Apen - „Ein Familienangehöriger war jetzt für kurze Zeit in einer Kur. Seitdem wurde mir das Pflegegeld für ihn gekürzt.“ Eine Frau schildert Eberhart Hoffmann ihren Fall, weil sie nicht weiter weiß. Für den Seniorenbeauftragten der Gemeinde Apen ein passender Stichpunkt: „Wir können uns nachher mal darüber unterhalten – und dann werde ich sehen, was gemacht werden kann“, antwortet er.
Seit fünf Jahren bietet Hoffmann im Pflegezentrum „Azurit“ in Augustfehn einen Gesprächskreis für Menschen an, die ihre Verwandten zu Hause pflegen. „Für mich ist es wichtig, dass die pflegenden Angehörigen auch mal die Möglichkeit haben, von zu Hause rauszukommen.“
Gegen die Einsamkeit
Drei neue Gesichter sind dieses Mal dabei, die sich erst einmal etwas verhaltener anschauen, was hier passiert. Hoffmann klärt sie gleich auf. „Es ist wichtig, seine Familienangehörigen so lange wie möglich zu Hause behalten zu können. Und es werden Informationen benötigt, ob über die Krankenkasse, oder die Rentenbescheide“, sagt Hoffmann, der die entsprechenden Fragen beantworten kann.
Schlimm sei es, sich allein gelassen zu fühlen. Gerade in den Corona-Zeiten tauche dieses Gefühl besonders stark auf. „Mit meinem Angebot schaffe ich einen Freiraum, der jetzt auch wieder genutzt werden kann. Was die Pflegenden lernen müssen und ich ihnen vermitteln will, ist, auch mal loszulassen. Auch wenn es schwerfällt, den Mann oder die Frau oder einen sonstigen nahestehenden Menschen zum Beispiel in die Tagespflege zu geben: Er kommt am Abend wieder.“
Was Hoffmanns Meinung nach komplett fehlt, ist eine Nachtpflege. Dafür werde seit einiger Zeit etwas anderes angeboten. „Wir haben hier in Apen und Augustfehn einen Handwerkerdienst ins Leben gerufen. Wenn kleinere Sachen im Haus erledigt werden müssen, weil jemand nicht mehr auf die Leiter steigen kann, und sei es, eine Birne auszuwechseln, kann er mich anrufen. Ich vermittle ihm Hilfe.“ Dieser Dienst kümmert sich gegen ein kleines Entgelt auch um Gärten.
Menschen zu gutmütig
Renate Finke ist an diesem Abend in einer Doppelfunktion anwesend. Die 81-Jährige pflegt zu Hause einen Angehörigen und kennt sich beruflich mit Rentenversicherungen aus. Die Berlinerin kritisiert, dass hier die Leute gegenüber den Behörden viel zu gutmütig sind. „Ich bin als Versichertenälteste jetzt auch hier, um den Leuten zu helfen, dass sie zu ihrem Recht kommen, auch die, die zu Hause pflegen.“
Leider werde in dieser Gemeinde das Schwerbehindertengesetz nicht immer so beachtet, wie es sein sollte: „Dieser Kreis hilft dabei, den Menschen zu ihrem Recht zu verhelfen.“ Der Gesprächskreis für pflegende Angehörige trifft sich jeden zweiten Dienstag im Monat ab 19 Uhr im „Azurit“-Pflegezentrum in Augustfehn. Interessierte sind willkommen.
