Ammerland/Westerstede - Sie haben es geschafft – und das trotz erschwerter Corona-Bedingungen: Zwölf Jagdscheinanwärter aus dem Ammerland haben seit September 2019 in ihrer Freizeit rund ums Wild gebüffelt: Denn wer Jäger werden will, muss sein Wissen und Können unter Beweis stellen – und zwar nicht nur in der Praxis. Das Spektrum reicht von Kräuterkunde über Wildkrankheiten und Hygienevorschriften bis hin zum Waffenrecht.
Alle zwölf Teilnehmer haben ihr „grünes Abitur“, wie es umgangssprachlich genannt wird, bestanden. Eigentlich wären Jungjäger in diesen Tagen offiziell beglückwünscht worden, aber in Zeiten der Corona-Pandemie wurde nicht nur in Kleingruppen gelernt, sondern auch auf Abstand „gefeiert“. Unter ihnen mit Talke Heidkroß, Imke Schuer und Elvira Janssen drei Frauen.
Ammerland vorn dabei
Für die Kreisjägermeisterin Talke Ruthenberg nicht so verwunderlich: Seit Jahren interessieren sich immer mehr Frauen für die Jagd. „Im Ammerland liegt der Anteil inzwischen bei 25 bis 30 Prozent“, so die Kreisjägermeisterin. Damit liegt das Ammerland im bundesweiten Vergleich weit vorn: Laut Deutschem Jägerverband (DJV) beträgt der Frauenanteil in den Jagdschulen 24 Prozent. Mitte der 1990er Jahre waren nur ein Prozent der Jagdscheininhaber Frauen, heute sind es sieben Prozent.
Bis sich der Frauenanteil allerdings in den Spitzen der Jägerschaften widerspiegelt, werden noch ein paar Jahre vergehen: „Es findet aber zurzeit ein Generationenwechsel statt“, so Anika Börries als Pressebeauftragte der Jägerschaft Ammerland.
Beweggrund: Ernährung
Als Beweggründe für den Jagdschein nennen Frauen verschiedene Gründe. Oft hatten sie sogar im Vorfeld noch gar keinen Bezug zur Jagd. „Viele geben die Ernährung als Motiv an“, sagt Anika Börries. Diese Frauen wollen wissen, was für Fleisch auf ihren Tellern landet – in Zeiten von Billigfleisch, Corona-Hotspots und dramatischen Verhältnissen auf Schlachthöfen nachvollziehbar.
Aber es gibt noch jemanden, der Frauen auf die Jagd- Fährte in den Wald führt: der Hund. Manche Frauen wollen mehr Zeit in der Natur verbringen, da passt der Hund ins Bild – und am Ende die Ausbildung zur Jägerin und zum Jagdhund.
In jedem Jahr gibt es im Ammerland zwischen 30 und 40 neuen Jungjägern – da fragt sich der Außenstehende: Wo bleiben die alle? Schließlich befinden sich die Reviere in der Regel in festen Händen – und das über Jahre. Aber der Bedarf ist trotzdem da: Denn die Jungjäger unterstützen die Revierpächter in vielen Aufgaben: Sie helfen Wildschäden zu vermeiden, Abschusspläne einzuhalten, zählen Hasen und Gänse oder suchen verletztes Wild. Und auch das Anlegen von Nahrungs- und Versteckflächen für Wildtiere außerhalb des Waldes zählt zu ihren Aufgaben.
Wer nun „Blut geleckt“ hat, hat zwei Möglichkeiten: Entweder er oder sie meldet sich für einen dreiwöchigen Deula-Kurs an. Der nächste beginnt am 22. Juli. Oder die Altnative ist der Langkurs, der in der ersten Septemberwoche startet und pünktlich zum Beginn der Jagdsaison im März endet. „Die Inhalte der Kurse und auch die Anzahl der Stunden sind identisch“, so Anika Börries. Weitere Infos unter
