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Ärztlicher Bereitschaftsdienst Wieder Ärger mit der 116 117 – Zwischenahner macht Unmut Luft

Die Telefonnummer 116 117 des ärztlichen Bereitschaftsdienstes sollte eigentlich jederzeit erreichbar sein. Klaus Englert aber landete ständig in der Warteschleife.

Die Telefonnummer 116 117 des ärztlichen Bereitschaftsdienstes sollte eigentlich jederzeit erreichbar sein. Klaus Englert aber landete ständig in der Warteschleife.

dpa/Pleul

Bad Zwischenahn - Als seine Lebensgefährtin von ihrem Arzt die Diagnose „Hörsturz“ und eine Überweisung für eine Magnetresonanztomographie (MRT) bekommt, setzt sich Klaus Englert sofort für sie ans Telefon. Über die Servicenummer 116 117 solle sich die Patientin möglichst schnell einen Termin besorgen, hatte die Arztpraxis geraten und ihr einen Vermittlungscode gegeben, über den eine bevorzugte Terminvergabe möglich sein sollte. Diese ist online oder telefonisch möglich.

„Aber ich bin bei der 116 117 tagelang gar nicht durchgekommen“, ärgert sich der 86-jährige Englert. „Bis zu einer Dreiviertelstunde habe ich in der Warteschleife gehangen.“ Nachdem der Zwischenahner auf diese Weise nicht ans Ziel kommt, wendet sich seine Lebensgefährtin an ihren Hausarzt.

Nie wieder etwas gehört

Dieser besorgt der Patientin einen MRT-Termin; bis Ende Juli allerdings wird sie sich nun gedulden müssen. „Ich mache mir große Sorgen, weil ich nicht weiß, was hinter diesem Hörsturz steckt. Auf einem Ohr bin ich mittlerweile fast taub“, sagt die 76-Jährige, die gern anonym bleiben möchte.

Klaus Englert macht seinem Ärger bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung Luft, die Betreiberin der Servicenummer 116 117 ist. Am 15. Juni bekommt er eine Eingangsbestätigung auf seine E-Mail. Man werde sich kümmern, heißt es darin.

„Danach habe ich nie wieder was von denen gehört“, sagt er. Für ihn ist es unbegreiflich, bei einer so wichtigen Rufnummer in der Warteschleife zu landen. „Schließlich sollen dort ja auch Menschen anrufen, die gesundheitliche Beschwerden haben. Die können doch nicht ewig warten, bis sie jemanden am Telefon haben.“

Schon mehrfach hatten uns Leser Probleme mit der Rufnummer 116 117 geschildert. „Die Servicenummer ist bereits seit Anfang der Corona-Pandemie in Spitzenzeiten überlastet“, erklärt Detlev Haffke, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN).

Seit der Pandemie seien die Anrufzahlen explodiert. „Unter der 116 117 versuchen viele Anrufer, Informationen zu Corona zu erhalten, wollen Impf- und Testtermine in Arztpraxen vereinbaren. Dafür ist die 116 117 in Niedersachsen nicht gedacht“, macht er deutlich. Auf maximal 60 Hotline-Mitarbeiter kämen durchschnittlich 20 000 Anrufe pro Tag, so Haffke. „Die KVN versucht bereits seit Monaten, das Personal aufzustocken.“ Allerdings sei der Markt für qualifizierte Kräfte leergefegt. Hätte Klaus Englert einen anderen Weg wählen können? Unsere Redaktion hat bei den Verantwortlichen nachgefragt.

Die Mobil-Krankenkasse, bei der seine Lebensgefährtin versichert ist, erklärt, sie vermittle Facharzttermine, allerdings nur in Hamburg. „Sofern unsere Versicherten aus Hamburg und Umgebung kommen, raten wir zur Buchung über unsere Terminvermittlung“, so Pressesprecherin Constanze Kleint.

Terminvermittlung

Die Techniker-Krankenversicherung TK bietet bundesweit für ihre Versicherten eine Terminvermittlung zum Facharzt an – allerdings nicht in dringenden Fällen. Hier rate man den Versicherten, zuerst bei ihrem Wunscharzt anzufragen, so Philipp Schöder, Pressereferent der TK.

Bekomme man dort zeitnah keinen Termin, empfiehlt er die 116 117: „Sie ermöglicht die Vermittlung eines Termins bei einem Facharzt binnen einer Woche mit einer maximalen Wartezeit von vier Wochen.“ So zumindest in der Theorie.

Anke Brockmeyer
Anke Brockmeyer Reportage-Redaktion
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