Ammerland - „Warum zerstören Sie mit fragwürdigen Auflagen unsere nachhaltige, regionale Landwirtschaft?“ und „Warum dürfen gleichzeitig Lebensmittel ohne Umweltstandards importiert werden?“ steht auf rund 70 großen Plakaten, die in diesen Tagen überall im Ammerland aufgehangen wurden.
Streit um neues Gesetz
Mit diesen Fragen richten sich die Landwirte direkt an die EU-, Bundes- und Landespolitiker von CDU/CSU, SPD und Grünen. Hinter der Aktion stehen rund 130 aktive Landwirte aus dem Ammerland, die sich zusammengeschlossen haben. „Wir bekommen immer mehr Auflagen. Wenn ich 20 Prozent meiner Fläche nicht nutzen kann, werde ich quasi enteignet“, sagt Gruppensprecher Arno Oeltjen aus Westerloy. Damit spricht der Landwirt den Streit um das angekündigte Insektenschutzgesetz an.
Aus diesem Grund fordere man die Politiker zu Gesprächen auf. „Wir wollen auf die Probleme aufmerksam machen, die die Entscheidungen von oben mit sich bringen“, so Oeltjen. Schon jetzt fänden wöchentlich Gespräche mit Politikern wie Jens Nacke und Stephan Albani (beide CDU) statt. „Wir Landwirte greifen niemanden persönlich an, leiden aber enorm unter dem politschen Druck.“ Zu oft würden sie vertröstet werden.
Organisierte Proteste
Über ihre WhatsApp-Gruppen organisieren die Landwirte zahlreiche Proteste. „Wenn wir einen Überraschungscoup starten, sind sofort viele Bauern dabei“, sagt Dirk Sandstede. Der ehemalige Landhändler beteiligt sich in der Gruppe als Kassenwart.
Zusammengetan haben sich die Ammerländer auch mit Bauern aus Cloppenburg, der Wesermarsch und Friesland. Zwei Wochen lang waren die Ammerländer mit 13 Treckern zuletzt bei Protesten in Berlin vertreten. Die Aktion lief bis Donnerstag. Oeltjen selbst ist im Januar mit seinem Trecker nach Berlin gefahren, um dort zu protestieren. „Das ist für uns ein riesen Aufwand. Da bleibt vor Ort schon einmal was liegen“, sagt der Landwirt. Aber man müsse sich Gehör verschaffen.
Unterstützung kommt nicht nur von direkt Betroffenen, auch Familien und Otto-Normalverbraucher würden spenden, sagt Oeltjen: „Es gibt einen gewaltigen Zusammenhalt. Auch die Akzeptanz der Bürger ist gestiegen, seit wir mehr unterwegs sind.“ Allerdings sei man noch lange nicht am Ziel.
