Ammerland - Nach dem Verbot von Großveranstaltungen bis Ende 2020 werden Weihnachtsmärkte in diesem Jahr nach Einschätzung des niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes immer unwahrscheinlicher. „Der Infektionsschutz und die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger gehen vor“, sagte Verbandssprecher Thorsten Bullerdiek der Deutschen Presse-Agentur. „Natürlich sind wir traurig, wenn Weihnachtsmärkte nicht stattfinden könnten.“ Man werde nun nach alternativen Konzepten suchen müssen, die auch wirtschaftlich seien.
Ob Weihnachtsmärkte trotz der Corona-Pandemie veranstaltet werden können, war in den vergangenen Wochen nach Angaben des Sprechers bereits mehrmals Thema unter den Kommunen.
Und wie sehen das die Veranstalter der Weihnachtsmärkte im Ammerland? Halten sie noch an den Terminen fest oder sagen sie die stimmungsvollen Märkte ab? Fest steht bereits, dass die Bürgermeister im Landkreis eine einheitliche Regelung anstreben, wie Rastedes Gemeindesprecher Ralf Kobbe mitteilte. Alleingänge sollten vermieden werden, damit dann nicht ein Ort plötzlich einen Riesenansturm erlebt.
Westerstede
So ganz aufgeben will die Stadt Westerstede den „Glühweintreff unterm Baum“ noch nicht: „Wir schwanken zwischen: Alles absagen und dem Wunsch der Bürger nach Tradition gepaart mit einer Portion Optimismus“, sagt Hilke Hinrichs von der Stadt Westerstede.
Die endgültige Entscheidung behält man sich vor – immer in Absprache mit dem Landkreis und mit Blick auf das aktuelle Infektionsgeschehen. Gleiches gelte auch für den Herbstmarkt – auch da sei man noch in Verhandlung und versuche mit den Schaustellern ein entsprechendes Konzept zu entwickeln. „Absagen können wir noch immer, aber wir wollen uns zunächst noch ein paar Gedanken mehr machen“, so Hinrichs. Schließlich seien auch die Aussteller auf die Einnahmen angewiesen.
Anders sieht es hingegen für den Klövermarkt in Halsbek aus: „Der Klövermarkt lebt von der Nähe – ein Weihnachtsmarkt auf Abstand ist undenkbar“, sagt Walter Logemann vom Ortsbürgerverein. Deshalb habe man sich für 2020 gegen die Veranstaltung entschieden.
Ähnlich sieht es Hermann Nee für „Weihnachten im Stall“ im Jaspershof, der jedes Jahr Tausende von Menschen aus der Region nach Westerstede lockt. „Das können wir einfach nicht verantworten“, bringt es der Vorsitzendes des Ortsbürgervereins Westerstede auf den Punkt.
Apen
In Apen ist die endgültige Entscheidung darüber, ob der Weihnachtsmarkt am letzten Novemberwochenende stattfindet, noch nicht gefallen. „Wir werden uns in unserer Vorstandssitzung am nächsten Donnerstag damit beschäftigen“, sagt Frank Zahn, Vorsitzender des Ortsbürgervereins (OBV) Apen. Mit der lutherischen Kirchengemeinde richtet der Verein das Fest aus.
„Wir freuen uns riesig darüber, dass unser kleiner Markt stets eine so gute Resonanz hat – in Corona-Zeiten könnte uns das jedoch zum Verhängnis werden“, sagt Zahn, der nach den verschärften Corona-Regeln der Bundesregierung dazu tendiert, den Weihnachtsmarkt abzusagen. „Wie soll man als kleiner Verein gewährleisten, dass bei den beengten Gegebenheiten zwischen St. Nikolai-Kirche und lutherischen Gemeindehaus der Mindestabstand von 1,50 Metern immer eingehalten wird und alle einen Mundschutz tragen?“ fragt sich der OBV-Chef. Das Risiko, das sich jemand infiziere, sei bei Menschenansammlungen leicht gegeben, dieses Risiko wolle er nicht eingehen.
Wie Zahn ferner ausführte, könne man zwar ein Security-Team engagieren, um Corona-Auflagen durchzusetzen, das würde jedoch die Marktatmosphäre zerstören und zudem teuer sein.
Trotz Corona werde man jedoch in der Adventszeit auf alle Fälle etwas für Kinder anbieten. In welcher Form und was das sein werde, sei noch zu besprechen.
Bad Zwischenahn
In der Gemeinde Bad Zwischenahn findet mit dem „Markt im Advent“ üblicherweise der längste und bekannteste Weihnachtsmarkt des Ammerlands über die gesamte Adventszeit statt. Der Arbeitskreis der Organisatoren des Marktes habe sich bereits vor Wochen getroffen, um eine Regelung zu finden, mit der der Markt unter Corona-Bedingungen stattfinden könne, sagt Wilfried Fischer, Fachbereichsleiter Bürgerservice bei der Gemeinde.
„Wir hatten geplant, den Markt ohne die Hütte neben der Eisbahn aufzubauen – als reine Outdoor-Veranstaltung.“ Auch auf die Bühne und damit auf ein Kultur-Programm wollten die Organisatoren verzichten, ebenso wie auf die Veranstaltungen im Haus Brandstätter neben dem Marktplatz. Ganz vom Markt im Advent verabschieden will Fischer sich noch nicht. „Das wäre die letzte größere Veranstaltung in der Gemeinde, die in diesem Jahr noch übrig ist“, sagt er.
Zunächst müsse jetzt abgewartet werden, wie das Land Niedersachsen das Verbot von Großerveranstaltungen bis zum Jahresende genau umsetze. Einen umzäunten Weihnachtsmarkt in Bad Zwischenahn mit Einlasskontrollen und begrenzter Personenzahl findet Fischer allerdings schwer vorstellbar.
Wiefelstede
Der größte Weihnachtsmarkt in Wiefelstede fällt in diesem Jahr aus. „Wir verzichten“, sagt Wolfgang Wittig, Sprecher des ausrichtenden Vereins „Handel und Handwerk Wiefelstede“ (HHW). Man verzichte deshalb, weil ein Weihnachtsmarkt auch von der Nähe lebe. Und ein Adventstrubel auf Abstand ist für Wittig nicht vorstellbar.
Man lässt den Markt auch deshalb ausfallen, weil man auf der Suche nach einem neuen Standort sei. Aber: „Wir werden schauen, ob wir eine Alternativveranstaltung bieten“, so Wittig. Die 75 Lichterpyramiden des HHW würden aber auf alle Fälle aufgestellt.
Ob es gleich nebenan in Bokel einen Weihnachtsmarkt geben wird, steht noch nicht fest. „Wir haben zwar zusammengesessen, aber es ist noch keine Entscheidung gefallen“, sagt Enno Kruse, Vorstandsmitglied im Bokel Ortsbürgerverein (OBV).
In Metjendorf gehe die Tendenz zu einer Absage, war aus dem OBV zu hören. Eine definitive Entscheidung sei noch nicht gefallen. Ebenso beim OBV Wiefelstede. Dort setzt man sich Montag zusammen, so der zweite Vorsitzende Heiko Tietjen.
Auch bei der Gemeinde selbst habe man noch nicht entschieden, wie man verfährt. „Das ist noch zu früh zu sagen“, so Tobias Habben, Stellvertreter im Amt des Bürgermeisters. Ob man einen Markt genehmigt oder nicht, könne nur im Abstimmung mit dem Landkreis erfolgen.
Rastede
In Rastede gibt es zum einen das beliebte Weihnachtsdorf als großen Markt – für das laufen die Vorbereitungen vorerst weiter, wie Benita Focke von der Rasteder Touristik mitteilte. „Wir planen wie im vergangenen Jahr, allerdings mit mehr Abstand zwischen den Buden.“ Unklar ist noch, ob auch ein Bühnenprogramm angeboten werden soll.
Darüber hinaus gibt es auch noch kleinere Märkte an den Adventswochenenden – wie z.B. in Hahn-Lehmden, Nethen, Delfshausen, Loy oder Wahnbek. Sie werden von Ortsgemeinschaften organisiert. Nach Meinung der Gemeinde spricht derzeit nichts gegen solche Märkte, wenn Auflagen in Sachen Abstand, Hygiene oder maximaler Besucherzahl eingehalten werden. „Das Problem ist aber die Planung“, sagt Gemeindesprecher Ralf Kobbe. „Niemand weiß heute, wie die Situation im Dezember aussieht.“ Und gerade eine kurzfristige Änderung von Vorgaben kann für ehrenamtliche Organisatoren kritisch werden.
Edewecht
Wenig Hoffnung scheint es in diesem Jahr auf den Weihnachtsmarkt in Edewecht zu geben. Der wird in vom Team des Veranstaltungsforums auf die Beine gestellt. „Ich glaube, aufgrund der neuen Vorgaben, dass bis Ende Dezember keine Großveranstaltungen stattfinden können, wird es bei uns sehr, sehr schwierig werden“, sagt Kira Rink vom Veranstaltungsforum. „Ich gehe eher nicht davon aus, dass das stattfinden kann.“ „Unser Weihnachtsmarkt lebt davon, dass alles eng und gemütlich ist“, so Rink – also genau von dem, was es in diesem Jahr auf keinen Fall geben darf. „Einen Weihnachtsmarkt auf Abstand kann ich mir nicht wirklich vorstellen“, sagt auch Kerstin Borm von der Gemeinde.
Eine endgültige Entscheidung für oder gegen den Weihnachtsmarkt in Edewecht gibt es aber noch nicht. Ende September will das Veranstaltungsforum bei seiner Jahreshauptversammlung über den Weihnachtsmarkt sprechen.
