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Corona-Impfungen und Schnelltests Ärzte und Apotheker im Ammerland startklar – aber viele Fragen offen

Unseren Lokalredaktionen

Ammerland - Mehr Impfungen und Schnelltests für mehr Freiheiten: So sieht der Plan der Bundesregierung aus, um den Corona-Lockdown langsam wieder beenden zu können. Dabei helfen sollen auch Ärzte und Apotheken. Aber was halten die Ammerländer Ärzte und Apotheken davon? Unsere Redaktionen haben nachgefragt.

Wie stehen die Ärzte zu den Impfungen in Praxen ?

Viele Ammerländer Ärzte stehen bereits in den Startlöchern. „Ich würde sofort anfangen und 24 Stunden am Tag durchimpfen – wenn ich den Impfstoff hätte“, sagt Dr. Tilo Brunnée, Hausarzt in Bad Zwischenahn. „Wir sollten möglichst schnell und möglichst alle Menschen impfen.“ Das sähen nach seiner Einschätzung auch die meisten Kollegen so – und viele Patienten. „Wir haben bereits eine lange Liste mit Patienten, die sich impfen lassen wollen.“

Auch Dr. Christian Hochhausen befürwortet das Impfen beim Hausarzt. „Ich hätte es mir eigentlich schon früher gewünscht“, sagt der Hausarzt aus Rastede. Seine Patienten würden jeden Tag nach Impfungen fragen. „Wir stehen in den Startlöchern und können loslegen, wenn die verwaltungstechnischen Dinge geklärt sind“, sagt er und würde lieber gestern als morgen mit dem Impfen anfangen: „Wenn man hört, dass AstraZeneca in irgendwelchen Kühlschränken rumliegt, frage ich mich, warum dürfen wir dann nicht einfach anfangen, die Leute durchzuimpfen?“

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Ammerland

Der Wiefelsteder Allgemeinmediziner Dr. Siegfried Scholz berichtet ebenfalls, dass sein Praxisteam sofort mit dem Impfen loslegen könne. „Das ist doch seit Jahrzehnten eines unserer Kerngeschäfte.“ Alle Impfregeln und Vorgaben könne man sofort umsetzen. Er schätzt, dass er bis zu 100 Patienten täglich in seiner Praxis impfen könne. Am zweiten Praxisstandort in Metjendorf könnten noch einmal 40 Menschen einen Wirkstoff gegen Corona bekommen, wenn er denn einen hätte, so Scholz.

Wo könnte es Probleme und Lösungen geben ?

Problematisch sei die Impfstoff-Knappheit, so Brunnée, und damit verbunden die Fragen nach den Prioritäten. Was vermieden werden müsse, seien Diskussionen in der Praxis, wer wann an der Reihe sei. Laut Brunneé sollte das Geburtsdatum die Reihenfolge bestimmen: die ältesten zuerst, danach die jüngeren. Bereits jetzt sieht eine Übersicht der Kassenärztlichen Bundesvereinigung aber zahlreiche chronische Erkrankungen vor, die Patienten in eine höhere Prioritätsstufe steigen lassen. „Das spielt aber erste eine Rolle, wenn die Tür für die Impfungen in Prioritätsstufe zwei geöffnet ist“, so Brunnée. Im Moment hänge alles von der Verfügbarkeit der Impfstoffe und der Zulassung weiterer Impfstoffe ab – und von deren Verteilung. „Da würde ich auf die funktionierenden Vertriebswege über die Apotheken setzen“, sagt Brunnée. Er selbst wurde am Donnerstag mit dem Astra-Zeneca-Impfstoff geimpft. „Und darüber bin ich froh“, so der Arzt.

Hochhausen sieht ebenfalls noch offene Fragen: Wer trägt die Kosten? Wie sieht das Meldewesen aus? Das RKI werde sicherlich wissen wollen, wer bereits geimpft wurde. Wie funktioniert die Priorisierung? Müssen die Hausärzte dafür sorgen, dass die Patienten eingestuft werden? Eine Diskussion in der Praxis müsse vermieden werden, so Hochhausen. Wenn genügend Impfstoff vorhanden wäre, bräuchte man auch keine Priorisierung.

Was halten Apotheker vom Schnelltestvorschlag ?

„Heute haben sich gleichmehrere Kunden erkundigt, ob und wann wir kostenlose Schnelltests anbieten“, sagt Dr. Elke Schnörwangen von der Fehn-Apotheke in Augustfehn. Dass jedoch werde ihre Apotheke erst, wenn die rechtlichen Grundlagen geklärt seien und die Bezahlung gesichert sei. Es gäbe Bundesländer, die verfügt hätten, dass alle Apotheken auch die kostenlosen Schnelltests anbieten könnten. In Niedersachsen sei es bislang so geregelt, dass die jeweilige Gemeinde die Apotheken damit beauftragen müsse, kostenlose Schnelltests anbieten zu dürfen. Nur so sei auch die Bezahlung für die Apotheken gesichert.

„Wir wissen nicht mehr, als das, was in der Presse gesagt wurde“, meint Frauke Bresse-Kühmichel, Inhaberin der Hubertus-Apotheke in Edewecht. Mit Kammer und Verband sei im Vorfeld nichts besprochen worden: „Wie ist der Ablauf? Wie soll die Vergütung laufen? Wie wird das abgerechnet? Woher kommen die Test?“ All dies bleibe laut der Apothekerin bisher unbeantwortet.

Zwar seien die Apotheken in Edewecht bereit, Tests anzubieten, und würden sich auch schon vorbereiten. Es müssten aber vorher Räumlichkeiten organisiert werden. „Wir können die Personen ja nicht einfach so in den Apotheken testen. Was ist denn, wenn einer positiv ist?“ Für Ende nächster Woche sei die Lieferung von Laientests versprochen worden. Damit könne jeder selbst einen Abstrich im vorderen Nasenbereich machen.

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