Apen - Christin Stalling sitzt in ihrer Küche, hat eine Tasse Ingwertee neben sich platziert. Oben in dem kleinen Haus in Apen im Ammerland spielen ihre beiden Kinder Emma und Lennard. Ab und zu werden die beiden lauter. „Zum Glück ist es hier auf dem Land schön ruhig“, sagt die 28-Jährige im Telefongespräch.
„Diese Show am Samstagabend war verrückt“, sagt Christin Stalling. Was sie meint: Vor genau sechs Wochen hat die alleinerziehende Mutter als amtierende Miss Niedersachsen an der Wahl zur Miss Germany teilgenommen. „Meine Familie war damals so aufgeregt und dankbar, dass jemand von uns dabei sein konnte“, sagt sie. „Für mich ging es am Tag danach zurück und am Montag direkt wieder zur Arbeit“, sagt die Immobilienkauffrau. „Es war ein totales Kontrastprogramm – gedanklich war ich natürlich noch bei den Ereignissen der vergangenen Wochen.“
Veränderungen
Doch von jetzt auf gleich hieß es: Umdenken. „Es war alles genau wie vorher, der Alltag war direkt wieder da“, sagt Christin Stalling. „Ich war natürlich auch froh, wieder daheim zu sein.“ Trotzdem: „Es war schon seltsam. Ich habe so viel erlebt und mitgemacht, mich positiv verändert – aber alle anderen sind eben gleichgeblieben.“
Von ihrer Schwester, Freundinnen oder Arbeitskolleginnen höre sie immer wieder, dass sie sich positiv verändert habe. „Ich bin mehr ich geworden“, sagt Christin Stalling und lacht. „Ich stecke nicht mehr so viel zurück, bin gestärkter und sage, was ich will – das macht vieles leichter.“
Bereits während der Zeit im Vorbereitungscamp zum Finale hatte sich die passionierte Reiterin Gedanken gemacht, was sie alles ändern möchte. „Als ich dann wieder zu Hause war, war das gar nicht so einfach, die Ideen alle in den Alltag zu integrieren – erst recht nicht alle auf einmal“, sagt Christin Stalling.
Mehr Zeit für die Familie
„Mir ist klar geworden, dass ich mehr Zeit für mich und meine Kinder brauche, und dass ich möglichst näher an meinem Wohnort arbeiten möchte, um die wöchentlich zehn Stunden Fahrt im Auto zu vermeiden – aber es ist gar nicht so einfach, das umzusetzen.“ Auch beim Modeln und auf der sozialen Plattform Instagram möchte sie am Ball bleiben. „Wir haben da so viel Wissen mit auf den Weg bekommen.“
Christin Stalling hat kleine Listen geschrieben mit Dingen, die sie tun möchte. „Natürlich habe ich noch immer keine Modelmaße und bleibe zu klein“, sagt sie. Aber sie arbeite an ihrer eigenen Homepage und einer Sed-Card, um vielleicht in der Region Fuß zu fassen und Partner zu finden. „Ich möchte das selbst machen und nicht warten, dass etwas passiert.“
Im Hintergrund wird es lauter. Lennard ruft nach seiner Mutter. „Ich bin gleich bei dir“, vertröstet sie ihn.
Knapp 3300 Follower
Fast täglich gewährt die Aperin ihren knapp 3300 Followern Einblicke in ihr Leben. Immer mit dabei: Ihre beiden Kinder, die sie aktuell rund um die Uhr bei sich hat. „Das Gewusel der Kinder hat sich gleich wieder komplett normal angefühlt“, sagt sie. „Das Komische war eher, dass ich die Mädels nicht mehr um mich habe. Drei Wochen lang haben wir ja alles zusammen gemacht. Gerade abends, wenn die Kleinen im Bett sind und ich auf dem Sofa sitze, merke ich, dass ich wieder allein bin.“
Wie so viele andere ist auch Christin Stalling von dem Coronavirus betroffen. „Es bremst alle irgendwie aus und beeinflusst unser aller Leben“, sagt sie. Wieder ist ihr sechsjähriger Sohn zu hören. „Langsam fehlt den beiden der Kindergarten“, sagt Christin Stalling und seufzt. Gleich geht es für alle an die frische Luft.
