Ammerland - Maria Meyer (Name geändert) ist verzweifelt. „Meine Mutter ist über 90. Sie lebt in einem Pflegeheim – und jeder Besuch dort kostet mich jetzt 100 Euro.“ Was steckt dahinter? Seit Mittwoch benötigen Besucher von Pflegeeinrichtungen einen negativen Covid-Test. Maria Meyer hatte sich auch gleich erkundigt, was das kostet. 100 Euro würde für einen PCR-Test fällig, hatte ihr ihr Hausarzt mitgeteilt.
Schnelltest reicht aus
Eigentlich sollen auch Schnelltests ausreichen, die in den Heimen gemacht werden. Neben Personal und Bewohnern sei von der Bundesregierung vorgesehen, dass auch Besucher so getestet werden. Doch in der Praxis sieht die Welt anders aus. So schrieb der „Pflegebutler“, der mehrere Einrichtungen im Nordwesten betreibt, Bewohner und Angehörige an. Darin hieß es, Besucher müssten sich selbst um Tests kümmern. Ohne einen maximal 72 Stunden alten negativen Test könne man Angehörige nicht besuchen.
Damit würde jeder Besuch pro Angehörigem 100 Euro kosten – „ein Unding“, wie Maria Meyer meinte.
Die NWZfragte beim „Pflegebutler“ nach. Geschäftsführer Heiko Friedrich bestätigte das Schreiben. Nun habe sich aber kurzfristig die Situation geändert. „Wir haben heute von unserer Apotheke die Nachricht bekommen, dass 7000 unserer bestellten Test angekommen sind.“ Damit könne man jetzt auch Angehörigen kostenlose Schnelltests anbieten.
Mangel an Tests
„Wir hatten zuvor einfach nicht genug Tests“, sagt Friedrich. Und die, die er hatte, seien für die Mitarbeiter zwingend notwendig. Außerdem: „Wir können es in der angespannten Personalsituation eigentlich nicht auch noch leisten, massenhaft Angehörige zu testen“, so der Geschäftsführer. „Da hat sich die Politik etwas überlegt, was in der Praxis kaum zu leisten ist.“
Dennoch wird zu Weihnachten kein Bewohner beim „Pflegebutler“ auf Besuch verzichten müssen. Für jeweils einen Angehörigen soll es einen kostenlosen Schnelltest geben. Vorgesehen ist, dass Besucher sich am Mittwoch testen lassen. Bei einem negativen Ergebnis können sie dann an den Feiertagen ihre Liebsten besuchen. „Mehr als einen Test pro Bewohner können wir aber nicht anbieten“, betont Friedrich. Wenn weitere Angehörige kommen wollen, dann müssten sie privat einen Test auf eigene Kosten machen lassen. Hier reicht entgegen anderer Aussagen der preiswertere Schnelltest.
Wie sieht das in anderen Heimen aus?
Termine vereinbaren
Im evangelischen Altenzentrum Westerstede hat Leiter Olaf Thyrolf eine Terminvereinbarung zwingend vorgeschrieben. „Wir müssen das so machen, sonst ballt sich das zu stark.“ Eine gute halbe Stunde dürfen die Angehörigen bleiben. Für sie bietet er kostenlose Schnelltests an. Dafür gibt es ein Zeitfenster von 8 bis 10 Uhr vormittags. Organisatorisch sei das nicht anders machbar. Schließlich müssten die Tests von Fachpersonal durchgeführt werden.
„Das ist alles nicht so einfach, wie sich die Politik das vorstellt“, kritisiert Thyrolf. So habe er beispielsweise mit der neuen Verordnung erst am Dienstagabend erfahren, was ab Mittwoch gelten sollte.
In anderen Heimen, wie beispielsweise denen der Awo, sind Details zu den neuen Hausregeln noch nicht auf der Internetseite kommuniziert.
Ein Sonderfall ist das Alten- und Pflegeheim in Edewecht. Dort ist aufgrund von Corona-Infektionen bei aktuell fünf Bewohnern und vier Mitarbeitern seit Anfang Dezember ein allgemeines Besuchsverbot erlassen worden. Dieses könnte auch über die Weihnachtsfeiertage gelten, sagte Pflegedienstleiterin Rena Riesener am Donnerstag auf Nachfrage unserer Redaktion. Das hänge davon ab, ob und wann das Gesundheitsamt des Landkreises wieder Besuche erlaubt.
