Ammerland - Traditionell werden am Johannistag, 24. Juni, die letzten Spargelstangen der Saison gestochen. Bei manchen ist schon vorher Schluss: Die Erntehelfer auf dem Kösterhof in Ofen haben das letzte Gemüse der Saison bereits am Dienstag gestochen, am Mittwochvormittag war der letzte Spargel verkauft.
Anders ist es beim Erdbeer- und Spargelhof Warband in Westerstede: Weil das Saisonende mitten in der Woche liegt, wird bis zum Wochenende gestochen, „am Freitag oder Samstag zum letzten Mal“, sagt Olaf Warband. Bis Sonntag können Kunden bei den Verkaufsständen oder im Hofladen also noch Glück haben.
Keine Verzögerungen
Sowohl Jürgen Köster vom Kösterhof, als auch Olaf Warband konnten ohne Verzögerungen die Spargelernte beginnen. Das war keine Selbstverständlichkeit: In Niedersachsen haben einige Betriebe versucht, die Ernte hinauszuzögern. Denn aufgrund der Corona-Pandemie war zunächst unklar, ob ausreichend Erntehelfer nach Deutschland kommen können. Anfangs wurde daher zum Teil weniger Spargel geerntet, wie die Landwirtschaftskammer Niedersachsen mitteilt.
Auch Jürgen Köster hatte sich zu Beginn der Saison Sorgen gemacht (die Ð berichtete), ob die polnischen Erntehelfer, die größtenteils schon seit Jahren auf dem Hof arbeiten, nach Deutschland kommen können. Anfang April wurde dann jedoch klar, dass die Erntehelfer doch einreisen dürfen. Eine weitere Erntehelferin aus Deutschland hat in dieser Saison zusätzlich unterstützt.
Bereits im März hatten sich die ersten Menschen bei ihm gemeldet, die als Erntehelfer arbeiten wollten: Menschen aus vielen verschiedenen Berufsbereichen, manche aus der Gastronomie, manche, die in Kurzarbeit waren. „Wir hatten jeden Tag zehn Anrufe.“
Ähnlich war es bei Olaf Warband. „Es haben einige angerufen.“ Menschen aus ganz unterschiedlichen Berufsgruppen wollten den Betrieb unterstützen. „Das ist schön und nicht selbstverständlich“, betont Warband.
Hilfe vom Zufall
Dass der Westersteder Hof darauf nicht angewiesen war, lag allein am Zufall. Normalerweise kommen zehn Erntehelfer aus Osteuropa. Bevor die Einreise zeitweise eingeschränkt wurde, waren bereits vier von ihnen in Deutschland, um hier Urlaub zu machen. Zusätzlich hat Warband die Abläufe geändert: Normalerweise haben die Erntehelfer zusätzliche Arbeiten, wie das Sortieren oder Vorwaschen des Spargels übernommen. „Das haben wir selbst gemacht“, erklärt Warband. Dadurch, dass die Erntehelfer ausschließlich auf dem Feld tätig waren, konnte der Betrieb Personal sparen.
Direkt vermarktet
Doch der Spargel, der trotz Corona bei den Betrieben gestochen werden konnte, musste natürlich auch verkauft werden. Der Absatz in die Gastronomie war jedoch zunächst völlig weggefallen. Rund ein Drittel des deutschen Spargels werden normalerweise über die Gastronomie vermarktet, schätzen die Erzeuger laut Landwirtschaftskammer.
Der Wegfall der Gastronomie hat sich – zumindest bei Köster und bei Warband – schnell reguliert. Beide Betriebe vermarkten den Spargel ausschließlich direkt und nicht über den Großmarkt. Statt gastronomischen Betrieben haben zunehmend Privatleute das Gemüse gekauft, „deutlich mehr als in den vergangenen Jahren“, hat Köster festgestellt.
Positive Bilanz
Trotz aller Umstände blickt Köster positiv auf die Saison. „Wir haben dasselbe Betriebsergebnis, die gleiche Menge.“ Statt Gastronomiebetrieben haben eben mehr Privatleute den Spargel gekauft. Und auch Warband sagt: „Wir sind zurechtgekommen.“
