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NWZonline.de Region

Als im Oldenburger Land parliert wurde

19.02.2011

OLDENBURG Napoleons Truppen haben bereits in weiten Teilen Europas das Sagen, als auch das Oldenburger Land französisch wird. Mit Beginn des Krieges 1806 zwischen Frankreich und Preußen besetzt König Louis von Holland, Napoleons Bruder, Ostfriesland, Oldenburg, die Herrschaft Jever sowie Varel und Kniphausen und lässt alle öffentlichen Kassen beschlagnahmen. Die im selben Jahr erlassene Kontinentalsperre gegen die Einfuhr englischer Waren wird 1807 auf die gesamte Nordseeküste ausgedehnt, aber allen drakonischen Gesetzen zum Trotz blüht der Schmuggel.

Zöllner an der Jade

Der Nordenhamer Kaufmann Johann Friedrich Müller (1784–1869) schreibt darüber in seinen Lebenserinnerungen: „Im Oldenburger Land litt man sehr unter der Kontinentalsperre. Napoleon legte 100 Mann Soldaten und französische Douaniers (Zöllner) in den Flecken Varel, um die Küste der Jade zu überwachen. Diese Leute waren alle beritten und schwer bewaffnet. Sie übten ihre Macht mit Brutalität aus und waren deswegen gefürchtet und gehasst.“

Ungemütlich wird es im Oldenburger Land, als Frankreich am 13. Dezember 1810 verkündet, dass das Königreich Holland, die Hansestädte und alle Länder zwischen Nordsee und Rhein in einer Linie bis Travemünde an der Ostsee von nun an zum Kaiserreich Frankreich gehören. Napoleon lässt alle herrschaftlichen Kassen im Herzogtum Oldenburg versiegeln, Herzog Peter Friedrich Ludwig (1755–1829) und seine Regierung sind entmachtet. Der Monarch verlässt am 26. Februar 1811 das Herzogtum und emigriert nach Russland, zwei Tage später verliest der französische Kommissar Keverberg eine kaiserliche Deklaration in der Oldenburger Lambertikirche vor Deputierten aus den drei hanseatischen Departements.

Das Herzogtum wird als Arrondissement Oldenburg Bestandteil des Departements der Wesermündungen (Departement des Bouches du Weser) mit Sitz in Bremen. Die Ämter Wildeshausen, Vechta und Cloppenburg schlägt man dem Arrondissement Quakenbrück im Departement Oberems (Sitz Osnabrück) zu.

Französisch wird Amtssprache, Recht gesprochen wird nach den französischen Zivil-, Straf- und Handelsgesetzen, die Leibeigenschaft und das Lehnswesen werden aufgehoben, Frondienst und Zunftzwang abgeschafft. Das Arrondissement Oldenburg ist aufgeteilt in zehn Kantone. Die kommunale Selbstverwaltung ist die eine Seite der Medaille, die andere die enorme Steuerlast. Steuern werden unter anderem erlassen auf Türen, Fenster, Puder, Perücken, Salz, Seife, Tabak, Torf, Schlachtvieh und Wasserwege. An das französische Militär sind Pferde und Proviant zu liefern. So muss der Maire (Bürgermeister) von Golzwarden (Kreis Wesermarsch) allein zwischen Ende Juni und Ende Juli 1813 fünfmal zweispännige Pferde- und Ochsen-Fuhrwerke mit Proviant für das Militärmagazin in Bremen zur Verfügung stellen. Elf Proviantfuhren gehen nach Magdeburg, Wittenberg und Dresden. Der Maire von Hohenböken bei Ganderkesee (Kreis Oldenburg) lässt das Volk Steine sammeln für den Bau einer Straße von Wesel am Rhein nach Hamburg. Wer sich weigert, riskiert den Tod.

Jubel in Blexen

Das Blatt wendet sich mit Napoleons Russlandfeldzug. Als 1813 russische Soldaten Hamburg von der französischen Besetzung befreien, räumt der Unterpräfekt in Oldenburg Hals über Kopf seinen Platz und überlässt einer aus einheimischen Beamten bestehenden Kommission die Amtsgeschäfte. Die Kommission soll die Verwaltungsaufgaben im Sinne Frankreichs wahrnehmen und Aufstände verhindern. Mitglieder dieser Kommission sind die Juristen Albrecht Ludwig von Berger (1768–1813) und Christian Daniel von Finckh (1766–1813). In einer Proklamation rufen sie das Volk zu Ruhe und Ordnung auf, aber von den Franzosen wird das als Aufruf zum Widerstand gegen Napoleon verstanden.

Berger und Finckh werden vom Kriegsgericht in Bremen unter dem Vorsitz von General Vandamme (im Volk „General Verdammt“ genannt) zum Tode verurteilt und erschossen. Ihre sterblichen Überreste lässt Herzog Peter Friedrich Ludwig später auf dem Gertrudenfriedhof beisetzen.

Jubel in Blexen

Napoleons Herrschaft in Oldenburg geht 1813 zu Ende. Der Nordenhamer Kaufmann Müller erinnert sich: „Am Ende des Monats Oktober hörten wir plötzlich Kanonendonner, und zwar von der Geeste her. Gleich darauf sahen wir die russische Flagge wehen. Dann kamen englische Kriegsschiffe und feuerten eine glatte Lage, und schon wurde auch in Blexen die weiße Fahne gehisst. In Blexen wurde die Nacht durchgejubelt.“

Peter Friedrich Ludwig kehrt im November 1813 nach Oldenburg zurück. Eine seiner ersten Amtshandlungen ist die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht und die Aufstellung eines Infanterie-Regiments. Die Truppen werden dem 33-jährigen Oberst Wilhelm Gustav Friedrich von Wardenburg (1781–1838) unterstellt. Die Oldenburger beteiligen sich 1815 an der Belagerung der Festungen in Nordfrankreich und von Mezieres bei Sedan. Oberst von Wardenburg wird mit dem preußischen Orden „Pour le Merite“ ausgezeichnet. Seine Sammlungen von Fundstücken alter Befestigungsanlagen bilden den Grundstock für die Großherzogliche Altertümersammlung und das spätere Landesmuseum für Natur und Mensch.

Lore Timme-Hänsel
Redakteurin
Kulturredaktion
Tel:
0441 9988 2065

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Landesmuseum für Natur und Mensch

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