Ammerland/Oldenburg - Vor dem Polizeipräsidium in Oldenburg ist es am Donnerstag um 11.15 Uhr noch ruhig. Doch während laut Polizei 430 Landwirte mit 318 Treckern auf dem Schlossplatz demonstrieren, beziehen die Ammerländer Felix Müller und Arno Oeltjen mit weiteren Landwirten hier bereits schon mal Stellung. Gegen 11.30 Uhr ist es dann soweit: Acht Trecker kommen angefahren, einer hat ein Pfluggerät angekoppelt. Oeltjen lotst ihn zu einer Wiese rechts vom Behördengebäude. Die anderen sieben Trecker positionieren sich links und rechts der Zufahrt und sperren die Hindenburgstraße ab.

Während der Pflug angesetzt und ein etwa sechs mal sechs Meter großes Feld auf der Wiese gepflügt wird, laufen Müller und weitere Demonstranten mit einem Eimer voll Saatgut hinterher und verstreuen es in großen Mengen.

Die Aktion bleibt nicht unbemerkt: Fünf Polizisten kommen aus dem Gebäude und laufen auf die Demonstranten zu. Doch diese setzen ihre Arbeit unbeirrt fort. Einer der Polizisten fragt nach einem Ansprechpartner, die Beamten nehmen die Personalien auf. Die Situation bleibt ruhig, die Polizisten lassen die Landwirte ihre Arbeit zu Ende führen, weisen auf den Abstand hin, den alle zueinander halten sollen. Um 11.50 Uhr befindet sich eine frisch eingesäte abgesperrte Blühwiese neben einer vom Nabu angelegten Sandwiese, die ebenfalls Insekten ein Zuhause bieten soll.

Sinn der Aktion: Die Landwirte wollen auf sich aufmerksam machen und zeigen, dass Naturschutz nur mit ihnen funktioniert. „Uns stört die Pauschalkritik an der Landwirtschaft. Wir sollen allein am Verlust der Biodiversität schuld sein“, sagt Felix Müller, der in Rastede einen Schweine- und Bullenmastbetrieb betreibt und Vorsitzender des Landvolkes Ammerland ist. Nicht berücksichtigt würde beispielsweise, dass die Versiegelung von Flächen zunehme. „Sicherlich tragen wir unseren Teil dazu bei, sind aber nicht allein Schuld“, sagt Müller.

Das sieht auch Arno Oeltjen so, der in Westerloy einen Milchviehbetrieb hat: „Wir benutzen bereits weniger Dünger und arbeiten zielgenauer. Wir geben uns Mühe, legen Blühflächen an und investieren dabei in Technik.“