Hankhausen/Ramsloh - Mannshoch stapeln sich knallrote Kisten bei strahlendem Sonnenschein im Hankhauser Moor bei Rastede. Darin sorgfältig verstaut sind frisch geerntete Torfmoose. Sie sollen auf weite Reise gehen. Ihr Ziel ist Venedig. Dort werden sie auf der diesjährigen Kunstbiennale im Pavillon Chiles zu sehen sein und in einem Becken wie in einem künstlichen Moor weiter leben und wachsen.
Moore schützen
Es gehe darum, den Mooren eine Stimme zu geben und die Wichtigkeit dieses einzigartigen Ökosystems aufzuzeigen, erklärt die New Yorker Künstlerin Christy Gast, die am Donnerstag und Freitag bei der Ernte in Hankhausen hilft und in einer internationalen Gruppe im Projekt „Turba Tol“ den Pavillon mitgestaltet. In Chile gebe es insbesondere in Patagonien große intakte Moorlandschaften, die allerdings vom Abbau bedroht seien.
Der Kontakt zwischen Chile und Hankhausen kommt über das international bekannte Greifswald Moor Centrum zustande. Gespendet werden die Torfmoose vom Torfwerk Moorkultur Ramsloh im Saterland. Das Torfwerk forscht seit einigen Jahren mit der Universität Greifswald auf einer rund 17 Hektar großen Versuchsfläche im Hankhauser Moor. Diese Fläche sei in Europa einzigartig, sagt Torfwerk-Geschäftsführerin Silke Kumar. „Hier gibt es nachwachsende Torfmoose, die extra dafür angebaut werden.“ Das ist auch der Forschungsschwerpunkt. Es werde getestet, welche Technik und welche Formen des Wirtschaftens sich für einen Anbau auch auf größeren Flächen eignen.
Handarbeit: 60 Quadratmeter Torfmoose werden Quadrat um Quadrat losgeschnitten und in insgesamt 250 Kisten verpackt. (Foto: Marlis Stein)
Marlis Stein
Kisten voller Torfmoose: Freiwillige Helferinnen und Helfer aus Greifswald ernten die Pflanzen. (Foto: Marlis Stein)
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Bereit zur Abfahrt: Bis zum 15. März müssen die Pflänzchen unbeschadet in Venedig angekommen sein. (Foto: Marlis Stein)
Marlis SteinAlternative zu Torf
Denn Torfmoose könnten langfristig eine Alternative für Torf darstellen, der aktuell als für die Pflanzenzucht als schwerlich ersetzbar gilt. Ein Blick in die weite Zukunft: Mit 30 000 Hektar könne man den gesamten Torfbedarf Deutschlands decken. Da es sich bei Torf um einen endlichen Rohstoff handelt und auch der Abbau kritisch gesehen wird, brauche es Alternativen. Torfmoose seien ein „super Ersatzstoff“, sagt Kumar. „Sie haben fast die gleichen Eigenschaften.“ Und es gebe weitere Vorteile. Torfmoose wachsen auf nassen Hochmooren. Sie könnten als nachwachsender Rohstoff regional angebaut werden und wiedervernässte Moorflächen das Klima kühlen und die CO-Emissionen deutlich senken. Auf der Biennale wird es im Pavillon Chiles ergänzend zum lebenden Moor Film und Audio-Installationen geben. Über die Kunst soll das Thema Moor auch diejenigen ansprechen, die sonst wenige Berührungspunkte damit haben, sagt Christy Gast. Während auf den abgeernteten Flächen im Hankhauser Moor die Torfmoose nachwachsen werden, steht noch nicht abschließend fest, was mit den Biennale-Pflanzen passieren soll. Sicher ist nur: „Es ist ein wertvoller Rohstoff, der nicht weggeworfen wird.“
