Nordloh - Seit mehr als 20 Jahren befand sich am Deichweg, Ecke Naturweg, in Nordloh ein Erdhügel, der an eine Plaggenhütte erinnern sollte. Diese boten im 19. Jahrhundert Menschen, die im Moor lebten, Wohnraum. Im Sommer vergangenen Jahres hatte sich der Ortsbürgerverein (OBV) Nordloh zusammen mit der Gemeinde Apen und dem Bauhof an die Arbeit gemacht, hier eine Plaggenhütte nach altem Vorbild wieder zu errichten. Jetzt wurde die Hütte mit einer neuen historischen Infotafel feierlich eingeweiht.
Historisches Vorbild
Die Plaggenhütte der „Oma Puls“, so der Name der neuen Hütte, hat dabei, wie es auch der direkt danebenstehenden Infotafel zu entnehmen ist, einen historischen Bezug. Nicht weit von dieser Stelle lebte die 1828 geborene Johanna Puls mit ihren Kindern in einer solchen Unterkunft. Diese kleinsten Häuser bewohnten nicht nur Moorbewohner, sondern auch Menschen, die am äußersten Rand der Gesellschaft lebten. Zu ihnen gehörte Oma Puls, weil sie zwei uneheliche Kinder hatte und damit geächtet war. Die Armenbehausung wurde damals aus Torfsoden gebaut und war äußerst primitiv. All diese Eindrücke können Radfahrer und Wanderer jetzt sammeln, die auf der Fehnroute der Gemeinde Apen die vielen unterschiedlichen Haltepunkte (insgesamt sind es jetzt 13 Stopps, die über die Geschichte von Apen informieren) anfahren oder anlaufen.
„Wir waren im letzten Jahr relativ schnell fertig“, erzählte Projektleiterin Jantje Berger, stellvertretende Vorsitzende des OBV Nordloh. Am eigentlichen Arbeitstag, den 22. Juni letzten Jahres, waren mehr als 15 Helfer im Einsatz, um den Bau des Hauses abschließen zu können. Mit der Aufstellung der Infotafel letzten Monat wurde das Projekt beendet, das schließlich gut 6000 Euro kostete. Die Oldenburgische Landschaft beteiligte sich mit 1000 Euro daran, die Stiftung Kunst und Kultur der Landessparkasse zu Oldenburg (LzO) mit 4500 Euro. Deren Geschäftsführer Olaf Meenen ließ es sich nicht nehmen, das Kulturgut vor Ort in Augenschein zu nehmen.
Erlebbare Geschichte
Für Bürgermeister Matthias Huber wird mit diesem Standort regionale Geschichte greifbar und Heimatkunde vermittelt. „Die Besucher können die Sachen anschauen und anfassen. Ich denke, dass hier viele Leute eine Rast einlegen werden, um sich den Lebensraum von Oma Puls anzuschauen. Die Geschichten dazu, die auf der Infotafel nachgelesen werden können, dürften die Menschen noch neugieriger machen und hat dadurch einen touristischen Mehrwert.“
Der Oldenburger Künstler Jörg Ridderbusch, der an diesem Ort die Stele „Baum der Vergänglichkeit“ schuf, hat eine Torfkarre entworfen, getreu dem Original des Gerätes, das Oma Puls für ihren Einkauf verwendete und die direkt vor dem Haus steht.
„Mit dem, was wir hier geschaffen haben, sind wir sehr zufrieden“, hob der Vorsitzende des OBV Nordloh, Manfred Schedemann, hervor. Gut 30 Gäste ließen es sich nicht nehmen, gemeinsam die Einweihung dieses neuen Anfahrpunktes in Nordloh zu feiern.
