Bad Zwischenahn/Hamburg - Autogrammkarten, die auch für einen Bravo-Starschnitt getaugt hätten, Plattenvertrag, Deutschlandtour – vor 25 Jahren stand die Zwischenahner Band Floyd George an der Schwelle zum Ruhm. Die Single „Kiss you like a Dandy“ lief im Radio, für die Songs „Fortune“ und „Run“ wurden Videos produziert.
Vergleiche mit Take That und Oasis
„Traumsongs fürs Teenage-Radio“ war die Überschrift in „Inside“ dem Jugendmagazin der NWZ, als 1995 die CD „Teenage Radio“ erschien. Sogar als deutsche Antwort auf Take That wurden die fünf Zwischenahner Markus Oltmanns (Drums), Marco Dragojlovic (Gitarre), Ulrich Budde (Bass), Udo Springer (Gesang, Gitarre) und Ralf Springer (Keyboards) damals gehandelt – obwohl ihre Musik gänzlich anders klang. Auch mit Oasis oder den Cranberries wurden die Band verglichen.
„Für uns waren eher The Jeremy days oder Fury in the Slaughterhouse Vorbilder“, sagt Marco Dragojlovic. Als diese beiden Bands sich wiedervereinigten und Tourneen ankündigten, reifte in dem ehemaligen Floyd-George-Gitarristen, der heute als Englischlehrer in Hamburg lebt, der Entschluss, ebenfalls an alte Zeiten anzuknüpfen.
„Kiss you like a Dandy“ neu aufgenommen
Nachdem nach der Tournee 1996 der erhoffte große Durchbruch ausgeblieben war, hatten sich die Wege der Bandmitglieder 1997 getrennt. „Wir hatten uns ein Jahr für den großen Erfolg gegeben, hatten aber alle auch andere Pläne und Ideen, wie wir weiter machen könnten“, erinnert sich Dragojlovic. „Einige gingen in die Kreativ-Branche, einer ist heute Intensivpfleger – es wurden ganz unterschiedliche Lebensläufe.“ Ganz abgebrochen ist der Kontakt aber nie.
Auf Einladung des Gitarristen trafen sich fast alle Ex-Bandkollegen zum Besuch eines Jeremy-Days-Reunion-Konzerts. Und Dragojlovic entwickelte den Plan zusammenzufassen, was die Band vor einem Vierteljahrhundert erreicht hatte. Er sammelte Bilder und Zeitungsausschnitte für eine Band-Doku und richtete eine Webseite ein. Dort gibt es Videos, Musik und eine neue Version von „Kiss you like a Dandy“. „Eigentlich wollte ich den Song mit der Band noch einmal neu aufnehmen“, erzählt Dragojlovic. Doch obwohl der technische Fortschritt den musikalischen Austausch auch über weite Entfernungen erleichtert hat, stellte sich das als zu kompliziert heraus. Also entstand der Song mit Hilfe von Studiomusikern so, wie Dragojlovic sich eine zeitgemäße Version vorgestellt hatte.
Lebendige Erinnerung an „Teenage Radio“
Bei dem Hamburger und seinen einstigen Band-Kollegen, von denen einige immer noch im Ammerland und in Oldenburg leben, sind viele Erinnerungen noch lebendig. „Vor allem an die Aufnahme von ,Teenage Radio’ im Can-Studio in Weilerswist, aber auch an die Tour 1996. Wir waren alle zusammen im Winter in einem Wohnmobil unterwegs, beheizt nur über eine Camping-Gasflasche.“
Wie kam es eigentlich zu dem Namen Floyd George? „Der ist aus dem Namen des früheren englischen Premierministers David Loyd George entstanden. Wir haben einfach ein ,f’ vorne drangehängt. Das gab dann irgendwie eine Mischung aus Pink Floyd und Boy George – beide haben wir damals auch gerne gehört“, erzählt Dragojlovic.
Gestartet war die Band 1989, damals noch mit Stefan Töpfel oder Tammo Teil am Schlagzeug. 1992 war Floyd George beim Wettbewerb „Rock des Cologne“ erfolgreich. Und mit den ersten beiden CDs „The Club Of The Dumb Poets“ und „Youth“ erspielten sich die Musiker in der Folge in der Region ein treues Publikum – etwa im Zwischenahner „Stellwerk“, in Oldenburg im „Negra Bianca“ und im „Cadillac“ oder in Jeddeloh in der Musikkneipe „Fonda Pepe“.
Auf der Suche nach Bandgeschichte
Eine neue Webseite der Band richtet sich auch an diese Fans von früher – und enthält eine Bitte an sie. „Ein Teil von unserer Bandgeschichte fehlt noch“, sagt Dragojlovic. „Wir würden uns freuen, wenn es Nachrichten von Fans geben würde, die damals auf unseren Konzerten waren, oder wenn uns jemand noch Fotos oder Zeitungsberichte zur Verfügung stellen könnte.“
