Bad Zwischenahn - Neoprenanzüge hängen zum Trocknen über Treppengeländern, an dem Bootsschuppen am Ufer des Zwischenahner Meeres sitzen Erwachsene und Jugendliche zusammen und bereiten sich auf die nächste Runde auf dem See vor. In der Jugendherberge Bad Zwischenahn herrscht – trotz der Corona-Pandemie – durchaus Betrieb. „Dank der Familien, die im Moment zu uns kommen“, sagt Herbergsleiter Timo Schulenberg. Die hauseigene Segelschule und das Angebot des Kooperationspartners WSM Funsport mit Windsurfen, Kanutouren oder Stand-Up-Paddeling sorgt dafür, dass die Herberge in Bad Zwischenahn besser durch die Corona-Krise kommt als viele andere Jugendherbergen. „Es gibt einige sehr gute Häuser im Bereich Unterweser-Ems, die immer noch komplett geschlossen sind, vor allem die, die auf Gruppenfahrten spezialisiert sind.“
Segelkurse laufen wieder
Seitdem die Corona-Beschränkungen nach und nach gelockert wurden, hat sich der Belegungsplan der Herberge wieder gefüllt, wie der der Hotels im Ammerland. „Die erste Segelfreizeit und den ersten Grundkurs mussten wir noch ausfallen lassen“, sagt Schulenberg. Inzwischen finden die Kurse wieder statt – mit den üblichen Einschränkungen.
Nicht alle Erleichterungen, die erlaubt sind, setzt die Jugendherberge um – zum Beispiel beim Essen. „Selbstbedienung wäre wieder erlaubt, wir haben uns aber entschieden, das Essen weiter auszugeben“, sagt Schulenberg. In die Segelkurse werden nur 20 statt der sonst üblichen 25 Personen aufgenommen. Schulenberg hat zudem nach wie vor nicht alle Zimmer im Haus vermietet. Um die Sommer- und Herbstferien macht er sich dennoch keine Sorgen. „Wir merken deutlich, wie froh die Menschen sind, das sie zu Hause rauskommen“, sagt der 47-Jährige.
Deutlich problematischer sieht es in der Schulzeit aus. Gruppenreisen, vor allem von Schulklassen, sind fast komplett storniert worden, ebenso wie Tagesausflüge von Schulen, Konfirmandengruppen und Firmen, die zu Sport, Spiel und zum Grillen in die Jugendherberge kommen. Nach den ersten Lockerungen hat Schulenberg die Kurzarbeit im Haus zurückgefahren, wenn die Ferienzeit vorbei ist, wird sie wohl wieder ausgebaut.
Ein Problem nicht nur für die Jugendherberge, sondern auch für den Landesverband Unterweser-Ems, zu dem die Herberge in Bad Zwischenahn gehört.
Rohde verspricht Hilfe
Mit dessen Geschäftsführer Thorsten Richter hat sich der SPD-Bundestagsabgeordnete Dennis Rohde kürzlich getroffen, ebenso wie mit Schulenberg und dem Oldenburger Herbergsleiter Markus Aquistapace.
Weil die Jugendherbergen dem Gemeinnützigkeitsrecht unterliegen, sind die Möglichkeiten der Rücklagenbildung stark minimiert. Rohde hat mit seinen Gesprächspartnern über die aktuelle Situation und Wege aus der Krise gesprochen. „Ohne Jugendherbergen und Schullandheime würden unverzichtbare Partner für Schulen und die Jugendarbeit wegfallen. Deshalb ist für mich klar, dass wir gemeinnützige Einrichtungen wie diese in dieser herausfordernden Zeit unterstützen müssen“, so Rohde. Mit dem Nachtragshaushalt stünden jetzt 100 Millionen Euro für gezielte Zuschüsse zur Verfügung, sagte er. Wir wollen, dass auch in den nächsten Jahren Jugendherbergen junge Menschen bei sich beherbergen können.“
Krise trifft Herbergen
Im Austausch machte Thorsten Richter, Geschäftsführer des Landesverbandes Unterweser-Ems, die Lage der Jugendherbergen nochmals deutlich: „Die Schließung aller Jugendherbergen vom 18. März bis zum 25. Mai hat uns schon hart getroffen. Die Wiedereröffnung einiger Standorte über den Sommer ist bisher durch die coronabedingten Belegungseinschränkungen wirtschaftlich kaum rentabel und jetzt haben noch nahezu alle Schulen ihre Klassenfahrten und viele Jugendgruppen ihre Aufenthalte im 2. Halbjahr storniert. Damit wird uns in 2020 voraussichtlich rund 2/3 unseres Umsatzes fehlen. So oder ähnlich ist die Situation aller 450 Jugendherbergen in Deutschland. Vor diesem Hintergrund benötigen wir dringend die staatliche Unterstützung.“
