

In der Wesermarsch läuft die Braker Hafenerweiterung, und in Nordenham investieren die Seekabelwerke in neue Geschäftsfelder. Im Landkreis Oldenburg baut der Landtechnik-Lieferant Amazone in Hude angesichts boomender Märkte ein neues Werk. Im Kreis Vechta errichtet Big Dutchman ein Logistikzentrum.

Im Ammerland geht die Rügenwalder Wurstfabrik mutig mit neuen Marken in den Markt – und wird dafür mit dem Branchenpreis „Goldener Zuckerhut“ geehrt. In Oldenburg investiert die Landessparkasse zu Oldenburg in ein neue Zentrale beim Bahnhof. In Friesland wird das Airbus-Werk Varel (wie in Nordenham) fit für die nächste Flugzeuggeneration gemacht.

Die NWZ  berichtete nicht nur in zahlreichen Artikeln über diese und viele weitere erfolgreiche Unternehmen, sondern würdigte die erfreulichen Nachrichten auch in der großen Wirtschaftsbeilage „Region macht Karriere“, die am 3. Oktober 2008 erschien. „Ambitionierte Macher mit frischen Ideen finden hier beste Bedingungen vor: gute logistische Anbindung, innovative Branchen und renommierte Wissenschaftseinrichtungen“, lobte in einem Beitrag für die Publikation der Sprecher der Wirtschaftsjunioren Oldenburg, Markus Nickel, den Nordwesten.

Der positive Trend spiegelte sich auch im regionalen Arbeitsmarkt wider. Die Arbeitslosenzahl im Oldenburger Land sank 2008 binnen Jahresfrist um 4500 auf 35 986 – ein 16-Jahres-Tief!

Im Nordwesten sitzt längst eine ganze Reihe von „Hidden Champions“. Einer dieser versteckten Marktführer ist 2008 CeWe Color aus Oldenburg.

Zwar musste das börsennotierte Unternehmen – wie viele andere auch – im Jahresverlauf vorübergehend seine Umsatz- und Gewinnziele nach unten revidieren. Doch bei einem langfristig wichtigeren Thema kamen die Oldenburger ausgerechnet im globalen Finanzkrisenjahr entscheidend voran. Das Unternehmen war damals mitten im Umstellungsprozess von der analogen zur digitalen Fotoproduktion.

Im dritten Quartal erreichte der Anteil der Digitalfotos erstmals zwei Drittel der Gesamtproduktion. Mehr als 200 Millionen Euro hatte der Konzern bereits in den Restrukturierungsprozess gesteckt, hieß es damals.

Das Geld erwies sich als gut angelegt. Man habe die Transformation schneller als erwartet bewältigt, freute sich Vorstandsvorsitzender Rolf Hollander. Heute gilt Cewe mit Blick auf den rasanten technologischen Wandel als viel beachtetes Vorbild im eigenen Neu-Erfinden.

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Wirtschaftsredaktion (Ltg.)
Ulrich Schönborn
Ulrich Schönborn Chefredaktion (Chefredakteur)