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nordwest-zeitung

Gesangvereine haben ein Problem Im Ammerland wird’s immer leiser

Ammerland - Es wird leiser im Ammerland: Was für Anwohner einer Autobahn ein Grund zum Feiern wäre, ist für die Kulturszene ein trauriger Anlass. Der „Gemischte Chor“ Neusüdende hat sich jetzt aufgelöst. Es fehlen die Sänger, wie Vorsitzender Horst Rothe berichtet. Das Schicksal werden in den kommenden Jahren noch einige Chöre im Ammerland erleiden. Die Sangesbrüder werden immer älter, der Nachwuchs fehlt.

Stimmen reduziert

Das bestätigt auch der Chorverband Niedersachsen Bremen. In dem sind rund 1300 Chöre in 1000 Vereinen organisiert. Gesangvereine mit jahrelanger „Tradition“ hätten es schwer, neue Mitglieder zu gewinnen. Nämlich immer dann, wenn die Vereine ihre eigene Tradition nicht verändern möchten. Junge, neue Chöre bekämen auch weiter Nachwuchs, schreibt Andreas Büssenschütt, Geschäftsführer des Chorverbandes Niedersachsen Bremen.

Horst Rothe, Vorsitzender der Neusüdender Sängerinnen und Sänger, berichtet, dass in seinem Chor zuletzt nur noch drei Männer vertreten gewesen sein. „Vierstimmig konnten wir da schon nicht mehr singen. Wir haben auf drei Stimmen reduzieren müssen.“ Zum Schluss hätten nur noch 16 Personen in dem Chor gesungen. „Wenn nur noch drei Männer singen, klingt das nicht in einem gemischten Chor“, weiß der Vorsitzende. Und zu den Singabenden kann auch nicht immer jeder kommen. „Da können sie wirklich keine gute Chorarbeit mehr leisten“, so Horst Rothe.

Die zu erkennende Entwicklung sei das Sterben alter Vereine. Junge Sänger kämen nicht nach, so Andreas Büssenschütt. Die jüngere Generation möchte sich nicht in die Zwänge der „alten“ Vereine einordnen. Choruniform, Vereinsfahne, starre Sitzordnung und starre Probentermine seien für viele jungen Leute nicht mehr akzeptabel, so der Geschäftsführer des Chorverbandes Niedersachsen Bremen.

Etwas besser steht noch der Männergesangverein „Frohsinn“ Bokel aus der Gemeinde Wiefelstede da. „Wir haben derzeit 26 Mitglieder und können noch alle vier Stimmen besetzen“, sagt Vorsitzender Dieter Buschmann. Aber Probleme bekäme auch der MGV, wenn in einer Stimme zwei oder drei Mann fehlten, weiß Buschmann.

Und natürlich habe man auch beim MGV „Frohsinn“ Bokel ein Altersproblem. „Unser jüngster Sänger ist Mitte 40 Jahre alt.“ Die übrigen Sänger seien alle längst im Rentenalter – manche sind bereits jenseits der 80.

Proben im Garten

Aktuell komme noch die Corona-Pandemie hinzu. In Neusüdende habe man zu Coronazeiten gar nicht mehr geprobt. Bei „Frohsinn“ könne man im Gesellschaftshaus Martens noch unter erschwerten Bedingungen proben. „Im Sommer haben wir im Garten von Martens geprobt“, sagt Buschmann. Im Saal bei Martens könnten sie die fürs Singen erforderlichen Abstände einhalten.

In Kirchengemeinden wird meist nicht gesungen

Kritik hatte beispielsweise Chorleiterin Dagmar Lorenz aus Friedrichsfehn an dem absoluten Verbot von Treffen zum gemeinsamen Singen zu Beginn der Corona-Maßnahmen geäußert. In den vielen Kirchengemeinden wird noch immer nicht wieder gesungen.

Mehrere Online-Projekte für Kinder und auch für Erwachsene hatte Lorenz daraufhin gestartet, damit die Sängerinnen und Sänger weiter üben und singen können.

Derzeit läuft in der Kirchengemeinde Friedrichsfehn/Petersfehn ein Foto-Musik-Mitmachprojekt. Angesprochen sind Menschen jeden Alters, die gern singen, und solche, die gern fotografieren. Grundlage ist das bekannte Kirchenlied „Vertraut den neuen Wegen“ von Klaus Peter Hertzsch.

Arne Erik Jürgens
Arne Erik Jürgens Thementeam Polizei/Justiz
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