Apen - Die Gerüchteküche brodelt, das Pflegeteam Taraxacum gibt auf, heißt es. „Wir werden zum 28. Februar schließen. Danach wird es Taraxacum in Apen nicht mehr geben“, bestätigt auf Anfrage Inhaberin Gaby Bähre, die mit ihrem Mann Andreas und ihrer Tochter Janina Janßen das Unternehmen führt. „Wir haben leider keine andere Wahl und möchten uns eines Tages nicht in der Situation befinden, dass wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht mehr die Löhne zahlen können. Deshalb müssen wir – so sehr wir das selbst bedauern – unseren Pflegedienst schließen.“
Zwei Gründe
Es seien vor allem zwei Gründe, die ausschlaggebend für ihre Entscheidung seien, so Gaby Bähre. „Wir finden in der häuslichen Pflege einfach keine qualifizierten Fachkräfte mehr, der Markt ist leer gefegt, aber Fachkräfte wie Krankenschwestern oder Pfleger benötigen wir, um die gesetzlich vorgeschriebene Mindeststundenzahl zu erreichen“, so Gaby Bähre. Erfülle man diese Mindestanforderungen nicht, verliere man die Zulassung.
Obendrein seien in allen Bereichen die Kosten stark gestiegen. So müsse man nicht nur höhere (tarifgebundene) Löhne zahlen, angesichts hoher Benzinkosten rechneten sich trotz vieler Patientinnen und Patienten lange Wege nicht. Pkw-Verschleiß, Kfz-Versicherung und Reparaturen seien da noch nicht eingerechnet. Patientinnen und Patienten müssten natürlich dennoch versorgt werden. Obendrein stiegen überall die Kosten, nicht nur für Strom und Gas.
Vervielfacht hätten sich beispielsweise Ausgaben für Materialien wie z.B. Handschuhe und Desinfektionsmittel. Die Pauschalen der Krankenkassen für ambulante Dienste seien zwar angehoben worden, aber immer noch nicht kostendeckend.
Niedrige Pflegegelder
Man habe den Eindruck, dass die Politik keine privaten Pflegedienste mehr wolle und inzwischen stationäre Pflege vor ambulanter gehe. Vergessen habe die Politik auch, die Pflegegelder anzuheben, so Gaby Bähre. Vergangenes Jahr seien ambulante Pflegedienste und Patientinnen und Patienten noch mit den Geldern klar gekommen, wenn dreimal am Tage eine Versorgung durch den Pflegedienst erfolge. Nun kosteten dieselben Leistungen bei höheren Ausgaben für die Pflegedienste 300 bis 500 Euro mehr und manche Seniorin oder Senior wechsele dann nach dem Verkauf des eigenen Hauses in eine Einrichtung.
45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (größtenteils Teilzeitkräfte) gehören zum Pflegeteam Taraxacum, das rund 450 Patientinnen und Patienten im Ammerland, in Ostfriesland, im nördlichen Emsland sowie in der Friesischen Wehde betreut. „Wir engagieren uns sehr dafür, dass sowohl unsere Mitarbeiter neue Jobs bekommen, aber auch unsere Patientinnen und Patienten weiterhin gut versorgt werden und sich mit anderen Unternehmen in Gesprächen“, so Gaby Bähre.
Umzug geplant
Das Ehepaar Bähre wird nach der Schließung von Taraxacum das Ammerland verlassen und nach Schleswig-Holstein ziehen, in die Nähe von Töchtern und Enkeln. In der neuen Heimat werde man sich dann auch beruflich neu orientieren. Das gilt auch für Tochter Janina Janßen, die jedoch weiterhin in Friesland leben wird.
Am 1. August 2015 war das Unternehmen an der Hauptstraße 181 in Apen eröffnet worden. Angeboten wurden nicht nur ambulante Pflege und Haushaltshilfe wie Putzen, Kochen, Waschen und Botengänge in den unterschiedlichen Lebenssituationen (Alter, Begleitung von Kindern ins Krankenhaus, Absolvieren von Kur oder Reha-Maßnahmen), sondern auch Alltagsbegleitung und haushaltsnahe Dienstleistungen zur Entlastung und Betreuung von Pflegebedürftigen.
