Neuenkruge - Erneut kam es am Jahresende zu mehreren Protest-Aktionen durch Landwirte. Auch vor dem Edeka-Zentrallager in Neuenkruge versammelten sich Bauern aus der Region, nachdem zuvor mehrere Lager des Discounters Aldi in Niedersachsen mit Traktoren blockiert worden waren.
„Dass Edeka in Neuenkruge angefahren wurde, ist spontan geschehen“, sagt Arno Oeltjen. Dem Vorsitzenden des Landvolks Westerloy zufolge ging der Protest nicht in Richtung Edeka; man habe mit dem Konzern einen guten Partner. „Wir wollten Präsenz zeigen, um den Druck in Richtung Politik zu erhöhen“, so Oeltjen.
Er betont: „Die Milch muss nicht einen Euro im Supermarkt kosten, wir müssen nur 35 Cent für den Liter bekommen“. Was den Landwirten zum Verhängnis werde, seien die laufenden Kosten. „Die Bauern gehen aus Existenznot auf die Straße. Wir haben Angst, dass wir unsere Betriebe verlieren“, erklärt der Landwirtschaftmeister Oeltjen, der einen Milchviehbetrieb mit 100 Kühen in Westerloy führt. Die psychische Belastung für die Landwirte sei extrem.
Lösungsvorschlag
Eine Lösung für die Problematik hat Arno Oeltjen parat: Die Eigenmarken der einzelnen Händler müssten etwas teurer werden, dann wäre man auf einem richtigen Weg. „Und das tut keinem Verbraucher weh“, so der 34-Jährige. Außerdem bedürfe es keiner Exporte von Milch aus anderen Ländern. „Wir haben hier die besten und höchsten Standards“, sagt Oeltjen auch mit Blick auf die Tierhaltung. Doch diese Standards müssten auch bezahlt werden.
Dass die strukturellen Herausforderungen nur im Zusammenspiel mit der Politik, der lebensmittelverarbeitenden Industrie und den Verbrauchern gelöst werden könnten, betonte vor einigen Tagen bereits ein Aldi-Sprecher.. „Wir suchen den Dialog mit allen Beteiligten der Wertschöpfungskette, um hier weitere Verbesserungen zu erreichen.“ Die Proteste hatten auch aufgrund der angekündigten Senkung des Butterpreises zum Jahreswechsel durch Aldi stattgefunden.
Gespräche mit Vertretern des Edeka-Konzerns hatte es noch in der Protest-Nacht gegeben. Edeka habe sich bereit erklärt. den weiteren Weg miteinander zu gehen, so Oeltjen.
Direkter Kontakt
Miriam Pöttker, Pressereferentin bei Edeka Minden-Hannover, bat um Verständnis, dass man nicht „den Weg über die Öffentlichkeit gehen“, sondern den „direkten Kontakt“ weiterführen wolle. Man stehe in regelmäßigem Austausch und nehme die konkreten Anliegen der Landwirte in persönlichen Gesprächen aktiv auf. Man treffe sich regelmäßig mit Landwirten aus Niedersachsen und Vertretern von Edeka Minden-Hannover, sagt auch Arno Oeltjen. Das Ergebnis bleibt abzuwarten.
