Ammerland/Garnholt - Seit gut einem Jahr halten sich Aktivisten aus dem Bündnis „Moor bleibt Moor“ im Gebiet um die Garnholter Büsche auf. Ihr Ziel, den Bau des ersten Bauabschnitts der geplanten Autobahn 20 von Westerstede aus zu verhindern oder mindestens zu verzögern. Nach mehreren Versuchen, den Wald zu besetzen, die immer wieder von der Polizei verhindert wurden, richteten sie ein Protestcamp auf einer Wiese am Otterbäksmoor ein. Deren Besitzer, ein örtlicher Landwirt, setzt sich selbst gegen den Bau der Autobahn über sein Land ein. Den Versuch des Landkreises Ammerland, das Protestcamp räumen zu lassen, unterband im Juli 2021 das Verwaltungsgericht Oldenburg mit Blick auf die Versammlungsfreiheit.
Ende November dann gab es eine erneute Besetzungsaktion im Wald – mit Blick auf eine eigentlich für den 7. Dezember geplante Verhandlung über die Zukunft der A20 vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. Die wurde dann aber coronabedingt verschoben. Am 31. Mai soll jetzt in Leipzig über die Klage des BUND Niedersachsen gegen den Planfeststellungsbeschluss für den ersten Bauabschnitt der A 20 beschlossen werden.
Harter Winter
Das Protestcamp am Otterbäksmoor besteht nach wie vor. Aus den einfachen Zelten der ersten Zeit wurde eine Wagenburg, teils mehrstöckig gebaut. Winterwetter, Regen und Stürme haben aber sowohl dem Camp als auch dessen Bewohnern ziemlich zugesetzt. Zwei von ihnen, sie nennen sich Christian und Florian, gehörten zu den Aktivisten, die auch im Winter viel Zeit hier verbracht haben. Vier bis fünf Menschen seien im Schnitt im Camp gewesen, manchmal auch weniger. „An den kalten Tagen haben wir tagsüber Steine auf dem Ofen aufgeheizt, die wir nachts mit ins Bett genommen und uns so gewärmt haben“, erzählt Christian. „In einer Sturmnacht mussten wir außerdem die Wagenburg evakuieren, weil ein Teil des Aufbaus abgerissen wurde“, ergänzt Florian.
Warten auf Urteil
Die Aktivisten sind entschlossen durchzuhalten, auch wenn die Gerichtsentscheidung in Leipzig anders ausfallen sollte, als sie sich das erhoffen. „Wir sind hier, um Natur und Artenvielfalt zu schützen“, sagt Christian. „Wir haben in dem Jahr hier schon deutlich miterlebt, wie sich der Klimawandel auswirkt.“ Welches Urteil sie für richtig halten würden, ist klar.
„Im Ampel-Koalitionsvertrag steht der Moorschutz klar drin“, sagt Christian. Und auch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutzgesetz im April 2021 spreche klar gegen den Bau der Autobahn, meinen die Aktivisten. Der Optimismus hält sich dennoch in Grenzen, schließlich habe das Bundesverwaltungsgericht gerade erst eine Klage gegen den Weiterbau der A 14 in Sachsen-Anhalt abgewiesen.
Protest geht weiter
Sollte das Gericht auch den Bau des ersten Abschnitts der A 20 zulassen, wollen die Aktivisten dennoch weitermachen. Dann gehe es darum, mehr Menschen ins Camp zu holen und erneut den Wald zu besetzen, so Christian und Florian. Die Aktivisten sind sowohl mit lokalen als auch überregionalen Gruppen in Kontakt und auch mit anderen Protestcamps. „Es gibt ja auch noch andere wichtige Orte, an denen viel Natur zerstört werden soll“, sagt Christian. Wie viele Mitstreiter sie im Zweifelsfall aktivieren könnten, wird nicht ganz klar. Schließlich muss das Leben in einem Camp auch finanziert werden, besonders wenn es ein längerer Aufenthalt sein soll. „Viel Geld braucht man hier nicht“, sagt Christian aber. Einige Menschen arbeiteten eine Zeitlang, um genug Geld anzusparen, andere könnten das Studium damit ganz gut verbinden.
