Ammerland - Er ist die Symbolfigur für eine Bewegung, die uns alle im Sport auf Trab gebracht hat. Auch wenn Trimmy heute nicht mehr so präsent ist, wie er bald nach seinem medienwirksamen Auftritt 1970 war, Trimmy und die mit ihm gestartete Kampagne „Trimm-dich-durch-Sport“ zeigen Wirkung bis in unsere Tage. Ein Anlass für den Deutschen Sportbund, den Sport für alle zu propagieren, waren die Zivilisationskrankheiten. Mit den bevorstehenden Olympischen Spielen in München erhielt der Sport große Aufmerksamkeit. Aber die Diagnose hieß: ein sportinteressiertes Volk ist unsportlich.
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Wie sah die Sportlandschaft 1970 aus |
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Vereinfacht gesagt wurde Sport bis dahin vor allem von leistungsorientierten Männern und in Vereinen zum Zweck von Wettkämpfen und Spielturnieren betrieben. Natürlich gab es den Schulsport und die Kinder- und Jugendsportabteilungen, auch Frauen waren aktiv – vor allem in Turnvereinen. Aber die Ausrichtung auf den Wettkampfsport war damals vorherrschend, wie es auch heute noch meist ist. Nun sollte ein neuer Weg, der „Zweite Weg“ für Sporttreibende gebahnt werden.
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Was hatte der Deutsche Sportbund vor |
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In einer bis dahin nicht bekannten Werbekampagne wurden die Zielsetzungen der Trimmaktion über Fernsehen und Radio, Zeitungen und Broschüren, Plakate und Handzettel bekannt gemacht. In der NWZ tauchte die Symbolfigur mit dem optimistischen Daumen zum ersten Mal am 6. März 1970 auf. „Sport für alle“ hieß jetzt das Motto. Bewegungsaktivitäten sollten nicht mehr auf die traditionellen Anlagen und Organisationsformen beschränkt bleiben. Eine andere Art des Sporttreibens wurde propagiert, bei der Gemeinsamkeit und Vergnügen und Körpergefühl wichtig sind, ohne dass dabei nicht auch eine angemessene Leistungsanforderung besteht.
Zusammen mit dem DSB-Hauptberuflichen Jürgen Palm, der als Vater der Trimm-Aktion gilt, hat Professor Jürgen Dieckert als Vorstandsmitglied die Entwicklung im DSB Breitensport geprägt. Der Sportwissenschaftler gründete die Forschungsstelle Freizeitsport an der Uni Oldenburg und er handelte sich den Titel „Trimm-Papst“ ein. Auf seine Initiative wurde 1973 im Wildenloh der erste Trimmpark eingerichtet.
Im Gegensatz zu vielen Trimmpfaden andernorts – die 1972 angelegte „Schweißtropfenbahn“ in Westerstede fand nach wenigen Jahren ein unrühmliches Ende – erfreut sich diese Anlage im Wildenloh auch heute weiterhin großer Beliebtheit.
Als eine abgespeckte Version der Trainingsform „Wechsel von Laufen und Übungsstation“ können die Allwettergeräte für Menschen jeden Alters angesehen werden, die als „Playfit-Parcours“ am Wegesrand jederzeit mit einem Bewegungsangebot dazu einladen, auch in Alltagskleidung aktiv zu sein.
In dieser ersten Phase der Trimm-Dich-Aktion ging es um die Motivation: So wurden mit dem Slogan „… mal wieder!“ die traditionellen Sportarten verbunden. „Lauf mal wieder“ war der erste und auch wohl erfolgreichste Aufruf. Lauftreffs, Volkswandertage und Volksläufe entwickelten sich zu Massenveranstaltungen. Schon nach zwei Jahren betrug der Bekanntheitsgrad über 90 Prozent. Das Verb „trimmen“, bislang nur in der Technik und bei der Bart- und Hundepflege gebräuchlich, erhielt mit „sich trimmen“ eine neue bis heute geläufige und positive Bedeutung.
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Was bewirkte die Aktion im Ammerland |
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Beflügelt vom Erfolg der Trimm-Bewegung, die auch von vielen Prominenten aus Politik, Künstlerkreisen und dem Leistungssport unterstützt wurde, startete der DSB 1975 eine Ausdauerkampagne mit dem Slogan „Ein schlauer trimmt die Ausdauer“. Eine andere Zielrichtung hatte ab 1979 die Kampagne „Spiel mit – da spielt sich was ab“. In Westerstede wurde eine Serie von Spielfesten auf der Hössen und im Freibad organisiert. Eine neue Art des Spielens wurde angeregt, bei der nicht das Siegenwollen sondern das gemeinsame Erlebnis im Vordergrund stehen sollte.
Solche Groß-Spielfeste gibt es heute kaum noch, aber in kleinerem Rahmen wird diese Idee realisiert. Beispiel dafür sind die Spielmobile und die traditionellen Hallenspielfeste von den Handballern für die Drittklässler. Es folgte bis 1987 noch einmal eine Ausrichtung auf die gesundheitlichen Aspekte mit dem Verweis auf den idealen Belastungspuls „Trimming 130 – Bewegung ist die beste Medizin“.
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Wie haben die Vereine die Aktion aufgenommen |
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Mit dem ansteigenden Interesse für die neue Art des Sporttreibens ergab sich für Fachverbände und Vereine die Notwendigkeit, entsprechende Angebote zu schaffen. Bis zur Jahrtausendwende haben 80 Prozent der Vereine das geschafft, so die Feststellung des DSB. Vermehrt wurden jetzt Kurse organisiert, neue Trends, wie zum Beispiel die Aerobic-Welle, aufgenommen und es wurden auch die umworben, die nicht vom traditionellen Wettkampfsport angesprochen werden. Sportvereine hatten nun nicht mehr das Monopol für Sport und Bewegung, denn mit der allgemeinen Aktivierung fanden Sportstudios, Gymnastikinstitute und andere private und institutionelle Anbieter ihre Kundschaft. So war es nur folgerichtig, dass 1987 vom DSB wieder der Sportverein in den Mittelpunkt gerückt wurde: „Gemeinsam aktiv – Im Verein ist Sport am schönsten“. Das war der vorläufige Abschluss der Werbekampagne.
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Was hat die Trimmaktion letztendlich bewirkt |
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In einer Studie der Deutschen Sporthochschule wurde 2005 zwar das Fehlen einer wissenschaftlich fundierten Erfolgsprüfung festgestellt, aber dennoch ein Fazit gezogen: Man kann den Trimm-Aktionen beachtliche Erfolge attestieren. Ein großes Verdienst ist, dass dadurch weit über den Sport-Sektor hinaus eine Vielzahl Personen für das Thema Sport, Bewegung und Gesundheit sensibilisiert werden konnten und langfristig nationale und lokale Netzwerke und Kooperationen geschaffen wurden.
Fest steht, dass sich nach zwei Jahrzehnten Trimmaktion die Mitgliederzahl des DSB auf 21 Millionen verdoppelt hatte. Im Jahr 2020 zählt der DOSB mehr als 27 Millionen Mitglieder. Die heutige Vielfalt im Freizeit- und Breitensport, im Verein oder vereinsungebunden, hat sicherlich auch in der Trimm-Kampagne ihre Wurzeln: die Walkinggruppe von Frauen, der Spielnachmittag für Kinder, der Lauftreff zur Vorbereitung zum Volkslauf, die Fußball-Ferienschule, um nur einige zu nennen, setzen die 50 Jahre alte Idee vom Sport für alle in die Praxis um.
