Ammerland - Unterricht im Corona-Alltag – das ist vor allem an Grundschulen kein leichtes Unterfangen. „Wenn wir nicht wöchentlich mindestens eine neue Verordnung oder aber einen Erlass bekommen würden, würde es uns besser gehen“, blickt Christian Pagels, Leiter der Grundschule Edewecht, auf all die Änderungen für den Maßnahmen-Katalog, die ihm in regelmäßigen Abständen in die Schule flattern. Lehren unter Corona-Bedingungen, so wird im Gespräch mit ihm schnell deutlich, ist ein ziemlicher Kraftakt auf vielen Ebenen – und die Behörden erschweren das Ganze auch noch.
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Gibt es positive Entwicklungen? |
„Mittlerweile kommen die Schüler ganz gut mit den Regeln klar“, sagt Pagels und verweist unter anderem auf das Einhalten der Einbahnstraßenvorgaben innerhalb des Gebäudes oder die Toiletten-Regeln. Selbst die Erstklässler hätten nach nur einer Woche das Prinzip verinnerlicht.
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Was ist eines der größten Probleme im Schulalltag? |
Das Einhalten der Maskenpflicht: So gibt es immer wieder Kinder, die ihren Mund-Nasen-Schutz vergessen – und der schuleigene Vorrat an genähten Kindermasken ist fast aufgebraucht. Dann wieder kommen Kinder zum Unterricht, die seit drei oder vier Wochen eine Einwegmaske tragen, die sogar bereits ausgebessert wurden, weil das Geld für neue Masken fehlt. „Wir haben einige Bildungs- und Teilhabepaket-Kinder“, erläutert Pagels. Bei diesen Familien sei oft am Ende des Geldes noch viel Monat übrig.
Ihn erbost, dass die Behörden da nicht helfen. Denn wenn es eine Anordnung zur Maskenpflicht gibt, dann sollte auch Geld in die Hand genommen werden, um diese Familien zu unterstützen. Vorerst hofft die Schule auf weitere Spender, die kostenfrei selbstgenähte Kindermasken zur Verfügung stellen.
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Wie kommen die Lehrer mit all dem klar? |
Irgendwann, so führt Pagels aus, könnten auch sie das Ende ihrer Belastungsgrenze erreicht haben. Die Aufgaben werden mehr, die Einschränkungen ebenso. Er versteht nicht, dass vielen Menschen das Verständnis für diese Mehrbelastung fehle – und sich beispielsweise Friedrich Merz (CDU-Politiker) hinstelle und fordere, Lehrer sollten mal wieder arbeiten kommen. „Da frage ich mich, in welcher Welt der lebt.“
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Wie läuft es an anderen Grundschulen? |
Die Mehrbelastung macht auch den Mitarbeitern an der Grundschule Apen zu schaffen. „Die Herausforderungen sind groß, wir versuchen alle unser bestes, aber es ist anstrengend“, sagt Schulleiter Björn Becker. Es sei spürbar, dass plötzlich Ressourcen benötigt werden, die vorher nicht benötigt wurden. Selbstverständlich wisse er, dass auch viele Menschen in anderen Berufen solche Herausforderungen meistern müssten. „Aber da Sie sich nach der Arbeit bei uns erkundigt haben, kann ich nur sagen, dass die Belastungen hoch sind“, führt der Schulleiter im Gespräch mit unserer Redaktion aus. Wie in Edewecht, so konnte er auch in Apen beobachten, dass die Kinder die neuen Regeln schnell verinnerlichen. Allerdings: „Das Miteinander hat sich verändert, das müssen sie neu lernen.“
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Wie funktioniert der Unterricht derzeit? |
Es sei schwieriger geworden, führt Becker aus. „Mal eben aufstehen, zu einem Kind gehen und ihm etwas erklären ist nicht mehr möglich.“ Hinzu kommt: Mimik, Lautschulung, „hinter einer Maske ist das nur eingeschränkt möglich“, bedauert er. „Es geht viel verloren, macht vieles schwieriger und es frustriert.“
