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NWZonline.de Ratgeber Gesundheit

Immer wieder auf die Beine

26.11.2016

Der Mensch stelle sehr oft das Negative in den Vordergrund, meint Susanne Steffgen. „Ich habe erkannt, dass es mir nicht gut tut. Darum denke ich nicht darüber nach, was ich nicht mehr kann – sondern freue mich über das, was ich noch kann“, sagt die 52-Jährige. Diese Einstellung verlangt mir den höchsten Respekt ab, denn gerade Susanne Steffgen hätte allen Grund, mit ihrem Schicksal zu hadern. Seit dem 1. November gehört sie dem Ganderkeseer Gemeinderat an und möchte sich ganz besonders für sozial Benachteiligte einsetzen.

Aufgewachsen ist Susanne Steffgen mit fünf Geschwistern in Rheinland-Pfalz, in Schifferstadt und Speyer. Sie war im zweiten Schuljahr, als bei ihr eine bösartige Knochenvereiterung in beiden Ohren diagnostiziert wurde. Nach einem langen Krankenhausaufenthalt wurde sie geheilt entlassen, ihr Hörvermögen ist seitdem aber beeinträchtigt.

Nach der Hauptschule hätte sie gern noch den Realschulabschluss gemacht, aber ihre Eltern legten ihr nahe, Geld zu verdienen. Ihr Vater besorgte ihr eine Lehrstelle als Maschinenschlosserin bei der Deutschen Bahn. „Das hat mir sehr gut gefallen, da wir Auszubildende in dieser Werkstatt unter uns waren“, erzählt Susanne Steffgen. Als sie danach in eine andere Firma wechselte, litt sie unter unerträglichen Kopfschmerzen. Ein Facharzt stellte eine Lärmüberempfindlichkeit fest und erteilte Berufsverbot.

Susanne Steffgen schulte zur staatlich geprüften Maschinenbautechnikerin um und machte Karriere in einem Ingenieurbüro als technische Betriebsleiterin. Aus persönlichen Gründen wechselte sie noch einmal den Beruf und lernte Versicherungskauffrau. Mit Können und Engagement hatte sie schnell ihre eigene Agentur. Bei allem beruflichen Erfolg war sie auch immer bereit, für soziale Projekte Geld zu spenden.

Am 2. Weihnachtstag 1993, dem 60. Geburtstag ihrer Mutter, konnte sie plötzlich nicht mehr stehen. Im Krankenhaus dann die schockierende Diagnose: CIDP, eine fortschreitende entzündliche Erkrankung der peripheren Nerven. „Rollstuhl mit 29 Jahren? Das wollte ich nicht“, erzählt mir Susanne Steffgen. Unterarmstützen und ein Rollator halfen ihr bei der Fortbewegung. Sie ließ sich nicht unterkriegen. 1995 machte sie sich mit ihrem damaligen Ehemann in Speyer mit einer Autoglaserei selbstständig. Dann schlug das Schicksal wieder zu. Weil ihre Tochter Alexia unter Lungenproblemen litt, zog sie 2008 wegen des Klimas mit ihr nach Großheide in Ostfriesland. Allerdings waren hier die Wege weit und so zogen beide zwei Jahre später nach Oldenburg, wo sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln mobil war. Ein behindertengerechtes Auto konnte sie sich mit der kleinen Rente nicht leisten.

Vor vier Jahren war sie gerade am Flughafen Hannover, als ihre Beine wieder den Dienst versagten. Sie setzte sich einfach auf den Boden, um sich kurz zu erholen, als im nächsten Augenblick zwei Polizisten vor ihr standen: „Penner dürfen hier nicht rein. Bitte entfernen sie sich!“ Susanne Steffgen schleppte sich Richtung Rolltreppe und als sie wieder aufwachte, lag sie im Krankenhaus. Sie war die Rolltreppe heruntergestürzt und durch diverse Prellungen für einige Zeit gelähmt.

Vom Krankenhaus ging es in ein Pflegeheim und da ihre Wohnung nicht barrierefrei war, musste sie wieder umziehen. Weil sich in der neuen Wohnung Schimmel ausgebreitet hatte und sie in Oldenburg keine bezahlbare, rollstuhlgerechte Wohnung fand, landete Susanne Steffgen in der Jungen Pflege im Wohnpark am Fuchsberg in Ganderkesee. Seit einiger Zeit lebt sie in einer eigenen Wohnung auf dem Gelände dieser Einrichtung.

Neben ihrer Krankheit musste sie auch in ihrer Familie einiges verkraften: Zwei Ehen scheiterten und eines ihrer vier Kinder verstarb im Alter von nur acht Wochen. Freunde bezeichnen Susanne Steffgen als „Stehaufmännchen“, sonst hätte sie wohl kaum die Kraft gehabt, sich auch noch politisch zu engagieren. Auf Anhieb schaffte sie den Einzug in den Rat – als einziges und erstes Mitglied der Partei „Die Linke“. Die Rolle der Einzelkämpferin ist ihr nicht neu. Wenn jemand es versteht zu kämpfen, dann sicher Susanne Steffgen.

Alles zum Thema Gesundheit im Nordwesten lesen Sie in unserem Gesundheits-Spezial.

Susanne Steffgen,für Die Linke neu im Ganderkeseer Gemeinderat

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