Ammerland/Westerstede/Bad Zwischenahn - Welchen Beitrag kann und muss die Landwirtschaft leisten, um den Eintrag von Phosphor ins Zwischenahner Meer und damit das Wachstum der als Blaualgen bekannten Cyanobakterien zu vermindern? Und wie können Landwirte auf ihren Böden trotzdem weiter so arbeiten, dass die Betriebe die Familien ernähren können?
Große Runde
Um diese Fragen zu diskutieren, hat der CDU-Landtagsabgeordnete und Landrats-Kandidat Jens Nacke jetzt Dr. Ludwig Theuvsen, Staatssekretär im Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ins Ammerland eingeladen. In den Räumen des Ammerländer Landvolks wurde zunächst diskutiert. Neben Landvolk-Vertretern waren auch Fischereivereine und die Ammerländer Wasseracht, Vertreter der Baumschulen und der Zwischenahner CDU-Bürgermeisterkandidat Christian Wandscher zur Gesprächsrunde gekommen.
An die Otterbäke
Zum Ortstermin ging es an die Otterbäke, die nach aktuellen Daten rund drei von insgesamt 8,8 Tonnen Phosphor jährlich ins Meer spült. An dem Wasserlauf liegen auch die Flächen des Betriebs von Frank und Ralf Borgmann in Garnholt. Die Landwirte, die eine Putenmast und eine Biogasanlage betreiben, sehen sich durch aktuelle Maßnahmen massiv beeinträchtigt. Große Teile ihrer Flächen liegen sowohl in den Gebietskulissen der Nitrat-, als auch der Phosphat-sensiblen Bereiche. Die Folge: Die Landwirte dürfen seit Januar nur noch deutlich reduziert düngen. „Wir sind schon sehr kreativ, aber ohne deutliche Ertragseinbußen können wir nicht unter dem Bedarf düngen“, sagt Ralf Borgmann. „Wir wollen nicht nur Teil des Problems, sondern auch Teil der Lösung sein“, ergänzt Landvolk-Vorsitzender Felix Müller. „Aber wir wollen nicht in Haftung genommen werden, wo wir nicht verantwortlich sind.“
Ursachen ermitteln
Theuvsen unterstützt das: „Wir müssen Einschränkungen da umsetzen, wo sie nötig sind. Auf nicht überdüngten Flächen brauchen wir keine Einschränkungen.“ Sein Ministerium sei in mehrfacher Hinsicht zuständig: Der Schutz des Wassers sei als wichtigstes Lebensmittel natürlich Thema für den Verbraucherschutz, auch bei der Flächenverwaltung sei das Ministerium zuständig, da das Zwischenahner Meer Eigentum des Landes ist. „In erster Linie sind wir aber Landwirtschaftsministerium und als solches sind für uns die Landwirte nicht das Problem, sondern immer Teil der Lösung.“ Deswegen sei es sein Ansatz – gemeinsam mit dem Umweltministerium künftig noch präziser diagnostisch tätig zu werden um die Ursachen für Nährstoffüberschüsse zu ermitteln. „Dafür war dieser Termin sehr wichtig.“
A20 als Chance
Mit Blick auf weitere Maßnahmen zur Sanierung des Zwischenahner Meeres, sagte Jens Nacke, alle Beteiligten im Landkreis müssten jetzt gemeinsam definieren, welche Maßnahmen vom Land gefordert werden sollten. „Die Maßnahmen liegen auf dem Tisch, aber sie kosten richtig Geld. Und es muss sich jemand darum kümmern, dass das herkommt. Das können wir machen, aber dann werden wir gefragt werden, was genau wir wollen.“ In diesem Zusammenhang biete der Bau der Autobahn 20 eine Chance. Sie wird auch über das Land von Ralf und Frank Borgmann führen und dort die Otterbäke kreuzen.
Die im Zusammenhang mit dem Bau anfallenden Ausgleichmaßnahmen und -zahlungen könnten unter Umständen auch verwendet werden, um Verbesserungen für das Zwischenahner Meer zu erreichen, sagte Nacke.
