Ammerland - Dass das Ammerland in den letzten Jahrzehnten kräftig gewachsen ist, sieht man auf den ersten Blick. In jeder Gemeinde sind Neubaugebiete entstanden. Doch wie hat sich die Bevölkerung entwickelt? Und was bedeutet das Wachstum? Wir haben neue Zahlen des Landesamtes für Statistik ausgewertet.
126.571 Ammerländerinnen und Ammerländer gibt es offiziell in unserem Landkreis. Zumindest war das per Stichtag 30. September 2021 so. Inzwischen dürften es noch einige mehr sein, denn der Landkreis wächst und wächst. Die ältesten belastbaren Zahlen liegen gut 48 Jahre zurück. Am 31. Dezember 1973 wohnten gerade mal 85.359 Menschen im Ammerland. Seitdem ist die Einwohnerzahl pro Jahr um fast 1000 Personen gestiegen. Ein Plus von fast 50 Prozent für den gesamten Landkreis – genau sind es 48,3 Prozent. Aber die Gemeinden haben sich unterschiedlich entwickelt.
Ein Ende des Booms ist kaum in Sicht. Im ersten Halbjahr 2021 gab es allein 4000 Zuzüge. Allerdings zogen auch gut 3000 Menschen wieder weg. Der Saldo – trotz mehr Sterbefällen als Geburten – betrug 958 Personen gegenüber dem Vorjahr. Viele kommen aus Oldenburg. Weil sich junge Familien dort nur schwer den Traum vom eigenen Haus verwirklichen können, zieht es sie (seit Jahrzehnten) über die Kreisgrenze. Mittlerweile sind bei uns die Grundstückspreise zwar auch explodiert. Doch sie sind immer noch günstiger als in der Stadt. Der Zuzug bringt viel Geld ins Ammerland. Die Gemeinden nehmen Millionen ein über Neubaugebiete und den Anteil an der Einkommenssteuer der Neubürger. Gleichzeitig müssen sie aber auch enorm investieren – in Kitas und Schulen.
Am anderen Ende der Alterspyramide ist aber auch Handlungsbedarf. Die Bevölkerung wird trotz der Zuzüge immer älter. Der Mittelwert lag zuletzt bei 45,4 Jahren. Noch in diesem Jahrzehnt gehen die Babyboomer aus den 1960er Jahren in Rente. Dann fehlt es – noch mehr als schon jetzt – an Fachkräften. Und blickt man noch ein Jahrzehnt weiter, dann wird für viele aus den geburtenstarken Jahrgängen ein Platz in einem Seniorenheim benötigt.
All das wird nicht überraschend über uns hereinbrechen. Weshalb die Politik dieses Thema zunehmend in den Blick nehmen muss.
Apen
Auch zum Jahreswechsel 1973/74 hatte Apen die wenigsten Einwohner, wenn auch nur knapp hinter Wiefelstede. Damals war es 8569. Zum 30. September 2021 ist die Zahl auf 11.892 gestiegen. Das entspricht einem Wachstum von 38,7 Prozent. Allein in dem riesigen Neubaugebiet in der Gemeinde dürften sich in den kommenden Jahren gut 1000 Menschen ansiedeln.
Bad Zwischenahn
Bad Zwischenahn hat nun 29.450 Einwohner. Die 30.000er Marke dürfte bald geknackt sein. Allerdings wächst der Ort vor allem durch ältere Zuzügler. Dass Zwischenahn ein Rentner-Paradies ist, hat sich herumgesprochen. Gleichwohl ist die Gemeinde über die vergangenen 48 Jahre mit „nur“ 36,6 Prozent am geringsten gewachsen.
Edewecht
In absoluten Zahlen hat sich in Edewecht die Bevölkerung am meisten erhöht. Fast 10.000 Einwohner mehr als 1973/74 gibt es inzwischen. Mit 77,9 Prozent liegt das Wachstum mehr als doppelt so hoch wie in Zwischenahn. Insgesamt 22.726 Einwohner bedeuten aber nur den vierten Platz.
Rastede
Denn Rastede hat nach wie vor ein paar Dutzend Bürger mehr. 22.851 sind es nach letztem Stand. Mit 37,1 Prozent fiel das Wachstum am zweitniedrigsten aus. Weshalb die zwischenzeitlich einst zweitgrößte Gemeinde perspektivisch von Edewecht überholt werden könnte.
Westerstede
Westerstede hat Rastede innerhalb der letzten 48 Jahre bereits knapp überholt. In der Kreisstadt lebten zuletzt 23.478 Menschen. Die Zahl der Einwohner stieg um insgesamt 38,7 Prozent.
Wiefelstede
Wachstums-Spitzenreiter ist Wiefelstede. Plus 82,3 Prozent bei der Bevölkerung. Noch gut 1500 Menschen fehlen, dann hätte man die Einwohnerzahl gegenüber dem Jahreswechsel 1973/74 verdoppelt. Nach letztem Stand leben dort 16.174 Personen.
