Augustfehn/Apen - Eines ist für Karl-Hermann Reil (CDU), Vorsitzender des Bau- und Planungsausschusses in der Gemeinde Apen, vollkommen klar: „Wenn nur ein Bruchteil davon was wird, ist das schon was.“ Gemeint ist eine App, die die touristische Unterhaltung im Ort auf ein ganz neues Level heben soll.
Bremen bis Groningen
Doch der Reihe nach: Wie berichtet, gehört Apen zur Wunderline-Combo, einem Zusammenschluss von Kommunen, die die Schienenverbindung zwischen Bremen und Groningen mit dem Namen „Wunderline“ erneuern wollen. Ein millionenschweres Großprojekt, das nicht nur mit Baumaßnahmen am Bahnhof Augustfehn und finanzieller Beteiligung einhergeht, sondern auch Pendlern aus dem Ort dienen sowie Touristen anlocken soll.
Die Aufwertung der Strecke zwischen Groningen und Bremen soll für eine komfortable, schnelle und internationale Zugverbindung sorgen und die Regionen dichter zusammenbringen. Für die Beteiligungen gilt sie als wichtiger Faktor für Zusammenarbeit, (Wirtschafts-)Wachstum und den Austausch über die Grenze hinaus.
Um das Marketing weiter anzukurbeln, ist nun geplant, eine App entwickeln zu lassen, die Touristen Lust auf Besuche macht. Dabei wollen sich die Marketingfachleute der Technik Augmented Reality bedienen, wie Bettina Fabich vom Wunderline-Projektteam in der Ausschusssitzung erläuterte. Bedeutet: Über die App könnte eine Auswahl an Stadtführungen angeboten werden, bei denen eine Mischung aus Realität und Vergangenheit aufs Display projiziert wird. Virtuelle Figuren werden dabei in echte Umgebungen eingebunden.
Historische Animation
Und so könnte es funktionieren: Die App wird geöffnet, die Kamera spiegelt das Bahnhofsgebäude Augustfehn wider und durch die Programmierung wird das reale Bild um historische Animationen ergänzt. Auf diese Art könnten Touristen oder Schulklassen beim Ausflug beispielsweise auch in eine Schar Arbeiter katapultiert werden, die im Jahre 1880 in der Eisenhütte schufteten – Geschichte wird lebendig, zum Greifen nah.
Entwicklung
Für eine Gemeinde wie Apen könnte die Entwicklung eines solchen App-Angebots ein teurer Spaß werden – im Verbund des Wunderline-Teams hingegen ist es ein Schnäppchen. Von den kalkulierten 71 800 Euro muss Apen lediglich einen Anteil in Höhe von 2300 Euro zahlen. Im Herbst soll der Prototyp der App fertig sein, im Frühjahr 2021 soll sie funktionieren.
Groß diskutieren mussten die Politiker über den Vorschlag nicht: Sie waren begeistert und votierten einstimmig dafür, sogar 2500 Euro bereit zu stellen, wobei die zusätzlichen 200 Euro eine Art Puffer für eventuell höhere Beteiligungskosten sind.
Ganz neu ist die Idee einer solchen Stadtführungs-App übrigens nicht. Seit dem 30. Jahrestag des Mauerfalls gibt es die Augmented-Reality-App „MauAR“, mit der Besitzer eines Smartphones oder Tablet-Computers die Berliner Mauer virtuell an ihrem historisch korrekten Ort erkunden können. In der App treten auch zwei fiktionale Charaktere auf, ein Junge aus Ost-Berlin und ein Mädchen aus dem Westen der Stadt, die über den Mauerbau und ihre Folgen aus der jeweiligen Perspektive berichten. Und bei Besuchen in Karlsruhe kann eine Augmented-History-App heruntergeladen werden, bei der ein Stadtgeist durch die Gegend führt.
