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NWZonline.de Region Ammerland Bildung

Kleine Beulen schaffen Sicherheit

17.05.2018

Bad Zwischenahn Barfuß toben drei Jungen in der Awo-Kita in Bad Zwischenahn auf einer Holzrutsche herum, einer rutscht Kopf voraus und mit nach hinten gelegten Armen. Keine der Erzieherinnen wird nervös oder springt herbei, obwohl die Rutsche eigentlich nur ein flaches Holzbrett ist und der Junge jederzeit auf beiden Seiten herunterfallen könnte.

„Das wäre auch gar nicht schlimm“, sagt Sonja Hütt, pädagogische Fachkraft in der Kita. Die Rutsche gehört zu einem ganzen Set von Spielgeräten, hinter dem ein besonderes pädagogisches Konzept steht. Es geht zurück auf die Pädagogin Elfriede Hengstenberg und die Kinderärztin Emmi Pickler. „Die Kinder sollen sich selbstständig bewegen und ihren Körper erfahren“ erklärt Hütt. Die eigene Aktivität gibt ihnen mehr und mehr Sicherheit. Für die Mitarbeiterinnen der Kita bedeutet das: Nicht eingreifen, auch wenn ein Kind lange braucht, um sich auf einem der Geräte zurecht zu finden, oder wenn es mal stürzt.

„Das fällt auch uns nicht immer leicht“, sagt Hütt. „Tatsächlich brauchen die Kinder die Chance, zu fallen, sich auch einmal eine kleine Beule zu holen. Sie sehen an anderen Kindern, wie die auf den Geräten klettern und spielen. Mit der Zeit finden sie ganz von selbst heraus, wie es geht und gewinnen mehr Sicherheit.“

Zum pädagogischen Konzept und den dazugehörigen Geräten aus Holz kam die Kita über ein Projekt der Krankenkasse DAK. „Die hat genau wie der Gemeinde-Unfallversicherungsverband festgestellt, dass sich in Kitas Unfälle gehäuft haben, die es früher nicht gab“, erklärt Kita-Leiterin Petra Kläner. „Die Kinder sind buchstäblich über ihre eigenen Füße gestolpert und haben sich verletzt.“

Mitarbeiterinnen der Kita bildeten sich bei der Hengstenberg-Pikler-Gesellschaft fort und die Kita bekam die Geräte für ein Jahr leihweise. Dieses Jahr ist inzwischen um – und Personal wie Eltern sind von dem Projekt überzeugt. Besonders deutlich zeige sich der Erfolg bei Kindern, die schon im Krippenalter auf den Geräten waren. Sie seien oft wesentlich sicherer als Kinder, die erst im Kindergartenalter in die Einrichtung kommen und die entsprechenden Erfahrungen nicht gemacht haben.

Auch beim Spracherwerb mache sich das Projekt positiv bemerkbar, ergänzt Sprachfachkraft Christina Winter. Seit 2012 ist der Awo-Kindergarten Sprach-Kita. „Sprache und Bewegung haben viel miteinander zu tun“, so Winters Erfahrung.

Wenn die Geräte nach einem Jahr in der Kita bleiben sollen, müssen sie allerdings bezahlt werden. Bei der 2200 Euro teuren Anschaffung half die Erwin-Roeske-Stiftung jetzt mit 1700 Euro. Die Vorstandsmitglieder Helmut Hülsmann, Claus Ribken und Frank Martin ließen sich das pädagogische Konzept und die Geräte am Mittwoch in der Kita vorstellen. Das Projekt sei ganz im Sinne des Stifters, betonten sie.

Christian Quapp
Redakteur
Redaktion Bad Zwischenahn
Tel:
04403 9988 2630

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