Ammerland - Die Corona-Krise ist in vollem Gange – doch leiden die Ammerländer darunter? Machen sie Homeoffice? Sind sie frohen Mutes? Hamstern sie oder nicht? Wir haben uns auf unserer Facebook-Seite „NWZ Ammerländer“ umgehört und etliche Leser gaben uns Einblicke in ihre Sicht der Dinge und ihr Leben.

So etwa Brenda Pargmann. Die alleinerziehende Mama von drei Kindern nutzt die Zeit mit den Kindern intensiver. „Nun fehlt uns der Druck im Alltag und man kann so viele Momente bewusster erleben“, schreibt sie. Vorräte habe sie die vergangenen zwei Wochen schon nach und nach aufgefüllt, damit sie nicht mit drei Kindern jedes Mal los muss – allerdings im normalen Rahmen. „Wir meiden ältere Menschen sowie weitere Risikogruppen. Es ist wie es ist – solange haben wir eine schöne Zeit zuhause und im Garten.“

Ina Quebbemann sieht das ähnlich. „Nach dem anfänglichen Aufregen haben wir für uns eine Lösung gefunden und nehmen diese Zeit als eine zusätzliche Mutter-Kind-Zeit wahr. Vom Alltagsstress ein wenig abschalten und es einfach genießen. Wann hat man heutzutage noch so viel gemeinsame Zeit?“ Was ihr eher Sorgen bereitet, „ist die Tatsache, dass man als Großfamilie teilweise Probleme bekommt bei dem alltäglichen Einkauf“. Der falle nun mal größer aus als bei einem Zwei-Personen-Haushalt. „Sogar böse Blicke anderer bleiben da nicht aus.“

Claudia Müller ist ebenfalls Mutter. Sie schreibt: „Wir sind eine Familie im mittleren Alter, beide Eltern berufstätig, zwei Kinder im Studium, einer in Ausbildung. Bei mir stand am kommenden Freitag eine lang geplante OP an mit 3- bis 4-monatiger Krankzeit. Mein Arbeitgeber hat extra eine Mitarbeiterin zur Vertretung eingestellt. Jetzt ist alles abgesagt. Aber es lässt sich ja nichts ändern, es hat niemand schuld, man muss es einfach akzeptieren und ruhig bleiben.“ Die Familie habe generell eine gute Vorratshaltung und hamstere jetzt keine Lebensmittel. „Wir versuchen, unseren Alltag so normal wie möglich zu gestalten. Meinem Mann droht leider Kurzarbeit, aber auch da müssen wir durch.“

Und was machen Friseurinnen in diesen Zeiten? Nicole Bruns schreibt: „Wir waschen uns nach jedem Kunden die Hände und achten sehr auf Hygiene. Und hoffen, dass die Leute, denen es nicht gut geht, zu Hause bleiben.“ Auch Silke Roshop ist Friseurin, allerdings mobil unterwegs. Für sie ist klar: „Solange es mir möglich ist und nicht untersagt wird, mache ich es auch so weiter.“

Überhaupt, die Umfrage zeigt: Viele in den Handwerksbranchen beschäftigte Ammerländer haben trotz Corona viel zu tun. „Wir als Malereibetrieb arbeiten auch so lange wie wir dürfen. Sollte das Wetter trocken bleiben und die Temperaturen es zulassen, kann man über die ersten Außenarbeiten nachdenken. Da kommt man sich auch nicht zu nahe“, weiß Tim Hübert.

Für Eike Isabelle Oetken, die als Handwerkerin Tag für Tag auf Baustellen unterwegs ist, ist es zudem unmöglich, auf Homeoffice umzusteigen. „Einer muss die Arbeit ja machen“, sagt sie. „Das Einzige, was man da machen kann: Abstand halten und keine Angst vor dem ’Was-wäre-wenn’.“

Homeoffice? Das geht bei Natalie Derwald-Bach auch nicht. „Stelle mir gerade vor, von unserem Fleisch- und Wurstwaren-Hersteller die Ware von zu Hause aus zu verkaufen.“ Ansonsten laufe alles normal ab, vom Schulausfall und dem Kind daheim abgesehen. „Verrückt machen lassen würde auch nur noch mehr Panik verbreiten. Ich habe zur Zeit das Glück, Überstunden abbauen zu können. Danke, Chef.“ Keine Zeit bzw. keinen passenden Job fürs Homeoffice hat auch Max Zimmer, denn der Landwirt muss ganz normal weiterarbeiten. „Tiere und Pflanzen haben Hunger, genauso wie wir.“

Kaum Probleme mit der Corona-Krise hat Sabine Herzke. „Schwimmbad zu, also sportlich umorientiert. Chorproben fallen aus, ein Konzert wurde abgesagt. Ansonsten merke ich tatsächlich persönlich gar nicht so sehr Einschränkungen, ich fliege nicht, habe keinen Urlaub gebucht, muss jetzt im Frühjahr eh durcharbeiten und brauche nach Feierabend vor allem Ruhe.“

Ganz pragmatisch geht Silke Bölts an die Sache ran. „Ich arbeite noch im Atelier meine Aufträge ab, die über meine Homepages reinkommen; Kundenkontakt habe ich sehr selten. Hamsterkäufe habe ich auch nicht gemacht; im Falle eines Shutdowns werden Lebensmittelmärkte auch offen haben. Und falls das Klopapier ausgeht, gibt es alte Zeitungen wie vor 40 Jahren.“

„Ob ihr es glaubt oder nicht, ich lebe mein Leben ganz normal weiter, und wenn man nicht den ganzen Tag in den sozialen Netzwerken unterwegs ist, ist das auch ohne weiteres möglich“, verkündete derweil Heiner Baasen.

Anuschka Kramer
Anuschka Kramer Team Nord