Ammerland - „Rettet den inhabergeführten Einzelhandel – wir brauchen Perspektiven für Dorf- und Stadtzentren!“ Mit dieser Überschrift beginnt ein offener Brief, der jetzt aus der kleinsten Gemeinde des Ammerlands auf den Weg gebracht wurde. Denn der SPD-Ortsverein Augustfehn, so wird in dem Schreiben deutlich, hat genug davon, dem Einzelhandel im Ort, aber auch im gesamten Ammerland, beim schleichenden Ruin zuzusehen.
An wen war der Brief gerichtet ?
An Ministerpräsident Stephan Weil, an SPD-Landtagsabgeordnete Karin Logemann und SPD-Bundestagsabgeordneten Dennis Rohde. In dem Schreiben fordert die Augustfehner SPD Perspektive und damit Unterstützung für den inhabergeführten stationären Einzelhandel in der Pandemie. Ab dem 15. Februar, so fordern sie in dem Schreiben, sollte die Landesregierung in den Landkreisen mit einer vertretbaren 7-Tages-Inzidenz den oben genannten Mittelständlern und Beschäftigten die Möglichkeit eröffnen, wieder das Ladenlokal für Endverbraucher zu öffnen. Vorausgesetzt, die Behörden haben das Hygienekonzept genehmigt.
Um was geht es der SPD ganz konkret ?
Dass drastische Schritte wie die Schließungen von Einzelhandelsgeschäften notwendig waren und gegebenenfalls sind, um eine Ausbreitung des Virus’ zu verhindern, und Supermärkte sowie Drogerien für die Versorgung mit dem täglichen Bedarf öffnen müssen, bestreiten die Sozialdemokraten nicht, im Gegenteil. „Es ist aber gegenüber dem hiesigen Fachhandel nicht zu verantworten, dass in den besagten Supermarktketten (Discountern) an Aktionstagen z.B. Möbel, Handwerksbedarf oder Kleidung erworben werden kann und der stationäre inhabergeführte Einzelhandel, der diese Produkte dauerhaft und ausschließlich im Sortiment hat, nicht veräußern dürfen. Dieses Vorgehen kann auf Dauer zu einer Insolvenzwelle und Vernichtung von Arbeitsplätzen der hiesigen Unternehmerlandschaft führen. Dieses ist aus unserer Sicht nicht mehr zu vertreten. Der Einzelhandel lebt von der persönlichen Fachberatung und des Besuchs der Kunden vor Ort. Dieses macht den Unterschied zum zurzeit florierenden Online-Handel“, schreibt Ortsvereinsvorsitzender Torsten Huber im Namen seiner Partei in dem Brief.
Es sei ein Trugschluss zu glauben, mit Fördermitteln und vergünstigten Darlehn den Selbstständigen zu helfen. „Im allgemeinen Wettbewerb ist die Kundennähe und persönliche Kontakt für eine dauerhafte, erfolgreiche Betätigung unerlässlich. Dieser Vorteil gegenüber dem Online-Handel wird durch das Verbot der Öffnung der Geschäfte entzogen.“
Steht die SPD mit der Forderung allein da ?
Nein. So hat der Handelsverband Deutschland (HDE) jüngst vor einer nochmaligen Verlängerung des Lockdowns ohne Öffnungsperspektive für den Einzelhandel gewarnt, wie die Deutsche Presseagentur (DPA) mitteilte. In einem Brief an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) soll der Präsident des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Josef Sanktjohanser, auf eine klare Aussage von Bund und Ländern gedrängt haben, „unter welchen Voraussetzungen basierend auf realistischen und fundierten Indikatoren der Einzelhandel wieder öffnen kann“.
Der HDE reagierte damit auf Äußerungen Altmaiers, der nicht ausgeschlossen hatte, dass der aktuelle Lockdown wegen der neuen Mutationen des Coronavirus möglicherweise selbst bei einem Inzidenzwert von unter 50 noch einmal über den 14. Februar hinaus verlängert werden könnte.
Diese Äußerungen des CDU-Politikers hätten die Kaufleute „weiter tief verunsichert und deren Existenzsorgen dramatisch verstärkt“, schrieb Sanktjohanser laut DPA. Schon der gegenwärtige Lockdown werde für Tausende von Einzelhandelsunternehmen in den Innenstädten und besonders im Modehandel das Aus bedeuten.
Was ist der Vorschlag des HDE-Präsidenten ?
Der HDE-Präsident plädierte dafür, dem Handel möglichst rasch die schrittweise Rückkehr zu einem geordneten Geschäftsbetrieb zu ermöglichen. „Dies ist umso notwendiger, je länger der pauschale Lockdown andauert und sich die eklatanten Wettbewerbsverzerrungen zwischen stationärem und Online-Handel sowie innerhalb des Handels mit gemischten Sortimenten zunehmend verschärfen“, schrieb Sanktjohanser. Er sprach sich dafür aus, kurzfristig einen Wirtschaftsgipfel zu organisieren.
