Ammerland - Der mit Abstand größte Vermieter im Ammerland erhöht die Mieten. In den vergangenen Tagen bekamen 1464 Haushalte und rund 200 Garagenmieter Post von der Ammerländer Wohnungsbau. Der Inhalt dürfte wohl keinem gefallen haben. Das Unternehmen, das mehrheitlich dem Landkreis und den Gemeinden gehört, will die Mieten erhöhen. „Wir haben um Zustimmung zu einer freiwilligen Mieterhöhung zum 1. Oktober gebeten“, sagt Geschäftsführerin Ulrike Petruch.
20 Prozent erlaubt
Hintergrund eines solchen Verfahrens: der Mieter muss zustimmen. Macht der das nicht, kann der Vermieter Vergleichsmieten beibringen und möglicherweise eine noch höhere Miete durchsetzen. Alle drei Jahre sind bis zu 20 Prozent Erhöhung gesetzlich möglich.
6,96 Euro pro Quadratmeter
Die Ammerländer Wohnungsbau verlangt im Durchschnitt ab Oktober 16 Prozent höhere Mieten. Ulrike Petruch verweist dabei auf die in der Vergangenheit „moderaten“ Erhöhungen, für die meisten Haushalte zuletzt 2019. „Uns ist bewusst, dass eine solche Erhöhung in diesen Zeiten schwierig ist“, sagt Petruch. Aber gerade in den vergangenen Monaten seien die Kosten massiv gestiegen. Vor allem Handwerkerarbeiten und andere Dienstleistungen hätten sich massiv verteuert. Zudem würden gesetzlich Auflagen für den Klimaschutz das Wohnen generell spürbar verteuern. Würden alle Mieter die freiwillige Erhöhung unterschreiben, läge die Durchschnittsmiete des Unternehmens bei 6,96 Euro pro Quadratmeter. „Das ist deutlich weniger als bei vielen privaten Vermietern“, meint Petruch. Für die Ammerländer Wohnungsbau sei es immer ein Spagat zwischen sozialer und marktgerechter Miete, so die Geschäftsführerin.
1000 Euro mehr
Gleichwohl haben erste Mieter bereits eine rechtliche Überprüfung der geforderten Mieterhöhung angekündigt. Für die Betroffenen bedeutet die Erhöhung im Schnitt knapp einen Euro pro Quadratmeter. Bei einer typischen 70-Quadratmeter-Wohnung wären das dann aufgerundete 70 Euro mehr pro Monat. Bei größeren Wohnungen wird die Schwelle von 1000 Euro mehr pro Jahr bereits überschritten.
Zum Vergleich: Nach Berechnungen des Portals Immowelt, über die die NWZ im Januar berichtet hatte, lag die durchschnittliche Angebotsmiete im ersten Halbjahr 2022 bereits bei 8,20 Euro.
Teure Energie
Dass das Wohnen generell immer teurer wird, zeigt sich aber auch bei den Nebenkosten. Die Preise für Strom und Gas haben seit Beginn des Ukraine-Krieges eine regelrechte Achterbahnfahrt hingelegt, teilweise mit einer Vervielfachung der Kosten. Zuletzt ging es wieder ein wenig runter. Insgesamt könnte es für wohl die meisten Mieter – nicht nur bei der Ammerländer Wohnungsbau – zu deutlichen Nachzahlungen kommen. Das gilt besonders dann, wenn man den Abschlag nicht erhöht hat. Hier reichen die Vermieter aber nur Kosten weiter, auf deren Höhe sie keinen Einfluss haben.
