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NWZonline.de 70 Jahre NWZ

Roter Teppich für Kino und Glamour

23.06.2016

Oldenburg Es kam über Oldenburg wie ein bunt schillernder Regenbogen an einem wolkenlosen Himmel. Man hatte mit allem gerechnet an der Hunte, aber nicht mit einem Internationalen Filmfestival.

Und dennoch: Vom 31. August bis zum 4. September 1994 fand in Oldenburg ein Kulturfest statt, wie man es bis dahin nur von Berlin, Venedig oder Cannes kannte.

Es war der sorglose Optimismus zweier Studenten, der das Filmfest nach Oldenburg brachte. An Weihnachten 1992 hatten Musikfan Thorsten Ritter und Kino-Besessener Torsten Neumann beschlossen, im Frühjahr darauf die Berlinale zu besuchen. Beeindruckt vom Rummel und von der Nähe zu den Künstlern hängten sie im folgenden Sommer das Münchner Festival noch hintendran – und rutschten hier mehr oder minder zufällig in den „inneren Zirkel“ der Macher hinein.

Unter anderem lernten die beiden T(h)orstens in München den US-Regisseur Frank Perry kennen, der sie ermunterte, selbst „etwas zu machen“.

Tja, und das taten Ritter und Neumann dann auch. Sie ließen ihre frischen Verbindungen zu Künstlern und Verleihern spielen, lernten die Möglichkeiten des Sponsorings und des öffentlich-rechtlichen Zuschusses kennen, „und wir dachten überhaupt erst einmal groß“, lacht Neumann heute noch über den jugendlichen Elan der künftigen Festivalchefs. Zur eigenen Chuzpe gesellte sich eine gute Portion Glück: Sie trafen beim Vorsprechen in der Stadtverwaltung auf den damaligen Kulturamtsleiter Heinz Balzer, der die Idee eines Festivals gut fand und der ihnen manche Wege ebnete.

Allen Skeptikern zum Trotz (die NWZ  fragte kurz vorm Start noch „Braucht Oldenburg ein Filmfest?“) hatten Ritter und Neumann schließlich einen gut gefüllten Zuschusstopf (u.a. 30 000 D-Mark vom Land, 8000 D-Mark von der Stadt, 7500 D-Mark von der OLB), überraschend viele Zusagen berühmter Filmmenschen und einen Starttermin für die große Show. Und alles ging gut: Am 31. August 1994 platzte die Kulturetage aus allen Nähten, als zum Auftakt die deutsche Krimikomödie „Burning Life“ gezeigt wurde. Regisseur Stefan Kolditz war anwesend, ebenso die Hauptdarstellerinnen Maria Schrader und Anna Thalbach.

Die beiden Damen waren nicht die einzigen Stars des Festivals, das sich in erster Linie dem internationalen unabhängigen Film verschrieben hatte und damit eine in den Folgejahren immer größere Nische für sich gefunden hatte. Rund 40 Werke wurden gezeigt, darunter Spike Lees „Crooklyn“ und Peter Medaks Thriller „Romeo is bleeding“.

Es gab eine Retrospektive der Filme von Brian de Palma und eine fein ausgesuchte New-York-Reihe. Staunen erregte daneben der Besuch des britischen Regisseurs Alex Cox, der in Oldenburg seine neueste Arbeit „Death & the Compass“ präsentierte.

Das Filmfest, das in der Kulturetage und im „Casablanca“-Kino stattfand, kam unterm Strich mit einem Budget von rund 160 000 D-Mark aus. Das reichte, um „voller Tatendrang und in der Überzeugung, dass alles möglich ist“ dem Publikum eine ebenso störungsfreie wie unkonventionelle neue Veranstaltungsreihe zu bescheren – mehr nicht.

„In den ersten Jahren war für uns kein Pfennig drin, dafür Arbeit ohne Ende“, blickt Torsten Neumann zurück. Immerhin interessierten sich 3700 Zuschauer für die Filmauswahl des ersten Jahres; diese Zahl überzeugte Ritter und Neumann, seit 1998 alleinverantwortlich fürs Fest, weiterzumachen.

Ein guter Entschluss. Denn sonst hätte Oldenburg kaum ein Reiseziel werden können für Oscar-Preisträger, populäre Leinwandstars und einfallsreiche Regisseure. Mit dem Internationalen Filmfest zogen Kinokunst und Glamour in die Stadt ein – und kehren seitdem alljährlich und trotz mancher Anfeindungen zurück.


Online-Spezial zur Reihe unter   www.nwzonline.de/70-jahre-nwz 
Klaus Fricke
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