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NWZonline.de 70 Jahre NWZ

Schwarzes Gold am tiefen Wasser

11.05.2016

Wilhelmshaven Die Superlative am Ende des Jahres 1958 lassen heute schmunzeln. „1958 war Wilhelmshavens Schicksalswende“ hieß eine Schlagzeile in der Nordwest-Zeitung vom 31. Dezember 1958. Die durch den Krieg besonders belastete Stadt habe nun eine wirtschaftlich fest fundamentierte Basis, der bisher tote Hafen lebe wieder.

Und tatsächlich: In den Tagen zuvor war mit der Inbetriebnahme des einzigen deutschen Tiefwasserhafens an der Jade eine Weichenstellung vollzogen worden, die bis heute nachwirkt. Keimzelle der Hafenentwicklung war die NWO, die Nord-West Oelleitungs GmbH, die am 29. November 1958 ihren Betrieb aufnahm. An der NWO-Pier wird seitdem Rohöl aus aller Welt in die riesigen Tanks eines Zwischenlagers gepumpt – und dann per Pipeline an Raffinerien im Emsland, im Ruhrgebiet, im Raum Köln/Bonn sowie in Hamburg geliefert.

Was am Anfang riesig erschien, relativierte sich im Laufe der Jahre. In den 50er Jahren galten beispielsweise Schiffe als Supertanker, die gerade einmal 25 000 Tonnen Öl brachten und etwa 200 Meter lang und 27 Meter breit waren. Später brachten die richtigen Jumbos mit 250 000 Tonnen Rohöl die zehnfache Menge des schwarzen Goldes – und die Containerriesen, die derzeit den neuen Wilhelmshavener Jade-Weser-Port ansteuern, haben eine Länge von 400 Metern und sind knapp 60 Meter breit.

1958 war die Vorfreude jedenfalls riesig. Am 1. Oktober 1958 berichtet die NWZ  unter der Überschrift „,Flüssiges Gold’ bringt Geld“ über die zurückliegenden Bauarbeiten und die glänzenden Zukunftsaussichten. Im Dezember des Vorjahres war der erste von 584 Stahlpfählen ins Watt gerammt worden.

Bis zu 42 Meter lang waren die Pfeiler für eine 700 Meter lange Stichbrücke in die Jade hinein und die 480 Meter lange Ölpier mit einem 200-Meter-Landesteg. Nur neun Monate brauchten die bis zu 1300 eingesetzten Bauarbeiter, um das mächtige Bauwerk zu errichten.

Aber nicht nur an der Wasserseite ging es voran. Auch an Land setzte ein regelrechter Boom ein. Großbanken siedelten sich plötzlich in der Stadt an, Schiffsausrüster und Makler gründeten Filialen in der Stadt an der Jade.

Und es wurde bereits hochgerechnet: Ab 1960, so hieß es, würden jedes Jahr 700 Schiffe den neuen Tiefwasserhafen anlaufen, ein Durchsatz von 22 Millionen Tonnen Öl werde erwartet – damit habe man einen beinahe ebenso hohen Umschlag wie das große Hamburg.

Die Wilhelmshavener Wirtschaft – Handel, Gewerbe, Gastronomie, Hotels – stünden vor ganz neuen Herausforderungen: Wenn die Seeleute an Land gingen und ihre Familienangehörigen zur Stippvisite kämen, müssten alle gut darauf vorbereitet sein.

Allein die Versorgung der Schiffe zwinge zum pausenlosen Einsatz. Ein Tanker benötige für 80 000 DM Lebens- und Genussmittel. Die Besatzung sei sechs Wochen auf See, 50 Mann wollten über 40 Tage verpflegt sein – das bedeute: Wilhelmshaven müsse täglich 2000 Menschen mehr versorgen.

Zwar wurden nicht alle Träume Wirklichkeit, doch ohne den damaligen Schritt zum Tiefwasserhafen hätte es an der Jade keine weitere Hafenentwicklung gegeben – und auch der Jade-Weser-Port, auf dem jetzt so viele Hoffnungen der Region liegen, wäre nicht entstanden.

Noch eine Besonderheit der Wilhelmshavener Pipeline-Betreiber: Das Unternehmen arbeitet mit extremen Sicherheitsvorkehrungen. Das Pipeline-Netz wird jeweils nach den neuesten technischen Standards überwacht und vor Undichtigkeiten geschützt. So werden sogenannte „Molche“ durch die Rohrleitungen gepumpt, die von innen den Zustand der Pipelinewände analysieren. Kleinste Ungenauigkeiten lösen Alarm und sofortige Korrekturen aus. Aber nicht nur technische Hilfsmittel, sondern auch schlichte Kontrollen durch Menschen, die zu Fuß die Pipelinestrecken abliefen, setzten die hohen Sicherheitsstandards.

Die extremen Überwachungen sorgten etwa 40 Jahre nach der Unternehmensgründung für eine Episode der besonderen Art. Als sich in den 90er Jahren russische Pipeline-Spezialisten bei der NWO über die Sicherheitsvorkehrungen informieren ließen, fragten sie irgendwann, mit welchen Maßnahmen man denn in der Vergangenheit austretendes Öl bekämpft habe. Die Antwort der NWO-Vertreter, man habe in der Firmengeschichte noch kein Leck erlebt, mochten die Gäste aus Russland lange nicht glauben. . .


Online-Spezial zur Reihe unter   www.nwzonline.de/70-jahre-nwz 
Jürgen Westerhoff Redakteur / Regionalredaktion
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