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75 Jahre NWZ

Kolumne zu den 2000er Jahren: Neuland im neuen Jahrtausend

29.05.2021

Oldenburg Das Neuland kam im neuen Jahrtausend sogar in niedersächsischen Dörfern an. Mit einem Geräusch wie aus einer fernen Galaxie – tutend, piepsend, zischend, surrend – wählte sich das 56k-Modem ins World Wide Web ein. Und da waren sie dann: die neusten Nachrichten aus aller Welt am heimischen PC, dieser Riesen-Kiste. Und nicht nur die. Wikipedia, die Online-Enzyklopädie, wurde Anfang 2001 gegründet – passend zur Einführung der Facharbeit an Niedersachsens Oberstufen. Wir waren damals der erste Abi-Jahrgang, der auf diese Weise an das wissenschaftliche Arbeiten herangeführt werden sollte. So alt ist sie schon, die Warnung vor dem „Copy and Paste“.

Doch vieles lief tatsächlich noch ohne dieses Internet. Die meisten Infos zu den Facharbeitsthemen standen zum Beispiel in dicken Wälzern in den Untiefen der Hildesheimer Unibibliothek. An die kamen wir über vielfach noch fein säuberlich von Hand beschriebene Karteikarten. Die Ersten sagten das Internet sogar schon tot. Der renommierte Zukunftsforscher Matthias Horx kam in seiner Studie „Die Zukunft des Internets“ jedenfalls zu dem Schluss: Auf absehbare Zeit werde sich das Internet nicht zu einem Massenmedium mit Breitennutzung entwickeln. Auch das war Anfang 2001. Als man Nachrichten eben noch nicht über eine Pushmeldung erfuhr oder per Live­stream mitverfolgte. Als nur IT-Experten solche Begriffe überhaupt kannten.

Die Eilmeldung des Jahrzehnts hörte ich, gerade von der Schule heimgekommen, dementsprechend im Radio. Ein Flugzeug war in New York in einen Turm des World Trade Centers geflogen. Was für ein schreckliches Unglück! Den Fernseher schnell angestellt. Dort sah ich, wie das zweite Flugzeug in den Zwillingsturm krachte – und wie beide Gebäude nacheinander in einer riesigen Wolke aus Schutt und Staub zusammenstürzten. Bilder, die ich nie vergessen werde. In den nächsten Wochen, Monaten, Jahren waren die Zeitungen gefüllt mit Artikeln über den Terror der Islamisten, den Nato-Einsatz in Afghanistan, den Einmarsch der „Koalition der Willigen“ in den Irak.

Auch über George W. Bush, den – wie wir in Zeiten vor Donald Trump ahnungslos dachten – schrecklichsten US-Präsidenten aller Zeiten, wurde in Deutschland viel geschrieben. Als er im Mai 2002 nach Berlin kam, gingen wir Abiturienten auf die Straße. Meine erste Demonstration. Als im November 2008 Barack „Yes we can“ Obama zu seinem Nachfolger gewählt wurde, hielt ich mein wahrscheinlich letztes Extra-Blatt, so richtig Old School in Print, in den Händen. Gut ein Jahr später lag dort dann auch mein Journalistik-Diplom. Das multimediale Studium an der Katholischen Universität Eichstätt erfolgreich absolviert: Zeitung, Zeitschrift, Radio, Fernsehen, alles dabei – nur halt eben noch kein Online.

Dass sich das schnell ändern würde, dass das Internet wohl doch zu einem Massenmedium mit Breitennutzung würde, schwante mir da schon. Anderswo war das nämlich längst Realität, hatte mich – so ziemlich mittendrin in diesem Jahrzehnt – mein Auslandsjahr gelehrt. Nein, nicht im IT-Wunderland USA, sondern in Chile lernte ich, dass Deutschland in Sachen Internet ein Entwicklungsland ist. Wenn beim Skypen mit Freunden und Familie daheim die Verbindung abbrach, lag es höchstwahrscheinlich nicht an mir irgendwo in Südamerika. Denn dort hieß es: Wlan statt 56k-Modem, Blackberry-Smartphones statt Null-acht-fünfzehn-Handys, Facebook statt studiVZ, Youtube statt ARD und ZDF.

Die 2000er Jahre waren für mich persönlich ein Jahrzehnt des Aufbruchs: Abi, Studium, Erwachsenwerden. Aber auch fürs Internet ging es jetzt erst richtig los. Totgesagte leben schließlich länger.

Stefanie Dosch Newsdeskmanagerin / Politikredaktion
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