Bad Zwischenahn - Eine körperliche Auseinandersetzung suchen sicherlich nur die wenigsten Menschen und die Gefahr, Opfer eines Angriffs zu werden, ist geringer, als es oft angenommen wird. Völlig ausschließen lässt sie sich aber auch nicht, und für manche Personengruppen ist das Risiko durchaus realistisch. Rettungskräfte berichten immer öfter, Angriffen ausgesetzt zu sein, Frauen können sowohl in der Öffentlichkeit wie auch im heimischen Umfeld Opfer von Gewalt werden. Dann hilft es, vorbereitet zu sein – entweder, um die Auseinandersetzung doch noch zu vermeiden, oder um möglichst unverletzt aus der Situation zu kommen.
Erprobte Technik
Hier setzen Felix Walter und Kevin Hinsching mit ihrem Angebot „Selbstverteidigung von Profis“ an. Ihr Versprechen: Sie bieten nicht einfach Kampfsportunterricht, sondern realistische Selbstverteidigungs- und Selbstbehauptungstechniken, die in der Realität erprobt und an ihr ausgerichtet sind. Felix Walter (44) ist im Hauptberuf bei der Polizei und dort Trainer, unter anderem für Abwehr und Zugriffstechniken. Kevin Hinsching (30) hat als Soldat im Auslandseinsatz die Nahkampfausbildung aller Truppen absolviert, wechselte anschließend in eine Beamtenlaufbahn als Feuerwehrmann und Vollzugsbeamter.
Unabhängig voneinander hatten sie eine ähnliche Idee für ein Kursangebot entwickelt, bis sie sich durch einen Zufall kennenlernten, Freundschaft schlossen und ihre gemeinsame Unternehmensidee entwickelten. Einige Tagesseminare haben sie bereits angeboten, ab Oktober startet dazu ein regelmäßiges Kursangebot im Fitnessstudio Explosives in Bad Zwischenahn.
Widrige Umstände
Das Kursangebot ist auf verschiedene Zielgruppen zugeschnitten. Bei Kindern steht das Thema Selbstbehauptung im Mittelpunkt, nicht die Selbstverteidigung: Dazu kommen Angebote speziell für Frauen, gemischte Gruppen „für jedermann“ und Angebote für Mitarbeiter in Polizei, Feuerwehr und in Rettungsorganisationen. Wer wirklich gut vorbereitet sein wolle, wähle die Kombination, meint Trainer Kevin Hinsching, der die Intensivkurse mit Erste-Hilfe-Kursen vergleicht. Danach ist man auch noch kein Arzt.
Ergänzt werden die Intensivkurse durch ein regelmäßiges Trainingsangebot ab Oktober immer freitags abends. Trainiert wird im Fitnessstudio Explosives in Bad Zwischenahn und draußen.
„Kampfsport bedeutet oft Training in bequemer Kleidung mit dem nächsten Gürtel als Ziel“, sagt Walter. Tatsächlich sei in seiner Anfangszeit bei der Polizei der Nahkampf noch im Judo-Anzug trainiert worden und nicht realistisch mit Uniform und der kompletten Ausrüstung des Polizeibeamten. Heute sei das anders. Und genau darum gehe es bei den Kursen, die er und Hinsching anbieten. „Man ist draußen, hat eine dicke Jacke an, einen Rucksack auf oder eine Mütze, die das Gehör beeinträchtigt.“
Immer wieder widrige Umstände in das Training einzubauen, gehört zum Grundkonzept – bis hin zu simulierten Angriffen in einer unübersichtlichen Situation im Freien. Basis des Trainings ist Krav Maga, eine in Israel entwickelte Selbstverteidigungstechnik. „Dazu gehört immer auch Theorie“, sagt Walter. Es geht um Prävention, also um Selbstbehauptung und Gefahrenerkennung. Wann immer möglich, soll der Kampf vermieden werden.
Hemmung überwinden
Das fängt mit der Körperhaltung an. „Geballte Fäuste signalisieren: Wir wollen kämpfen. Deshalb sind bei uns die Hände immer offen“, erklärt Hinsching. Wenn aber Gewalt angewendet werden muss, dann ohne Regeln und mit allen Mitteln. Schläge ins Gesicht, Tritte in die Genitalien – alles ist erlaubt und soll auch im Training ausprobiert werden – natürlich nur an den gut geschützten Trainern. Das aus Teilnehmern herauszuholen sei nicht einfach. „Die meisten Leute sagen erst, sie können das nicht“, so die Erfahrung von Walter, das treffe auf Menschen in Sicherheitsberufen ebenso zu wie auf jeden anderen. „Wir lernen schließlich von klein auf, nicht zuzuschlagen“, so Walter. Letztlich könnten die Kursteilnehmer diese Hemmung aber überwinden.
