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NWZonline.de Region Ammerland Bildung

Am Anfang ist das Wort

19.02.2015

Edewecht Auf der hübsch gemusterten Tischdecke liegen Bücher. „Ach so“ heißt eines, „Pluspunkt Deutsch“ ein anderes. Zwei junge Männer beugen sich über die Seiten. Aliwaris und Bilal Mohammadi lernen Deutsch. Unterstützt werden sie dabei von Reinhold Wiehebrink.

Der Edewechter hat es sich zur Aufgabe gemacht, Flüchtlingen die für sie fremde Sprache beizubringen – ehrenamtlich, in seinem Privathaus. Aliwaris und Bilal sind nur zwei seiner Schützlinge. Seit Herbst leben die aus Afghanistan stammenden Cousins – beide 18 Jahre alt – in Deutschland, seit November sind sie in Edewecht untergebracht. Und seit Dezember besuchen sie beinahe an jedem Vormittag ihren Lehrer.

Ein Ort der Begegnung

Kontakte knüpfen und sich besser kennenlernen: Dazu erhalten Edewechter und Flüchtlinge künftig im „Haus der Begegnung“ an der Hauptstraße Gelegenheit.

Immer dienstags – ab 24. Februar – können Interessierte in einer Art Inte­grationscafé ins Gespräch kommen. Die Zusammenkünfte starten jeweils um 15 Uhr.

Hinter ihnen liegen schlimme Zeiten. 1998 waren sie mit ihren Familien vor den Taliban nach Pakistan geflohen. Bereits im Alter von zehn Jahren mussten sie im Türen- und Fensterbau arbeiten. „Aliwaris hat – anders als Bilal – einige Jahre eine Schule besucht“, sagt Wiehebrink und ermuntert den jungen Mann, zu erzählen, wie er und sein Cousin von Pakistan nach Deutschland kamen. „Wir sind meistens zu Fuß gegangen“, berichtet Aliwaris auf Englisch. Fünf Monate habe ihre Reise gedauert. Er weiß das Datum des Aufbruchs noch genau: 4. April 2014. Hin und wieder hätten sie Busse benutzt und das Boot.

Nun sitzen sie im gemütlichen Wohn-/Esszimmer der Wiehebrinks und lernen. „Lernen ist ganz wichtig.“ Aliwaris nickt, als er den Satz formuliert. Sein Traum ist es, eines Tages zu studieren. Auch nachmittags brüten er und Bilal über ihren Büchern und üben – dann in der Flüchtlingsunterkunft. „Bilal kam als Analphabet nach Deutschland. Jetzt schreibt er Buchstaben in lateinischer Schrift“, sagt Wiehebrink. Er hofft, dass die 18-Jährigen im Herbst so weit sind, dass sie die Berufsbildenden Schulen besuchen können. Und er hofft, dass sie nicht zu lange auf ihre offizielle Anerkennung als Asylbewerber warten müssen.

Auf dem Stundenplan der jungen Männer steht derzeit neben Deutsch ein weiteres „Fach“: Schwimmen. „Aliwaris hat ein orthopädisches Knieproblem“, verrät Wiehebrink. Schwimmen sei da ein geeigneter Sport. „Doch die beiden konnten es nicht.“ Im Edewechter Bad wird jetzt fleißig trainiert. „Wenn sie es richtig können, haben sie die Möglichkeit, im Verein weiterzumachen. So können sie Kontakte knüpfen“, betont Wiehebrink. „Wir haben schon ein paar Freunde“, sagt Aliwaris. Es sind Flüchtlinge – wie er und Bilal.

Kerstin Buttkus
Redakteurin
Redaktion Westerstede
Tel:
04488 9988 2603

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