Ammerland - Die Erste-Hilfe-Kurse für den Führerschein, die Jugendleitercard oder im Betrieb waren aufgrund der Corona-Pandemie einige Wochen lang ausgesetzt. Seit Anfang Juni dürfen die Kurse wieder angeboten werden – aber nur unter bestimmten Auflagen. Denn wie in derzeit fast allen anderen Bereichen, gilt auch hier: Abstand halten, Maske tragen, desinfizieren. Im Ammerland bieten unter anderem das DRK, derzeit erst einmal in Apen und zwei Mal pro Monat in Wiefelstede, und die Johanniter in Edewecht Kurse an.
ie stabile Seitenlage an einem anderen Teilnehmer ausprobieren, Verbände bei der Sitznachbarin anlegen – all das ist bei den Erste-Hilfen-Kursen der Johanniter gerade nicht erlaubt. Die ehrenamtliche Ausbildungsleiterin beim Edewechter Ortsverband, Heike Dierks, hat stattdessen andere Übungsmöglichkeiten für die Teilnehmenden.
Weniger Teilnehmende
Beide Organisationen begrenzen die Anzahl der Teilnehmenden pro Kurs stärker als vor der Pandemie, um die Abstände sicherzustellen. Die Teilnehmenden sitzen in Edewecht auf ihren Stühlen mindestens 1,50 Meter auseinander. Die Tische, die sonst im Kursraum stehen, mussten erst einmal weichen, „um die Gänge für die Teilnehmer frei zu halten“, erklärt Dierks. Sie ist die Ausbildungsleiterin bei den Johannitern Edewecht. „Die Tische wurden auch entfernt, um unnötige Oberflächenkontakte zu vermeiden.“ Ansonsten wird alles mehrmals desinfiziert.
Um die Abstände einhalten zu können, wurde die Zahl der Teilnehmenden reduziert. In Edewecht dürfen nur noch zehn statt 20 auf einmal an einem Kurs teilnehmen.
Die Eselsbrücke von Heike Dierks für die stabile Seitenlage:
Hallo Taxi: Den nahen Arm nach oben anwinkeln, Handinnenflächen nach oben.
Ich hab mich lieb: Die andere Hand über die Brust legen, die Hand Außenseite an Wange.
Heb das Bein: Winkle das gegenüberliegende Bein an und fasse das Knie.
Und tschüss: Nun ziehe am Knie und drehe ihn auf deine Seite.
Zum Schluss noch den Kopf der bewusstlosen Person überstrecken und den Mund öffnen.
Auch in den Kursen des DRK dürfen derzeit nur zehn bis zwölf anstatt bis zu 18 Interessierte pro Kurs dabei sein. Laut Vorgaben müssen dem Ausbilder zehn Quadratmeter zur Verfügung stehen, den Teilnehmenden jeweils vier.
Die Nachfrage nach Kursen staut sich derzeit etwas auf. Bei den Johannitern in Edewecht hält es sich derzeit in Grenzen, beim DRK sind einige der kommenden Kurse bereits ausgebucht. Es gibt viele Anfragen, wie im Gespräch mit Hartmut Nett, Ausbildungsleiter beim DRK Ammerland, deutlich wird. Momentan finden die Kurse montags, mittwochs und samstags in Apen sowie an zwei Samstagen im Monat in Wiefelstede statt. Das reiche in der aktuellen Situation aus, da es in der Sommerzeit in der Regel ruhiger sei.
Zum Teil Maskenpflicht
Auch in den Kursen selbst gibt es einiges zu beachten. Bei den Johannitern müssen die Teilnehmenden durchgehend ihre Masken tragen. Da Dierks meist größeren Abstand hält, darf sie ihre abnehmen, damit die Teilnehmenden sie gut verstehen. Sobald sie sich ihnen jedoch nähert, etwa, um bei einer Übung genauer hinzuschauen, setzt sie ihre Maske auf.
Beim DRK müssen die Teilnehmenden laut Website ihre Maske aufsetzen, wenn sie den Raum betreten oder verlassen sowie in den Pausen, aber nicht während des Kurses. Den ganzen Tag über eine Maske zu tragen würden laut Nett viele nicht durchhalten.
Wer bei den Johannitern etwas mitschreiben möchte, muss möglichst den eigenen Stift benutzen. Bei Gruppenarbeiten – die natürlich auch auf Abstand stattfinden – nutzen die Teilnehmenden Marker. Wenn sie damit fertig sind, legen sie die Stift in ein Desinfektionstuch. „Es wird alles desinfiziert, was von Hand zu Hand geht“, betont Dierks. In den Kursen wird sehr auf Hygiene geachtet, „damit alle gesund bleiben und mit einem guten Gefühl aus dem Kurs gehen“. Das wirkt sich auch auf die Pausenregelung aus: Mindestens zwei Pausen mehr als üblich plant Dierks ein, in denen gelüftet wird.
Kein Körperkontakt
Bei den praktischen Übungen ist derzeit jeglicher Körperkontakt verboten. Die stabile Seitenlage bei einem anderen Teilnehmer ausprobieren? Ist nicht erlaubt. Allerdings gab es bei den Johannitern schon vorher Bilder und Videos, mit denen Verfahren wie die stabile Seitenlage vermittelt wurde. „Das ist jetzt perfekt“, hat Dierks festgestellt. Statt jemand anderes, legen sich die Teilnehmenden nun selbst in die stabile Seitenlage. Damit die Teilnehmenden diese verinnerlichen, gibt sie ihnen in den Kursen eine kleine Eselsbrücke mit auf den Weg (siehe Info-Kasten).
Auch die Ausbilderinnen und Ausbilder beim DRK mussten bei den Übungen zur stabilen Seitenlage umdisponieren. Sie machen die Seitenlage vor, dann sind die Teilnehmenden dran und die Ausbildenden kontrollieren diese.
Normalerweise gehört zu diesem Abschnitt auch das Üben der Atemkontrolle. Dies ist natürlich bei sich selbst nicht möglich und in Covid-19-Zeiten bei anderen Menschen – außer im Notfall – keine gute Idee. Diese wird stattdessen bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung mit geübt.
Bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung fällt die Beatmung in den Kursen der Johanniter derzeit weg. Die Teilnehmenden reanimieren mit Handschuhen und die Puppe wird nach jeder Übung desinfiziert.
Mehr Übungspuppen
Beim DRK Ammerland wurde die Anzahl der Übungspuppen pro Kurs aufgestockt. So können die Teilnehmenden gleichzeitig üben. Die Puppen werden dann im Anschluss statt während des Kurses desinfiziert.
In den Kursen bei den Johannitern und beim DRK haben die Teilnehmenden die Verbände vor der Pandemie an den anderen ausprobiert, meist am Arm. Stattdessen legen sie sich nun selbst Druckverbände, zum Beispiel am Bein an, so Nett.
Dass Übungen jetzt nicht mehr an anderen erlaubt sind, kann jedoch sogar Vorteile mit sich bringen: „Selbstversorgung zu lernen ist nicht schlecht“, sagt Dierks. Wer sich für einen Erste-Hilfe-Kurs anmelden möchte, kann dies bei den Johannitern unter
