Ammerland - Seit Weihnachten haben die meisten Fünft- bis Zwölftklässler keine Schule mehr von innen gesehen. Zwei Wochen vor den Osterferien holt das Kultusministerium die Jahrgänge 5 bis 7 und den Jahrgang 12 zurück. Ab 22. März gilt dann für alle Schüler das Wechselmodell: Halbe Klassen dürfen am Unterricht teilnehmen – entweder wochen- oder tageweise. Das bleibt den Schulen überlassen.
Inzidenz entscheidet
So denken Schüler an der Edewechter Oberschule über die Situation:
„Man kann sich viel besser fokussieren. Es bleibt mehr Zeit für einzelne Schüler“, sagt Niklas Vogt (15) zum Unterricht in den verkleinerten Abschlussklassen.
„Ich bin nicht so der Techniker. Im direkten Kontakt mit den Lehrern ist es einfacher“, so Niklas Hillmann (16) zum digitalen Lernen.
„Zu Hause konnte ich mich nicht so gut auf die Aufgaben konzentrieren. Das geht in der Schule besser“, erzählt Fenja Duhme (16), die seit Januar freiwillig in der Schule unterrichtet wurde.
„Ich würde gerne sofort wieder in die Schule gehen. Das hätte ich vor zwei Jahren wohl noch nicht gesagt“, meint Samira-Marie Harasim (13), die als Achtklässlerin warten muss.
„Es läuft ganz gut. Ich halte mich an die Zeiten, an denen wir sonst auch Unterricht hätten. Das gibt mir eine Struktur“, berichtet Florin Trepper (14) über das Homeschooling.
Klettert der Inzidenzwert im Landkreis auf über 100, müssen die Schüler wieder in den Distanzunterricht. Es bleibt also eine Zitterpartie – für Eltern, Kinder und Lehrer.
Das Gymnasium Westerstede holt seine Schüler zunächst tageweise zurück – und ändert damit seinen bisherigen Wochenmodus: „Das bleibt bis zu den Osterferien so. Dann sehen wir weiter“, erläutert Schulleiter Henning Kratsch. Die Zeit bis zum Ferienbeginn wollen die Lehrkräfte in erster Linie für eine Bestandsaufnahme nutzen: Wie sind die Kinder nach einer so langen Zeit aufgestellt – und zwar sowohl vom Lernstand als auch vom Sozialverhalten?
Ähnlich startet das Gymnasium Bad Zwischenahn-Edewecht, das zehn Klassen an beiden Standorten erwartet. Für alle Schüler beginnt der Neustart mit einer Klassenleiterstunde. „So, wie wir es sonst nach den Ferien handhaben“, so Schulleiter Klaus Friedrich. Dabei solle den Schülern die Möglichkeit zu Gesprächen gegeben werden. „Wir wollen herausfinden, wie sie sich fühlen, was in den vergangenen Wochen gut oder aber auch schlecht gelaufen ist.“
Für die Woche ab dem 22. März hat sich Friedrich mit seinem Kollegen Jürgen Boy von der Oberschule abgesprochen. Alle Schüler der Klassen 8 bis 11 sollen, wie vom Ministerium gewünscht, noch vor Ferienbeginn einmal in die Schule kommen.
Keine Klassenarbeiten
Klassenarbeiten dürfen per Erlass vor den Osterferien nicht mehr geschrieben werden, lediglich Lernzielkontrollen sind zugelassen: „Ein Vokabeltest ist also erlaubt“, so Kratsch. Gleichzeitig besagt die Vorgabe, dass in allen Fächern vor den Sommerferien noch eine Arbeit geschrieben werden muss. „Das wird erneut eine große Belastung für alle Beteiligten“, vermutet der Schulleiter. Zumal mit den aktuellen Vorgaben zu den Inzidenz-Zahlen damit zu rechnen sei, dass die Schulen wieder tageweise schließen müssen. Die einzige Kontinuität: „Es gibt keine Planungssicherheit“, resümiert Kratsch.
Keine Apokalypse
Von den bisweilen apokalyptischen Darstellungen einer verlorenen Corona-Generation hält Kratsch indes nichts: „Es ist eine sehr anstrengende Zeit.“ Aber den Bildungsauftrag sehe er nicht in Gefahr: „Unser Abiturjahrgang hat in diesem Jahr so viel Zeit zum Lernen wie kein anderer.“ Keine Studienfahrten, keine Veranstaltungen und dazu viel Ruhe in der Schule sorgen für ein verlässliches Arbeitsniveau – „wenn auch unter besonderen Umständen“, räumt der Schulleiter ein.
Auch Peter Röben von der Edewechter Oberschule sieht nicht nur schwarz: „Wer jetzt einen vernünftigen Abschluss macht, zeigt, dass er oder sie Medienkompetenz besitzt und sich selbst organisieren kann.“ Der Schulleiter sieht eher einen „Corona-Bonus“ als einen Makel im Abschluss.


