Ammerland - Sorgsam zieht der Traktor seine Bahnen über den Acker. Etwa acht Stundenkilometer zeigt der Tacho in der Regel an. Hier, auf dem gerade aufkeimenden Mais, ist er allerdings kaum im Schritttempo unterwegs. Hinten am PS-starken Gefährt hängt ein mit metallischen Zinken bewehrtes Gerät. Die Zinken greifen in den Boden. Nicht tief, je nach Einstellung etwa einen bis drei Zentimeter. Die kleinen, gerade durch die Krume brechenden Maispflänzchen stören sich kaum an dem zwölf Meter breiten Ungetüm, das über sie hinwegzieht. Doch viele der noch ganz winzigen Unkräuter mögen die Behandlung gar nicht. Angeschafft wurde das Gerät, der Striegel, vom Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV).
„In Kooperation mit lokalen Landwirten wollen wir einen Anreiz geben, auf Bodenherbizide zu verzichten und Unkräutern, die den Kulturpflanzen auf dem Feld Konkurrenz machen, auf mechanischem Weg zu Leibe zu rücken“, erklärt Dr. Johannes große Beilage vom Bereich Wasserwirtschaft und Qualitätsüberwachung des OOWV. „Abbauprodukte von Herbiziden werden nach der teils schon jahrzehntelangen Anwendung verschiedentlich im Grundwasser messbar. Die Substanzen werden zwar oft als ‚nicht relevant‘ klassifiziert, aber wir wollen hier schon vorbeugend entgegenwirken“, sagt große Belange.
Kein Papierkram
Insgesamt wurden drei Striegel und drei Hacken für das Wasserschutzgebiet (WSG) Nethen, das WSG Thülsfelde und das Trinkwassergewinnungsgebiet (TGG) Holdorf durch den OOWV gekauft. Die Arbeiten mit den Maschinen übernehmen in den Gebieten jeweils ein landwirtschaftlicher Betrieb oder ein Lohnunternehmen, die auch direkt mit dem OOWV abrechnen. Landwirte, die die Geräte auf ihren Flächen einsetzen lassen, brauchen sich deshalb nicht um den Papierkram zu kümmern.
Hans-Georg Eiting und sein Sohn Timo betreuen die Geräte im WSG Nethen und setzen sie hier auch ein. Für sie ist das Projekt auf jeden Fall einen Versuch wert – trotz der Bedingungen für gutes Striegeln: „Bei den langsamen Fahrten mit drei Kilometern pro Stunde wird die Strecke einmal über das Feldes schon recht lang“, berichtet Timo Eiting. „Wir setzen testweise auf zwei nebeneinander liegenden Flächen einmal das Striegeln und einmal auf den Einsatz der herkömmlichen Menge an Herbiziden. Zur Ernte haben wir dann ein Ergebnis.“ Sein Vater ergänzt: „Wir beteiligen uns an dem Projekt auch aus ideologischen Gründen. Wir fördern hier auf dem Hof unser eigenes sehr sauberes, unbelastetes Wasser – und das wollen wir weiter schützen.“
Bei Mais hoffnungsvoll
Gerade bei Mais verspricht der Striegel Erfolg. Die großen Anbauflächen und die Tatsache, dass Mais in Reihen angepflanzt wird, kommen dem kombinierten Einsatz von Striegel und Hacke entgegen. Jan Wittenberg, Biolandwirt und Repräsentant der Herstellerfirma Treffler, kennt sich mit dem zinkenstarrenden Gerät bestens aus. Er erklärt, was beim Striegeln zu beachten ist: „Die Zeitpunkte sind besonders wichtig, um die Samenunkräuter in den richtigen Phasen zu verschütten. Dazu kommen die jeweils richtige Einstellung des Zinkenwinkels und des Zinkendrucks sowie die Geschwindigkeit.“
Wer von der Saat bis in die Jugendphase des Maises über drei Wochen „möglichst alle fünf Tage“ striegelt und abschließend hackt, könne sogar ohne zu spritzen sehr gute Ergebnisse erzielen. „Mein Rat: striegeln, striegeln, striegeln!“
Landwirte, die ihre eigenen Striegel oder eine Hacke verwenden oder diese Geräte von Dritten einsetzen lassen, können dieses über die Kooperation als freiwillige Vereinbarung bezuschussen lassen.
