Augustfehn - Ein Silberstreif am Horizont: Als Teilerfolg der Aper Bemühungen, dass sich Menschen im Tui-Reisecenter Augustfehn auch weiter über Reisemöglichkeiten informieren und dort Zugfahrkarten kaufen können, hat Apens Bürgermeister Matthias Huber ein Schreiben der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen gewertet. Darin heißt es, dass man „die Entscheidung für den Verzicht auf einen personenbedienten Verkauf in Augustfehn nochmal auf den Prüfstand stellen“ wolle.
Keine Verlängerung
Was war geschehen? Die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen und die Deutsche Bahn hatten vor einigen Wochen angekündigt, dass sie die zum 15. Dezember 2024 auslaufenden Provisionsvereinbarungen mit zwei Ammerländer Service-Agenturen nicht verlängern wollen.
Das hätte zur Folge, dass das Tui-Reisecenter Augustfehn und der Bürgerbusverein Westerstede (für seine Mobilitätszentrale) keine Provisionen mehr für den Bahn-Service wie Fahrkartenberatungen und Fahrkartenverkäufe erhalten. Fahrgäste könnten ihre Tickets dann nur noch im Internet oder am Fahrkartenautomaten kaufen. Verkaufsstellen mit persönlicher Bedienung würde es nur noch an den Standorten Bad Zwischenahn und Leer geben – allerdings nur für den Nahverkehr und nicht für den Fernverkehr.
Politik protestiert
Diese Entscheidung rief sofort die Politik auf den Plan: SPD-Landtagsabgeordneter Björn Meyer sprach von einem großen Rückschritt für die Region und eine Benachteiligung des ländlichen Raums, wenn die Verkaufsstellen mit persönlicher Beratung nicht mehr existierten, zumal nun nach Augustfehn auch der Bahnhof Westerstede-Ocholt barrierefrei hergerichtet werden solle. In einem offenen Brief an die Landesnahverkehrsgesellschaft, die Bahn, das Niedersächsische Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Bauen und Digitalisierung, den Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund sowie die Politik in Kreis, Land und Bund hatte sich Apens Bürgermeister Matthias Huber um Unterstützung für den Erhalt der Augustfehner Verkaufsstelle mit persönlicher Bedienung stark gemacht. Die Gemeinde betrachte es als unzumutbar, Bahn-Kunden beziehungsweise der Versorgung der Region mit einem Einzugsgebiet von 60 000 Menschen den persönlichen Zugfahrkartenverkauf und die persönliche Beratung durch eine Präsenzagentur vorzuenthalten.
Mit großem Aufwand hätten die Landesnahverkehrsgesellschaft, die Bahn und die Gemeinde Apen schließlich den Augustfehner Bahnhof mit neuem ZOB auf dem Dockgelände und einer Nord-Südanbindung durch eine neue Treppen- und Fahrstuhlanlage über die Gleise modernisiert beziehungsweise hergerichtet. Ausgebaut würden auch Buslinien zum Bahnhof Augustfehn. Deshalb dürfe es keine Leistungseinschränkungen geben.
Antwort aus Hannover
In ihrer Antwort auf den Brief aus Apen heißt es von Seiten der Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) aus Hannover, dass man die Entscheidung nochmals prüfen und dafür aktuelle Daten vom Bahnhof Augustfehn zugrunde legen werde. Voraussetzung für eine Verkaufsstelle mit persönlicher Beratung seien täglich mindestens 1000 Ein- und Ausstiege am Bahnhof Augustfehn. Weitere Kriterien seien zum Beispiel, wie weit die Entfernung zur nächsten Verkaufsstelle mit persönlicher Beratung sei und welche Bedeutung Augustfehn für den Tourismus habe.
Deutschland-Ticket
Dass Verkaufsstellen mit persönlicher Beratung reduziert werden sollten, läge auch am Deutschland-Ticket, so die LNVG. Viele Fahrgäste würden dieses einfache Tarifangebot nutzen, deshalb gingen der Beratungsaufwand in den Agenturen und die Zahlen der verkauften Bahntickets seit der Einführung des Deutschland-Tickets zurück.
Auch fehlendes Personal und steigende Lohnkosten der Agentur-Inhaber führten dazu, dass das Interesse an Service-Agenturen mit persönlicher Beratung geringer würde.
In Westerstede zeichnet sich eine andere Lösung ab. Selbst wenn die Provisionsvereinbarungen mit dem Bürgerbusverein für dessen Mobilitätszentrale nicht verlängert würden, werde man auf jeden Fall in der Ammerländer Kreisstadt weiterhin Fahrplan-Beratungen anbieten und auch Bahntickets verkaufen. Das hatte Bürgerbusvorsitzender Jens Rowold im Februar nach Bekanntwerden der Pläne angekündigt und zudem kritisiert, dass das Thema öffentlich geworden sei; er wollte weitere Gespräche abwarten.
